Niederösterreich verfügt Baustopp für Windkraftwildwuchs

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Erwin Pröll, der Landeshauptmann von Niederösterreich, hat am 2. Mai den sofortigen Stopp für den unkontrollierten Ausbau der Windkraft verordnet. Es sollen zuerst geeignete Zonen für den Bau dieser umstrittenen Kraftwerke ausgewiesen werden. Der starke Widerstand von lokalen Gruppierungen, die sich gegen die Verbauung ihres Lebensumfelds zu Recht wehren, trägt endlich Früchte.panorama_heitersberg_ost

Quelle: Christof Merkli, Fotomontage Windpark Heitersberg, Schweiz

Grün setzt sich wehement für die Zerstörung der Natur ein.

Gemäss dem europäischen Standard für grüne Politik, wollen auch die österreichischen Grünen keinen wirksamen Schutz von Landschaft, Wald und Anwohnern vor den umweltbelastenden Windkraftwerken. Helga Krismer, die Sprecherin der Grünen Niederösterreich wiegelt in bekannter Manier mit den arttypisch grünen Fehlinformationen ab:

“Niederösterreich hat die weltweit strengsten Abstandsregeln für Windkraftanlangen. Nach dem geltenden Raumordnungsrecht muss eine Windkraftanlage mindestens 1.200 Meter vom Siedlungsgebiet entfernt sein und 2.000 Meter bis zum Siedlungsgebiet der Nachbargemeinde einhalten, sofern diese nicht zustimmt”

und

“410 WINDKRAFTANLAGEN IN NÖ LIEFERN SAUBEREN STROM”

Wahr ist, dass in Australien mindestens 2’000 Meter Abstand die Regel sind und dass in England ein Gesetz in Vorbereitung ist, welches verlangt, dass Anlagen mit einer Gesamthöhe von über 150 Metern einen Abstand von sogar 3’000 Metern zu bewohnten Gebäuden einhalten müssen. Wie praktisch alle zu ihren Gunsten gebeugten Aussagen der Grünen zu Windkraft stimmt es auch nicht, dass Windkraftwerke “sauberen Strom liefern” können. Der Strom aus Windkraftwerken ist systemisch betrachtet etwa so sauber, wie derjenige von Gaskraftwerken. Von dieser mikrigen Umweltbilanz kommen noch die netzbehindernde Unzuverlässigkeit und Unsteuerbarkeit als Abzug weg. Die von den Grünen aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnten Kernkraftwerke belasten die Umwelt dagegen kaum. Auch hier müssen die Grünen ihre bekannten und komplett erfundenen Horrorgeschichten hervorkramen, um die Bevölkerung immer wieder auf dem gewünschten Stand der Desinformation zu halten.

Man muss hier an die apokalyptisch angekündigten aber komplett ausgebliebenen Umweltkatastrophen des “Waldsterbens“, des  “Peak Oil“, dem “Supersupergau von Tschernobyl“, der “30’000 – jährigen Verstrahlung der Region um Fukushima” erinnern, die sich alle natlos in eine Reihe nicht eingetretener und von den Grünen propagierten Weltuntergänge seit dem Theater um die Bohrinsel “Brent Spar” einfügen:

Wikipedia: “Am 5. September 1995 räumte Greenpeace ein, dass ihre Schätzung über die Menge giftiger Ölrückstände im Tank grob fehlerhaft war: Die genannte Zahl von 5.500 Tonnen[Link] war viel zu hoch.”

BBC-Nachrichtenredakteur Richard Sambrook: „Bei mir blieb das Gefühl zurück, als hätte uns Greenpeace über weite Strecken an der Nase herumgeführt“.[Link]

Greenpeace benützt systematisch übertriebene Angaben als bewusstes Marketinginstrument, um die Gesellschaft und die Politik in ihrem Sinn zu beeinflussen. Die Greenpeace nahestehenden Grünen Politiker Europas haben dieses Prinzip ebenfalls verinnerlicht. Dies kann nur als “systematische Lüge” bezeichnet werden. Die Folgen dieser Lügengeschichten, die die Umweltverbände wie Greenpeace verbreiten, sind immer wesentlich fataler, als die aufgebauschten Katastrophen es je hätten sein können. Im Zusammenhang mit dem Nuklearunfall bei Tschernobyl gab es laut WHO 43 Tote. Die Schürung der Angst vor Geburtsfehlern bei zu diesem Zeitpunkt im fötalen Stadium befindenden Schwangeren hatte die Abtreibung von tausenden gesunder Föten zur Folge. Wie Studien später nachgewiesen haben, gab es zu keinem Zeitpunkt eine realistische Gefährdung der Föten durch den Unfall. Die Strahlung war nie in einem kritischen Bereich, um Schäden an den Föten hervorrufen zu können. Man schätzt die Zahl der durch Tschernobyl indizierten Abtreibungen weltweit auf bis zu 200’000. Keine einzige Organisation hat sich je dafür entschuldigt. Sie sind heute noch davon überzeugt, dass der damalige Alarmismus notwendig gewesen sei, um “die Menschen aufzurütteln”. Das ist ihnen bis heute gelungen.

Der grüne Realitätsverlust als Markenzeichen

Die Grünen Europas haben noch immer nicht bemerkt, dass sie ihre ursprünglichen Umweltziele schon vor vielen Jahren verlassen und verraten haben. Ihr blinder Idealismus, der gefährliche Aktionismus, die auf weitgehender Unkenntnis und reiner Phantasie beruhen, fokussieren sich auf die Abschaffung ausgerechnet der Energieform, die die Erreichung der Umweltziele und den Schutz des Klimas bestens unterstützen könnte: Die Kernkraft.
Grüne Politiker und Aktivisten schrecken nicht davor zurück, gut belegte Studien der WHO und der IAEA als unrichtig zu bezeichnen und mit eigenen, offensichtlich konstruierten Aussagen mit haarsträubenden Pseudobelegen als die einzige Wahrheit zu propagieren. Der grüne Realitätsverlust ist nur noch mit Psychologie erklärbar. Mit Wissenschaft hat das schon lange nichts mehr zu tun.

In der Schweiz 300 Meter Abstand

Die Situation der betroffenen Anwohner in Niederösterreich ist allerdings noch relativ vernünftig, wenn man mit den Verhältnissen in der Schweiz vergleicht. Während das Bundesamt für Energie mit der Windradlobby namens “Suisse Eole” erwiesenermassen im selben Bett schläft, kann sich dieser sogenannte “Verband zur Förderung der Windenergie” bei den Kantonen ungestraft als “Vertreter des Bundes” aufspielen und seine ganz eigenen Vorstellungen von Windkraft bei den desinformierten Behörden der Kantone durchsetzen. Wenn man die Diskussionen global, in Deutschland und Niederösterreich so anhört, kann man sich über die Kaltschnäuzigkeit der hiesigen Windradlobby allerdings nur kinnreibend an den Kopf langen. Während die ökonomischen Verhältnisse für die Nutzung der Windkraft im Ausland schon katastrophal schlecht sind, sieht sich die Eidgenossenschaft dazu verpflichtet, ihrer Windradlobby doppelt so viel Subventionen auszuschütten, wie irgendein anderes Land dieser Welt. Dies bei exakt der Hälfte des nutzbaren Windaufkommens … Es gibt tatsächlich einige Politiker in Bundesbern, die das als logisch bezeichnen.

Fracking bringt den “Peak Oil” zum verschwinden

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Noch vor wenigen Jahren undenkbar, eröffnen sich durch die Fördermethode “Fracking” gewaltige, neue Gas- und Ölvorkommen. Unvorstellbare Mengen an fossiler Energie wartet darauf, aus den Muttergesteinen des Erdinneren einer neuen Nutzung zugeführt zu werden.fracking_01

Bild 1: Quelle: P.Burri und W.Leu 2012

AVES-Zürich mit Frühlingsthema “Fracking”

Die AVES Zürich (Aktion für eine vernünftige Energieversorgung Schweiz) hat am Dienstag, 14. Mai unter der Leitung ihres neuen Präsidenten Martin Arnold ihre Frühlingstagung durchgeführt. Das Thema Fracking wurde durch den Geologen Dr. Peter Burri im Detail erklärt. Nach dem höchst interessanten Vortrag diskutierten Frau Aline Trede, Nationalrätin Grüne (Be), und René Graf, Geophysiker, Experte in Geothermie, Gas- und Erdölexploration, das Thema vertiefend weiter.

Keine Angst vor Fracking

Zuerst mussten die verschiedenen Vorurteile über das Fracking ausgeräumt werden. Es stellte sich einmal mehr heraus, dass die öffentlichen Medien Unwahrheiten und Falschinformationen verbreiten, die mit der Realität nichts zu tun haben. Fracking, so konnte Dr. Peter Burri eindrücklich aufzeigen, ist eine seit Jahrzehnten erfolgreich angewendete und bestens erforschte Technologie. Umweltschäden sind problemlos verhinderbar. Die Bohrungen müssen aber exakt und unter Einhaltung gewisser Sicherheitsvorschriften durchgeführt werden. In Amerika, wo das Fracking bereits weit über 100’000 Bohrungen umfasst, gibt es praktisch keine Probleme mit verseuchtem Grundwasser. In einzelnen Fällen hat es aber Verschmutzungen gegeben, weil die Arbeiten unsauber durchgeführt wurden. Diese Fälle werden auch heute noch als “zu erwartende Probleme” aufgebauscht. EIN brennender Wasserhahn durch einer von wenigen schlechten Beispielen des Fracking ist für die Medien allemal interessanter als die restlichen hunderttausend erfolgreichen und umweltverträglichen Bohrungen. Auch die Gefahr von Erdbeben und “Rissen, die bis an die Oberfläche reichen” muss komplett relativiert werden. Solche Bohrungen würden keinen Ertrag abwerfen, weil sie dem Ziel der Förderung von Kohlenwasserstoffen aus den tiefen Muttergesteinsschichten zuwiderlaufen.

Wie Fracking funktioniert

Zuerst wird vertikal bis in eine Schicht sogenanntes Muttergestein gebohrt (siehe Bild 1). Muttergestein ist eine Schicht mit vielen fossilen Einschlüssen, vereinfacht gesagt die “Mutter” der teilweise darüberliegenden konventionellen fossilen Gas- und Ölvorkommen. fracking_02

An der Erdoberfläche sichtbare Muttergesteinsschicht. Quelle: USGS, 2011

Nun wird die Bohrung horizontal weitergeführt. Damit das Muttergestein seine eingeschlossenen Gase freigibt, wird das Gestein mittels Wasserdruck “gefrackt”, also aufgerissen. Die im Muttergestein enthaltenen Gase und Öle können nun in die Bohrung entweichen und werden an die Oberfläche zur weiteren Verarbeitung gebracht. Die exakte Beschreibung des Vorgangs entnehmen wir den Folien von Dr. Peter Burri.

Umweltverträglichkeit

Fracking fördert günstiges Gas und Öl aus den alten Lagerstätten der konventionellen Öl- und Gasquellen. Damit wird fossiler Kohlenstoff in den Energieprozess eingeführt und erhöht damit naturgemäss den Anteil von CO2 in der Atmosphäre. Da vor allem Gas gefördert wird, kann damit der aktuell stark wachsende Einsatz von Kohle für die Energiegewinnung eingeschränkt oder sogar ersetzt werden. Die CO2 Bilanz kann deshalb mittelfristig entschärft werden, da die Verbrennung von Gas wesentlich weniger CO2 produziert, als die Verbrennung von Kohle. Es fallen auch weniger radioaktive und chemische Schadstoffe an (Schwefel, Stickoxyde usw.). Kohlesmog ist eine der schlimmsten Belastungen der Gesellschaft, wie wir in Peking, China gerade im Januar 2013 wieder eindrücklich gesehen haben.

Wirkung auf die Wirtschaft

Fracking hat die USA in den letzten 3 Jahren vom Importeur von Gas- und Öl in einen Exporteur dieser fossilen Energieträger gemacht. Durch den stark fallenden Gaspreis profitiert die energieintensive Industrie enorm von dieser Situation. Die vormalige Abhängigkeit der USA vom Öl und Gas des mittleren Ostens ist praktisch verschwunden. Das Potenzial der mit Fracking erschlossenen Lagerstätten ist so gross, dass die USA auf Jahrzehnte hinaus keine Versorgungsängste mehr haben müssen. Die Lagerstätten im Muttergestein können nach positiven Schätzungen an weltweit vielen weiteren Orten gefunden werden.

Fracking in der Schweiz

Selbst die Schweiz verfügt über eine grosse Muttergesteinsschicht, die sich unter dem Mittelland erstreckt. Hier kann die Geologie allerdings noch nicht mit Sicherheit darüber Auskunft geben, ob sich die schweizerischen Lagerstätten für eine ökonomische Erschliessung eignen.

Probleme dürfen nicht ignoriert werden

Die Technologie des Frackings ist bei Einhaltung weniger Regeln völlig unkritisch. Besonders beachtet werden müssen die wasserführenden Schichten im oberen Teil der Vertikalen Bohrung. Hier muss das Bohrloch mit geeigneten Mitteln exakt und zuverlässig abgedichtet werden. In tieferen Gesteinsschichten ist Fracking eine sichere Methode, solange die Gesteinsschicht, in der das Fracking stattfindet, nicht unter geologischer Spannung steht. Wird unter geologischer Spannung gefrackt, kann das kleinere oder grössere Erdbeben zur folge haben. Das ist allerdings eher ein Problem bei Fracking in den harten Granitschichten. Hier wird Fracking für den späteren Wärmeaustausch für die Geothermie verwendet. Eine berühmte Bohrung, die in dieser Hinsicht Probleme gemacht hat, war die Bohrung im Raum Basel. Fracking im Granit hat aber nicht den Zweck, fossile Energieträger zu fördern. Granitschichten sind naturgemäss eher unter Spannung, als das weiche, von fossilen Einschlüssen durchzogene Muttergestein. Eine Geothermiebohrung vermeidet die Schichten des Muttergesteins. Sie muss die ca. 200 Grad heissen Schichten erreichen, damit das eingepumpte Wasser für die Wärmeaufnahme nicht verschmutzt wird. Diese beiden unterschiedlichen Anwendungen des Frackings dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Sie haben auch unterschiedliche Risiken zur Folge.

Unbequeme Wahrheiten zu Klimawandel und CO2

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fredfmue49Kalksteinklippen im Schweizer Jura

Die geologische CO2-Sackgasse

Mit dem Argument, dass sich das als Treibhausgas diffamierte CO2 durch menschliche Aktivitäten in der Atmosphäre immer weiter anreichert und dadurch eine Klimakatastrophe auslöst, wird zurzeit versucht, die technische Zivilisation, auf der unser Wohlstand beruht, zu zerstören. Ahnungslose Politiker, clevere Geschäftemacher und auf Sponsoren angewiesene Professoren, die es eigentlich besser wissen müssten, missbrauchen die Unerfahrenheit der Bevölkerung, um Angst zu erzeugen. Diese Angst ist Ausgangspunkt katastrophaler Fehlentscheidungen wie der sogenannten Energiewende, mit der manche Profiteure reich werden. Ihr Geschäft blüht, weil viele Menschen gar nicht wissen, in welchem Umfang hier wenig fundierte Halbwahrheiten verbreitet werden. Es ist daher dringend an der Zeit, einige einfach fassliche, aber wesentliche Fakten rund um das Thema CO2 in den richtigen Zusammenhang zu stellen.

Die Wissenschaft, so behaupten es die meisten Medien, sei sich in der Frage des Klimawandels weitgehend einig: Der Mensch sei dabei, das Klima in katastrophaler Weise zu destabilisieren. Die Anhänger der Theorie vom menschengemachten Klimawandel (AGW, Antropogenic Global Warming) sehen als Hauptursache hierfür die Verbrennung fossiler Rohstoffe, welche das als Treibhausgas bezeichnete CO2 freisetzt [WICC, WICO]. Dadurch werde der eigentlich stabile CO2-Kreislauf unseres Planeten in fast schon irreparabler Weise gestört, siehe Bild 1.

fredfmue50Bild 1. Nach Auffassung der AGW-Anhänger hat erst die industrielle Revolution einen dramatischen Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre verursacht (Grafik: Wikipedia, Global Warming Art, Creative Commons)

Ihre These besagt im Wesentlichen, dass sich die Freisetzung von CO2 aus organischer Materie und seine erneute Bindung durch Fotosynthese seit hunderttausenden von Jahren mehr oder weniger im Gleichgewicht befanden. Dieses werde erst jetzt durch den vom Menschen verursachten CO2-Anstieg gefährdet: „Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre war jahrtausendelang praktisch konstant und steigt erst an, seit wir dem System riesige Mengen an zusätzlichem Kohlenstoff aus fossilen Lagerstätten zuführen“, erklärte hierzu der als Warner vor der sogenannten Klimakatastrophe zu Prominenz gekommene Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in einem Focus-Artikel [FORA]. Im gleichen Beitrag sagte er aus, bei den vom Menschen verursachten Emissionen handele es sich um Milliarden Tonnen Kohlendioxid, die dem eigentlich stabilen Kohlenstoffkreislauf netto hinzugefügt würden. Ähnliche Auffassungen vertreten auch zahlreiche weitere Klimaforscher, so auch die Autoren der inzwischen kontrovers diskutierten „Hockeystick-Kurve“ (Bild 2) des bekannten AGW-Apologeten Michael E. Mann [IPCC]. Am drastischsten aber formulierte es der US-Politiker Al Gore anlässlich der Auszeichnung mit dem Nobelpreis: „Wir Menschen haben es mit einem globalen Notfall zu tun. Die Erde hat jetzt Fieber. Und das Fieber steigt“ [FOAL].

fredfmue51Bild 2. Die „Hockeystick-Kurve“: Rekonstruierte Temperatur (blau) und Thermometerdaten (rot), die Fehlergrenzen sind in grau gezeigt (Grafik: Michael E. Mann, Raymond S. Bradley und Malcolm K. Hughes, IPCC/ Wikimedia Creative Commons)

Die Realität: CO2-Rückgang seit 600 Millionen Jahren

Ein völlig anderes Bild zeichnet dagegen Prof. Wolfgang H. Berger von der University of California San Diego in einem auf der Homepage der Universität angebotenen Online-Kurs [CALU], Bild 3. Demnach lag der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre vor etwa 500-600 Millionen Jahren bis zu 20mal höher als in den letzten paar Jahrhunderten vor der industriellen Revolution. Im Laufe der Zeit gab es dabei auch teils erhebliche Schwankungen. So begann der CO2-Gehalt vor etwa 450 Millionen Jahren erheblich abzusinken, bevor er vor rund 250 Millionen Jahren erneut auf etwa den fünffachen heutigen Wert anstieg. Seither nimmt er – wenn auch mit einer Reihe von Schwankungen – im Prinzip kontinuierlich ab. Heute haben wir die seit 500-600 Millionen Jahren nahezu niedrigsten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Würde man der obigen „Fieber“-Argumentation folgen, dann hätte die Erde vor Jahrmillionen fast schon kochen müssen. So sprach der Schweizer Professor und IPCC-Berichts-Chef Thomas Stocker in einem Interview mit der Weltwoche am 11. 4. 2013 von einem Temperaturanstieg von 2 bis 4,5 °C pro Verdopplung des vorindustriellen CO2-Gehalts von 280 ppm [STOC]. Zahllose Fossilien belegen jedoch, dass sich die Tier- und Pflanzenwelt früherer Zeiten trotz eines um bis zu 2000 % höheren CO2-Gehalts im Groβen und Ganzen bester Lebensbedingungen erfreute.

fredfmue52Bild 3. Entwicklung des CO2-Gehalts der Atmosphäre in den letzten ca. 570 Mio. Jahren. Der Parameter RCO2 bezeichnet das Verhältnis des Massenanteils an CO2 in der Atmosphäre des jeweiligen Zeitpunkts im Vergleich zum vorindustriellen Wert von ca. 300 ppm (Grafik: W. H. Berger)

Versauerung der Ozeane durch CO2?

Aus dem gleichen Grund stellt sich auch die Frage, wie ernst man Warnungen vor einer „Versauerung“ der Ozeane durch ansteigende CO2-Gehalte nehmen sollte. Gestützt auf diese Alarmrufe werden zurzeit groβe Summen an Forschungsgeldern ausgelobt, um die vorgeblich nachteiligen Auswirkungen des CO2-Anstiegs auf maritime Lebewesen zu untersuchen. Besonders im Visier sind dabei Korallen und sonstige Lebewesen, die Kalkskelette oder Kalkschalen ausbilden. Ihnen soll der eher bescheidene Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre von den vorindustriellen knapp 300 ppm auf heute etwa 390 ppm Schäden zufügen, die sich nach Ansicht mancher Gelehrter erschwerend auf die Fähigkeit zur Kalkabscheidung auswirken.

Irgendwie scheint man jedoch einige 100 Millionen Jahre vor unserer Zeit vergessen zu haben, dies den damaligen Meereslebewesen mitzuteilen. Vermutlich aufgrund dieser Unkenntnis müssen sich diese vom Kambrium bis zur Kreidezeit – rund 540 bis etwa 65 Mio. Jahre vor unserer Zeit – trotz eines bis zu 20fach höheren CO2-Gehalts bester Gesundheit erfreut haben. Überall auf der Erde beweisen zahllose, teils hunderte von Metern dicke Kalk- und Kreideschichten, dass sie regelmäβig imstande waren, gesunde und vollständige Kalkskelette auszubilden, Bild 4. Angesichts dieser Tatsachen fällt es schwer zu verstehen, wieso überhaupt Gelder für Forschungsprojekte zu den angeblich negativen Auswirkungen der „Meeresversauerung“ ausgegeben werden. Schliesslich hält die Geologie doch alle dazu nur wünschbaren Gegenbeweise in Form gut erhaltener Kalkfossilien in nahezu unendlichen Stückzahlen bereit – man muss nur hinsehen und Eins und Eins zusammenzählen.

fredfmue53Bild 4. Im Kalk der Insel Gotland eingebettetes Fossil

Wohin ist das CO2 entschwunden?

Da Atome unter den auf unserer Erde geltenden Bedingungen bekanntlich nicht verschwinden, stellt sich angesichts der heutigen niedrigen Werte die Frage, wo all das CO2 gelandet ist, das vor Urzeiten in unserer Atmosphäre und unseren Ozeanen vorhanden war. Die Antwort ist leicht zu finden: Es ist nicht ins Weltall entwichen, sondern steckt im Erdboden. Und interessanterweise ist das Leben selbst die primäre Ursache für dieses Verschwinden. Die überwiegende Menge des vor Jahrmillionen vorhandenen CO2 wurde zunächst von Lebewesen aufgenommen und mit anderen Elementen und Molekülen zu nichtflüchtigen körpereigenen Molekülen verbunden. Zu den wichtigsten der dabei gebildeten Substanzen gehört der bereits erwähnte Kalk (Calciumcarbonat, CaCO3), das Material, das auch die Grundstruktur unserer Knochen bildet. Im Laufe von Äonen haben sich in den Ozeanen daraus mächtige Sedimentschichten gebildet 2). Rund 80 % der gesamten Kohlenstoffvorräte der oberflächennahen Zonen der Erde sind heutzutage in Form von Kalkstein und Dolomit fest gebunden, Bild 5. Man muss sich vergegenwärtigen, dass das darin gefangene CO2 ursprünglich aus der Atmosphäre bzw. den Ozeanen stammt, weil seine Bindung im Kalk überwiegend durch lebende Organismen erfolgte, die es sich vorher per Fotosynthese und Nahrungskette einverleibt haben [WIKI1, KALK, MIAT2]. Durch diesen dauerhaften Einschluss im Kalk wurde Kohlenstoff, die Grundlage allen Lebens, nach und nach aus den natürlichen Kreisläufen entfernt. Weitere CO2-Senken der Erde sind neben den Kalkgesteinen noch die sogenannten Kerogene, das sind organische Bestandteile in alten Meeressedimenten, die durch Druck und Hitze umgewandelt wurden [GEO, WIKI2], sowie als geradezu winzige Fraktion die Lagerstätten von Kohle, Erdöl und Erdgas.

fredfmue54Bild 5. Überblick über die aktuellen Mengen an Kohlenstoff in und auf der Erdkruste sowie in Atmosphäre und Ozeanen (Gashydrat@Tiefsee-Methanhydrat, Böden@Pedosphäre1), Lebewesen@Biomasse)

Was hatten wir, wieviel ging verloren?

Schon der erste Blick auf Bild 5 zeigt, dass von den Mengen an Kohlenstoff bzw. gasförmigem CO2, die es einst in Atmosphäre und Ozeanen gab, nur noch klägliche Reste übrig sind. Atmosphäre und Ozeane, Erdböden (Pedosphäre1)) sowie alle zurzeit lebenden Tiere und Pflanzen enthalten gerade noch 0,05 % (0,5 Promille) dessen, was früheren Vertretern des Lebens auf unserem Planeten insgesamt zur Verfügung stand. Im Vergleich zu den in Kalkstein und Kerogen gebundenen Mengen sind die uns bekannten Vorräte an fossilen Brennstoffen – Kohle, Erdöl und Erdgas – mit nur etwa 5 Millionstel der Gesamtmenge geradezu lächerlich gering.

Interessant ist die Frage, wie sich die früher einmal verfügbaren CO2-Mengen im Verhältnis zur gesamten Erdatmosphäre darstellen. Wenn man einmal ausrechnet, wieviel CO2 im Verlauf der Äonen in Gestein, Kerogen usw. umgewandelt wurde, so landet man bei etwa 275 Billiarden (275 * 1015) Tonnen – mehr als 50 Mal die Masse der gesamten heutigen Erdatmosphäre. Dies legt den Schluss nahe, dass es auf der Erde Kohlenstoffquellen gibt bzw. gegeben hat, die einen mehr oder weniger kontinuierlichen Zustrom an CO2 in die Atmosphäre bewirkt haben, denn nach dem bereits erwähnten aktuellen Stand der Wissenschaft wies die Atmosphäre in den letzten ca. 600 Mio. Jahren zu keiner Zeit ständige CO2-Gehalte von mehr als 1 % auf. Als wahrscheinlichste CO2-Quellen können Vulkanismus sowie die Verwitterung von Gesteinen angenommen werden.

fredfmue55Bild 6. Fossile Muscheln mit weitgehend erhaltener Kalkschale

Gefahr durch fossile Brennstoffe?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Betrachtung der vorliegenden Zahlen ist, dass die heutige „Klimawissenschaft“ augenscheinlich von Leuten dominiert wird, die ihre ganz eigenen Vorstellungen von den Grundregeln ernsthafter Wissenschaft entwickelt haben. Zumindest bis vor 40 Jahren galt es an naturwissenschaftlichen Fakultäten noch als selbstverständlich, dass man eine Aufgabenstellung erst einmal von allen Seiten und unter allen Aspekten zu betrachten hatte, bevor man anfing, Hypothesen aufzustellen und Beweisführungen aufzubauen. Dazu gehört bei langfristigen Entwicklungen untrennbar auch die historische Perspektive, und zwar über ausreichend lange Zeiträume, um systematische Einflüsse von zufällig bedingten Schwankungen unterscheiden zu können. Hält man sich an diese Regel, so fällt es schwer zu glauben, dass die jährliche Verbrennung von wenigen Promille eines Anteils von lediglich fünf Millionstel (5 ppm) des ursprünglich vorhandenen Kohlenstoffvorrats in und auf der Erdkruste bei unserem Planeten Fieberschauer auslösen und sein Klima irreparabel destabilisieren soll. Den AGW-Anhängern muss man vorhalten, sich bei ihrem Alarmismus wegen des angeblich stabil in der Atmosphäre verbleibenden CO2 nicht ausreichend um die Frage gekümmert zu haben, welche CO2-Kreisläufe es denn in der Natur überhaupt gibt und wie sie wirken. Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass eisfreie Polkappen erdgeschichtlich den Normalzustand darstellen und etwa 80 bis 90 Prozent der Erdgeschichte ausmachen, während Zeiten mit vereisten Polkappen als Ausnahme gelten [WIEI].

fredfmue56Bild 7. Die Daten aus Bild 3 belegen einen seit rund 230 Mio. Jahren recht stabilen Abwärtstrend des CO2-Gehalts der Atmosphäre. In dieser Zeit ist die Konzentration um 80 % gesunken

Der Trick, mit dem die Vertreter der AGW-Hypothese arbeiten, ist schlicht der, dass sie die zeitliche Dimension so verkürzen, bis der von ihnen gewünschte Effekt „bewiesen“ zu sein scheint. Die hier dargelegten Fakten legen dagegen zwei ganz andere „unbequeme“ Hypothesen nahe: Erstens scheint die Klimawirksamkeit des CO2 sehr viel geringer zu sein als von den AGW-Vertretern behauptet. Zweitens hat das verfügbare CO2 vor allem in den letzten 230 Mio. Jahren recht stetig abgenommen, Bild 7. Es ist sogar nicht auszuschlieβen, dass der Planet inzwischen diesbezüglich soweit verarmt ist, dass eine neue „Eis-Erde“ (Snowball Earth) [SNOW] viel eher drohen könnte als eine katastrophale Erwärmung.

 

1) Als Pedosphäre wird die sogenannte „Bodenhülle“ mit Humus, Torf, Sedimenten und Mineralien bezeichnet. Die Pedosphäre markiert damit den Grenzbereich der Erdoberfläche, in dem sich die Lithosphäre, die Hydrosphäre, die Atmosphäre und die Biosphäre überschneiden. Ihre Masse wird mit 1.500 Mrd t angegeben. [WIPE]

2) Natürlich gibt es auch zahlreiche und vielfältige sekundäre Kalksteinformationen, die nicht direkt durch Bindung von gasförmigem CO2 entstanden sind. Dies kann jedoch für die hier angestellten Betrachtungen vernachlässigt werden, da solche sekundären Gesteine aus primären Ablagerungen hervorgegangen sind, auf welche das Hauptargument des Artikels wiederum zutrifft. Ähnliches gilt auch für den Dolomit (CaMg[CO3]2), der laut Wikipedia im Wesentlichen durch Wechselwirkung von magnesiumhaltigen Lösungen mit Calcit-Sedimenten wie Riffkalkstein entstanden ist.

Quellen

[CALU] Berger, W. H.: Carbon Dioxide through Geologic Time, http://earthguide.ucsd.edu/virtualmuseum/climatechange2/07_1.shtml, abgerufen 21.4.2013

[FOAL] http://www.focus.de/politik/zitate/zitat_aid_228903.html, abgerufen am 2.5.2013

[FORA] Klimawaage außer Balance, FOCUS Magazin http://www.focus.de/wissen/klima/tid-8638/diskussion_aid_234323.html, abgerufen am 21.4.2013

[GEODZ] http://www.geodz.com/deu/d/Kerogen, abgerufen am 24.4.2013

[IPCC] Fig. 2.20 des dritten Berichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der UNO

[KALK] Kalk – ein Rohstoff aus Schalen und Knochen, http://www.kalk.de/index.php?id=35, abgerufen am 20.4.2013

[MIAT2] Kalkgesteine, Mineralienatlas, http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralienportrait/Calcit/Kalkgesteine, abgerufen am 20.4.2013

[SNOW] http://snowballearth.org/when.html, abgerufen am 22.4.2013

[STOC] http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/ipcc-berichts-chef-thomas-stocker-zeigt-im-weltwoche-interview-unerklaerliche-gedaechtnisluecken-die-gespraechsanalyse-von-vahrenholt-und-luening/ abgerufen am 1.5.2013

[WICC] Kohlenstoffzyklus, Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffzyklus, abgerufen 21.4.2013

[WICO] Kohlenstoffdioxid, Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid, abgerufen 21.4.2013

[WIEI] http://de.wikipedia.org/wiki/Zwischeneiszeit, abgerufen am 10.5.2013

[WIKI1] Kalkstein, Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kalkstein, abgerufen am 21.4.2013

[WIKI2] Kerogen, Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kerogen, abgerufen am 24.4.2013

[WIPE] http://de.wikipedia.org/wiki/Pedosph%C3%A4re  abgerufen am 1.5.2013

Ausgereifte Nuklear-Endlagerung – direkt beim Nachbarn

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fredfmueller50Schema des Endlagers für hoch radioaktive Brennelemente im schwedischen Forsmark (Grafik: SKB)

Wenn Blinde nicht sehen wollen…

Soeben hat die deutsche Politik beschlossen, ein seit Jahrzehnten mit hohen Kosten vorangetriebenes Endlagerprojekt aufzugeben und für weitere 2 Mrd. € die „ergebnisoffene“ Suche nach einem Endlager neu zu beginnen. Wer das bisherige Gehampel in dieser Frage verfolgt hat, dem ist klar, dass man hier lediglich das Problem mit enormen Kosten erneut auf die lange Bank schiebt. Bezahlen sollen dies die angeblich Schuldigen, nämlich die KKW-Betreiber. In Wirklichkeit landet die Rechnung jedoch ausschlieβlich beim Bürger, weil diese Kosten über den Strompreis weitergegeben werden. Dabei gibt es fertig ausgereifte und sehr überzeugende Endlagerkonzepte schon seit langem sozusagen direkt vor unserer Tür  – in Schweden und Finnland. In Finnland ist man bereits so weit, dass mit ersten Einlagerungen möglicherweise schon 2022 begonnen werden könnte.

Während im deutschen Sprachraum Vertreter der Öko-Milliardäre und ihre Lobbyisten mit erstaunlicher Unverfrorenheit behaupten, es gebe nirgendwo auf der Welt ausgereifte Endlagerkonzepte, ist man nur einige Kilometer weiter nördlich bereits tatkräftig dabei, die letzten Schritte für die Realisierung eines seit Jahrzehnten sorgfältig ausgetesteten und wissenschaftlich abgesicherten Endlagerkonzepts für hoch radioaktive Abfälle zu gehen. In enger Kooperation haben Schwedens Svensk Kärnbränslehantering AB (SKB) und Finnlands Posiva Oy inzwischen ihr Konzept soweit ausentwickelt, dass bereits konkrete Zeitvorstellungen für die Realisierung ins Auge gefasst werden. In Finnland könnte man bereits in neun Jahren erste Abfälle einlagern, und in Schweden ist das Projekt inzwischen in der Genehmigungsphase.

fredfmueller51Bild 1. Der 4 Meter lange Brennstab für einen Kernreaktor besteht aus einem Bündel dünner Rohre, in denen sich tausende kleiner Urantabletten befinden

Konsens statt Konfrontation

Weder den Schweden noch Finnland kann man vorwerfen, ihre Regierungen würden ihre Verantwortung gegenüber Bevölkerung und Umwelt auf die leichte Schulter nehmen. Der hoch entwickelte Industriestaat Schweden mit seinen rund 9 Millionen Einwohnern betreibt zehn Kernreaktoren, deren Anteil an der Stromerzeugung bei 35-40 % liegt. Von diesem Nuklearpotenzial profitiert auch der Nachbarstaat Norwegen, der gerne auf diese sicheren Reserven zurückgreift, wenn den dortigen Wasserkraftwerken im Winter die Zuflüsse einfrieren. In Schweden haben Staat, Industrie und Parteien im Konsens ein umfangreiches, langfristig angelegtes Forschungsprogramm für die Entwicklung eines verantwortbaren Endlagerkonzepts für die ausgebrannten Kernbrennelemente aufgelegt. Die Verantwortung hierfür obliegt der Firma SKB, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der schwedischen Erzeuger von Kernenergie. Finanziert werden die Aktivitäten durch eine Abgabe in Höhe von 0,01 SEK (=1 Öre) auf jede nuklear erzeugte Kilowattstunde. Bemerkenswert ist die große Offenheit der Schweden und Finnen, die sehr darauf achten, dass die Bevölkerung zu allen mit der Lagerung von radioaktivem Material verknüpften Informationen Zugang hat und Bedenken bezüglich möglicher Probleme sehr sorgfältig nachgegangen wird. „Lohn“ dieser Mühe ist der bereits erwähnte außergewöhnlich hohe Grad an gesellschaftlichem Konsens.

fredfmueller52Bild 2. Blick in einen der Tunnel, die viele hundert Meter tief in den harten Granit getrieben wurden

Eine Aufgabe…

Ausgelegt ist das Endlager primär für ausgebrannte Kernbrennstäbe. Dies sind schlanke, rechteckige Rohrbündel von ca. 4 Metern Länge, die viele Tausend einzelne Urantabletten enthalten. Nach Ende des aktiven Einsatzes sind diese Elemente „heiβ“, weil in ihnen zahlreiche Zerfallsreaktionen der im Kernkraftwerk gebildeten Spaltprodukte ablaufen. Sie wandern daher zunächst für mehrere Jahrzehnte in Abklingbecken, bis die kurzlebigeren Isotope zerfallen sind und Radioaktivität sowie Temperatur auf ein vertretbares Maβ gesunken sind. Erst dann ist

ein Verkapseln und Endlagern möglich. In Schweden erfolgt die Aufbewahrung in zwei riesigen Kavernen, die rund 40 m tief ins Grundgestein getrieben wurden. In tiefen Wasserbecken lagern hier mehr als 10.000 ausgebrannte Brennelemente.

fredfmueller53Bild 3. Eines der beiden riesigen Abklingbecken, in denen abgebrannte Brennelemente gelagert werden

für die „Ewigkeit“

Während in Deutschland und der Schweiz Berufs-Panikmacher dem Volk einreden, bei der Endlagerung gehe es um Jahrmillionen, hat man in Skandinavien lieber Wissenschaftler gefragt und rechnet daher mit 100.000 Jahren. Auch das ist noch eine ungeheure Zeitspanne, denn der sichere Einschluss muss selbst dann gewährleistet sein, wenn eine neue Eiszeit die Lagerstätte unter einem Eispanzer von 3 km Dicke begraben würde.

Um die tatsächliche Größenordnung der Aufgabe zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass es bisher keine vom Menschen errichteten Bauwerke oder Technologien gibt, die mehr als ein paar tausend Jahre überdauert haben. Zudem zeigt die Erfahrung, dass moderne Konstruktionen in aller Regel sogar noch viel kurzlebiger ausgelegt sind als antike Bauwerke wie z.B. die Pyramiden.

fredfmueller54Bild 4. Das in Schweden entwickelte Endlagerkonzept für nukleare Abfälle (Grafik: SKB)

Kupfer, Granit und Bentonit

Deshalb dachte man gar nicht erst über Bauwerke nach, sondern konzentrierte sich vor allem darauf, natürliche Materialien und Strukturen zu finden, die ihre Fähigkeit zum sicheren langzeitigen Einschluss von Substanzen auch unter rauesten Umgebungsbedingungen schon unter Beweis gestellt hatten. Die letztlich gefundene Lösung beruht auf der Kombination von drei Materialien, von denen jedes für sich schon für die Erfüllung der Aufgabenstellung geeignet wäre. Entworfen wurde ein dreifacher Einschluss: Tief in massives Granitgestein getriebene Bohrungen umschließen und schützen dicht verschweißte Kupferzylinder, die ihrerseits von einer dicken Packung wasserdichten Bentonits – einem speziellen Lehm – umgeben sind. Das für die Anlage des Endlagers ins Auge gefasste Grundgestein, eine Granitformation mit der Bezeichnung „Äspödiorit”, liegt seit 1,8 Mrd. Jahren unverändert an Ort und Stelle und gehört damit zu den ältesten geologischen Formationen auf unserem Kontinent. Solches Grundgestein hat, wie Wissenschaftler aus Funden in Afrika ermittelten, die Überreste „natürlicher“ Kernreaktoren, die dort vor rund 2 Mrd. Jahren existierten, mit großer Effizienz eingeschlossen. Selbst Plutonium wurde ausgefiltert und an Mineralkörner in Gesteinsritzen gebunden. Der Bentonitlehm, der die Kupferbehälter in ihren Gesteinsnischen umhüllen und u.a. vor Beschädigung durch Gesteinstrümmer schützen soll, ist wasserdicht und hat darüber hinaus hervorragende Absorptionseigenschaften. Im Äspö-Hartgesteinslabor in Oskarshamn wird ein Stück Holz ausgestellt, das nach zwei Millionen Jahre Einschluss in Bentonit noch perfekt erhalten ist. Was das Kupfer angeht, so handelt es sich um ein sogenanntes halbedles Metall. Die Korrosionsbeständigkeit der metallischen Hülle der Behälter ist unter den vorgesehenen Umgebungsbedingungen so gut, dass die Dichtheit der Behälter für weit mehr als die vorgesehene Zeitdauer gewährleistet sein dürfte.

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Bild 5. Die abgebrannten Elemente werden in dickwandigen Kupferzylindern versiegelt und in einer isolierenden Bentonitpackung in groβer Tiefe in Granitkavernen eingelagert (Grafik: SKB)

Behälter: Aufbau und Verschluss

Der Kupferbehälter dient im Prinzip als gasdichte, korrosionsbeständige Kapsel, die das Entweichen von Inhaltsstoffen in die umliegenden Schichten verhindert. Die Wanddicke liegt bei 50 mm. Den Innenraum füllt ein massiver Kern aus duktilem Gusseisen mit einer Anzahl wabenartiger Aussparungen für die Aufnahme der einzelnen Brennstäbe. Dieser Kerns soll zum einen die einzelnen Brennstäbe sicher in ihren Positionen fixieren. Darüber hinaus verhindert seine hohe Festigkeit ein Zerdrücken des Behälters selbst bei extremem Gesteinsdruck. Vor dem Einsatz wird jeder einzelne Behälter einer gründlichen Qualitätskontrolle unterzogen. Beladen werden sie in einer speziell hierfür vorgesehenen Anlage direkt am Zwischenlager. Nach der Beladung wird ein massiver Deckel aufgesetzt und danach dicht verschweißt. Diese Arbeiten werden – unter Beachtung aller für den Umgang mit radioaktivem Material geltenden Vorschriften – mannlos von hoch automatisierten, ferngesteuerten Anlagen durchgeführt. Anschließend werden die fertigen Behälter zum Endlager in 500-700 Meter Tiefe verbracht und in vorbereitete Aussparungen eingesetzt. Der Zwischenraum zwischen Behälter und Wand wird mit Bentonitlehm aufgefüllt. Wenn alle Nischen eines Tunnels belegt sind, wird er mit einer Mischung aus Gesteinstrümmern und Bentonit verfüllt und durch einen massiven Betonpfropfen versiegelt.

fredfmueller56Bild 6. Im Inneren des Kupferzylinders befindet sich ein stabiler Gusskörper, in dessen Aussparungen dann die Brennelemente geschoben werden

Die Gewinnler und die Verlierer der Energiewende

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Die Schweizer Bürger werden mit 11 Milliarden Franken belastet

dorisDie beste Methode, an das Geld des Volkes heranzukommen, ist die Täuschung. Das wusste schon die Kirche im Mittelalter, als sie mit Hilfe des Ablasshandels naiven Gläubigen grosse Summen abknöpfte. Mit den Zahlungen, so wurde ihnen eingeflüstert, könne das Leiden der Seelen von Anverwandten im Fegefeuer verkürzt werden. Heute wird dem gutgläubigen Schweizer Bürger weisgemacht, er könnte mit einem „kleinen“ Obolus auf den Strompreis das Klima retten. In Wirklichkeit geht es jedoch um nichts anderes als um eine riesige Umverteilungsaktion zugunsten einer Handvoll Öko-Profiteure. Leidtragende sind nicht nur die Bürger, sondern auch die Natur, die durch vogelmordende Windräder und fischmordende Klein-Wasserkraftanlagen verschandelt wird.

In der Natur fährt am besten, wer die 3T-Regel-beherrscht: Tricksen, Täuschen, Tarnen. Gleiches gilt auch für jene, die es auf das Geld argloser Zeitgenossen abgesehen haben. Als Tarnung für solche Abzockaktionen braucht es zunächst einen völlig harmlos klingenden Namen. Den von Schweizer Grünmenschen erfundenen Begriff der „kostendeckenden Einspeisevergütung“ kann man in diesem Zusammenhang als wahren Geniestreich würdigen. Wer kann schon etwas dagegen haben, dass Kosten gedeckt werden, dass Strom eingespeist wird oder dass armen Menschen auf Wartelisten aus der Patsche geholfen wird. Die Wahrheit ist jedoch eine ganz andere: Hier wird Profiteuren, die Strom auf ungeeigneten Anlagen zu unsinnig hohen Preisen produzieren, ein komfortabler Gewinn auf 20 oder gar 25 Jahre hinaus garantiert.

Der zweite Trick ist der, dass man das Geld dem Verbraucher in winzigen, fast schon unbedeutenden Beträgen abzwackt. In einem Land, das schon gar keine Münzen unter dem Wert von 5 Rappen mehr verwendet, scheinen läppische 1,5 Rappen auf die Kilowattstunde doch gar nicht der Rede wert. Schliesslich gehört die Schweiz ja zu den reichsten Ländern Europas.

300 Mio. pro Jahr für Öko-Gewinnler

Wer sich jedoch die wahren Dimensionen der Angelegenheit ansehen will, muss auf das andere Ende der Sammelaktion schauen. Hier zeigt es sich, dass es um Hunderte Millionen Franken pro Jahr geht, die – so die beschönigende Aussage – helfen sollen, ab 2014 die Warteliste für Projekte im Solar-, Wind- und Biomassebereich abzubauen [BLUE]. Mit dem Begriff „Abbau der Wartelisten“ ist in Wirklichkeit jedoch gemeint, dass hier Profiteuren, die gezockt haben, indem sie in untaugliche und überteuerte Technologien wie Solar- und Windenergie investierten, mit staatlicher Gewinngarantie ausgeholfen wird. Dafür muss jeder Schweizer 4-Personen-Haushalt ab 2014 pro Jahr rund 140,- CHF hinlegen. Bis 2050 wird sich dies – bei Voraussetzung konstanter Zahlen – auf einen Gesamtbetrag von rund 11 Milliarden CHF aufsummieren. Daran darf sich jeder Schweizer 4P-Haushalt mit über 5000,- CHF beteiligen.

Zwar reden zuständige Politiker schönfärberisch davon, dass die Beitragserhöhung keineswegs permanent sei, weil die Subvention mit steigender Konkurrenzfähigkeit der erneuerbaren Energien sinke. Man braucht jedoch nur einen Blick über die Nordgrenze zu werfen, um zu erkennen, dass dies nicht wahr ist. So behauptete das Ministerium des „grünen“ Ministers Trittin vor wenigen Jahren, dass der Anstieg der dort als EEG-Umlage bezeichneten Zwangsabgabe einen Durchschnittshaushalt selbst bei sehr dynamischem Ausbau nicht mehr als 3 Euro pro Monat kosten werde. Inzwischen liegen die jährlichen Belastungen jedoch bereits im dreistelligen Bereich und Trittins Nachfolger Altmaier bemüht sich mit hektischen Manövern darum, den weiteren Anstieg zumindest zu bremsen.

Anstieg auf über 300 Prozent

Wie wenig man den Beschwichtigungen der Politiker auf diesem Gebiet vertrauen darf, zeigt sich allein schon daran, dass die jetzt beschlossene Erhöhung von 0,45 Rp. auf 1,5 Rp. in Wirklichkeit bedeutet, dass der Zuschlag von bisher 100 % auf jetzt 333 % erhöht wird. Eine solche Steigerung ist im Prinzip ungeheuerlich und sollte eigentlich eine entsprechende Anti-Abzocker-Initiative ins Leben rufen.

Die Betreiber der Anlagen erhalten dagegen aus dem KEV-Topf eine komfortable, auf 20 Jahre (Windenergie) bzw. 25 Jahre (Fotovoltaik) garantierte Vergütung. Während ein konventionelles Kraftwerk eine Kilowattstunde Strom für Beträge von etwa 4-5 Rp. erzeugen kann, wird den Betreibern aktuell für Windstrom bis zu 21,5 Rp. und für Fotovoltaikanlagen sogar bis zu 39,4 Rp. je kWh gezahlt. Zwar sollen diese Sätze im Verlauf der Jahre sinken, doch ist das Missverhältnis zu den Beträgen, zu denen bisher Strom produziert werden konnte, einfach grotesk hoch. Beteuerungen, es handele sich um eine übergangsweise Förderung, die mit Erreichen der Wettbewerbsfähigkeit eingestellt werde, sollte man keinen Glauben schenken. Zu deutlich zeigt sich in Deutschland, dass solche Beteuerungen Zwecklügen sind. Es geht schlicht um eine aus Deutschland importierte Betrugsmasche, mit der einigen Profiteuren ein bequemes Einkommen auf Kosten der Allgemeinheit gesichert werden soll, und sonst nichts.

Was wird noch verschwiegen?

Wenn man sich die zurzeit in Umlauf gebrachten Zahlen genauer ansieht, so drängt sich zudem der Verdacht auf, dass man dem Volk nicht die ganze Wahrheit sagt. Schaut man sich den Stromverbrauch der Schweiz für das Jahr 2012 an, so kommt man auf 63 Terawattstunden (TWh). Nimmt man hiervon den Anteil der Privathaushalte, der recht stabil bei rund 30 % liegt, so errechnet sich allein für die Privathaushalte eine KEV-Gesamtsumme von knapp 300,- Mio. CHF pro Jahr. Was aber ist mit den übrigen 70 %? Angeblich sollen nur Grossverbraucher von der Zahlung ausgenommen sein, und das wären vermutlich höchstens 30 % der Industrie sowie der Verkehr, sprich die Bahn. Diese beiden Positionen machen zusammen jedoch nur rund 20 % des Gesamtverbrauchs aus. Was ist mit den übrigen 50 %, was einem zusätzlichen Betrag von rund 500 Mio. CHF pro Jahr entspricht. Wo bleibt dieses Geld, warum finden sich hierüber keine Angaben? Oder soll nur der Verbraucher direkt belastet werden? Es wäre einmal interessant zu sehen, wann sich im Land politische Kräfte finden, die bereit sind, solche Fragen zu stellen.

fredfmue47Bild 1. Anteile des Stromverbrauchs in der Schweiz im Jahre 2011 (Zahlen: UVEK)

fredfmue48Bild 2. Würden alle Verbraucher gleichermassen zur Zahlung der KEV herangezogen, so kämen im Jahr knapp 1 Mrd. CHF zusammen (Grafik: Autor)

Quellen:

[BFE] GESAMTE ERZEUGUNG UND ABGABE ELEKTRISCHER ENERGIE IN DER SCHWEIZ MITGETEILT VOM BUNDESAMT FÜR ENERGIE

[BLUE] http://www.bluewin.ch/de/index.php/22,777411/Nationalrat_bringt_Energiewende_light_auf_den_Weg/de/news/inland/sda/

Die Universitäten und ihre unbrauchbaren Studien zur Energiewende

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panorama_heitersberg_ostIn den letzten Monaten häufen sich die Studien von hochqualifizierten Professoren, Doktoren und anderen Spezialisten zur schweizer Energiewende. Sie wollen alle auch etwas Wichtiges zum Umbau unserer Energieversorgung beitragen. Sozialpsychologen und Computerwissenschaftler überschlagen sich in der Veröffentlichung von Studien und Berichten geradezu und arbeiten auf ein Versorgungsideal hin, das im besten Fall als “Luftschloss einer verwirrten Gesellschaft” bezeichnet werden kann. Dieser universitäre Aktivismus dient einem einzigen Zweck: Dem politischen Mainstream nach dem Munde reden.

Die Energiestrategie des Bundes, von allen seriösen Energiespezialisten als grosse Traumtänzerei von linken Subventionsempfängern bezeichnet, soll durch diese Studien die höheren Weihen der universitären Eliten erhalten. Wer etwas am Lack kratzt oder hinter die Kulissen des Theaters blickt, sieht Fratzen des politischen und ideologischen Filzes. Man kann es nur als “unglaubliche Kurzsichtigkeit” bezeichnen, wie eine ideologisch verblendete Elite bereit ist, jeglichen wissenschaftlichen und vernünftigen Ansatz zu opfern, um der geistesinzüchterischen Kamarilla aus linker Politik und Ideologie zu gefallen.

Dabei übersehen diese Wissenschaftler immer die gleichen Mechanismen: Aus ihrer unzweifelhaften Fachkompetenz “Psychologie” oder “Computerwissenschaft” und aus persönlicher Befangenheit zum Thema Atomkraft heraus, lassen sie sich durch die grüne Energielobby dazu verführen, ihre vermeintliche Sachkompetenz zur Energiewende zu veröffentlichen. Peinlich ist das vor allem, weil sie alle nicht bemerken, wie sie ihre Energiekompetenz in grandioser Weise überschätzen. Für jeden seriösen Energieexperten sind die benutzten Grundlagen und die daraus gezogenen Schlüsse schlecht nachvollziehbar. Aber die Meute der energetisch schwach gebildeten Journalisten saugt diese Informationen auf wie ein trockener Schwamm. Daraus resultiert die landesweite Desinformation zum Thema Energie, die von den Profiteuren exakt so gewollt ist. Aber wer überträgt einem Computerfreak oder einem Sozialpsychologen denn schon ernsthaft den Auftrag, die Energiewende zu erklären? Das kann nur dem Bundesamt für Energie einfallen. Diese Bastion der schweizer Energiedesinformation par excellence braucht dringend ein paar unterstützende Wort aus der Wissenschaft. Weil diese von seriösen Energiefachleuten nicht zu bekommen sind, werden die hinterletzten Ideologen aus den Universitäten gesucht, gefunden und gerne bezahlt.

panorama_egelsee_4Um einer eh schon desinformierten Bevölkerung die Windkraftwerke schmackhaft zu machen, versteigt sich zum Beispiel der Sozialpsychologe Götz Walter et al. dazu, die von ihm nur noch abschätzig “Skeptiker” genannten Gegner als Nörgler und Egoisten zu bezeichnen, die gemäss den Ergebnissen des umtriebigen Wissenschaftlers jede demokratische Diskussion dominieren würden. Er nimmt ohne mit den Wimpern zu zucken an, diese “Skeptiker” hätten keinerlei gute Gründe, warum sie sich gegen eine Verbauung ihres Lebensraums wehren. Dies findet er alles mittels einer Umfrage heraus, die auf der Basis von mehreren Falschannahmen und Fehleinschätzungen begründet ist und durch die Windradlobby sicherheitshalber schon mal “vorgefiltert” wurde. Die befragten Gemeinden sind zum Staatsgeheimnis mutiert, damit man den Betrug nicht sofort als Solchen erkennen kann. Wie alles, was aus dem Bundesamt für Energie kommt und von den Kritikern nicht kontrolliert werden soll. Selbstverständlich wird auch diese Studie begleitet durch die bekannten Gesichter und Namen der schweizer Windradlobby. Auftraggeber ist das von Atomkraftgegnern und Windradverkäufern unterwanderte Bundesamt für Energie. Götz Walter, der Autor der Studie “Sozialpsychologiesche Akzeptanz von Windkraftwerken an potenziellen Standorten” arbeitet nebenbei für eine Firma, die Projektplaner von Windparks berät. Die anfänglich vorgetäuschte Bereitschaft zur Zusammenarbeit, wurde vom Autor nach einigen kritischen Fragen weitgehend ergebnislos abgebrochen. Eine vernichtende Gesamtbeurteilung dieser Pseudostudie kann man hier lesen.

Das gleiche Muster zeigt die Universität St. Gallen. Die Wissenschaftler Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen und Frau Dr. Nina Hampl reagieren auf e-mails der Windradkritiker schon gar nicht. Sie müssen schliesslich ihrer Aufgabe nachkommen, den politischen Instanzen und den umtriebigen Ideologen Fakten zu liefern, die diese gegen die ungeliebten Kritiker anwenden können. Die ostschweizer Variante des linken Argumentatoriums gegen Atomkraftwerke kalibriert das Kernenergiewissen der Befragten mit Fragen zur Photovoltaik. Wer in der Ostschweiz über Photovoltaikanlagenrichtige” Antworten liefern kann, wird damit eingeteilt in die Stufen “hohes”, “mittleres” oder “niedriges” Wissen zu ATOMKRAFT. Daraus schliessen die St. Galler Sozialwissenschaftler relevante Ergebnisse zur Frage, ob die Schweiz “mittelfristig auf Atomenergie verzichten könne“. Wen wundert’s, wenn die derart Befragten darin kein grosses Problem sehen.

Computerfreak becomes energy expert

Aber damit nicht genug. Selbst Computerwissenschaftler beschäftigen sich jetzt mit der grossen Frage der Möglichkeit einer Energiewende à la Greenpeace, Energiestiftung und den grünen Parteien: Prof. Dr. Anton Gunzinger hat all seine schlauen Computer mit einer noch schlauren Analyse gefüttert. Und siehe da, die von den seriösen Energiespezialisten kritisierte Energiewende, wie sie der Bundesrat in Absprache mit der Subventionslobby durchzuführen gedenkt, wird gemäss dieser Studie – wir ahnen es schon – problemlos funktionieren! Aber auch hier können wir am Lack kratzen und finden sofort die unhaltbarsten, der Realität komplett entrückten Grundlagen für die spitzbübische Euphorie dieses Wissenschaftlers:

So kostet ein KWh Atomstrom plötzlich das Fünffache, weil ein GAU (grösster anzunehmender Unfall) auf jeden Fall eintritt, Windräder drehen in der Schweiz 40 Jahre ohne Unterbruch, wo doch böse Zungen in England behaupten, sie würden schon nach 12 Jahren abgewrackt. Solarpanels arbeiten hier auch ohne Unterbruch während 25 Jahren, notabene ohne Leistungsabfall und sowieso halb gratis. Abfallprobleme gibt es auch keine. Gunzinger redet von Batterien, ohne auf die verwendete Technologie einzugehen, die wohl gratis zu haben ist. Gaskraftwerke produzieren in der gasfreien Schweiz so billig wie Kernkraftwerke und mehr Strom verbrauchen wir in seiner “Vision” auch nicht. Wie gedenkt Gunzinger die 70% Energieverbrauch zu ersetzen, die momentan noch aus fossilen Quellen stammen?

Solche Simulationen kennen wir vom IPCC (Intergov. Panel of Climate Change). Nach deren “Computersimulation” müsste es schon lange wärmster Frühling sein. Wir warten seit 15 Jahren auf die angedrohte Erwärmung des Klimas. Eingetroffen ist eine Abkühlung. Ein Blick in die Realität des Auslands würde Gunzinger widerlegen. Sein Vortrag hatte den Namen: “Vision trifft Realtität“. Welche Realität, Herr Gunzinger? Während die MeteoSchweiz Mühe bekundet, das Wetter zuverlässig für eine Woche vorhersagen zu können, vertraut die blinde Mehrheit der Politik einer auf falschen Daten gestützten Computervorhersage, die in 40 Jahren eintreffen soll.

Die Medien werden seit Jahren und Tagen mit dem letzten Schund aus der ideologischen Küche des ideologisch verwirrten Bundesamtes für Energie bedient. Schliesslich muss die Welt gerettet werden, koste es was es wolle. Wenn in naher Zukunft die schweizer Energiewende so grandios scheitert wie Merkels Europrojekt, werden die Kleinsparer die Zeche schon bezahlt haben. Der Auftrag der Medien wäre es, diese Machenschaften aufzudecken. Viele Journalisten träumen den unrealistischen Traum der Atomkraftgegner gerne mit. Anstatt kritische Fragen zu stellen, nehmen sie jede Gelegenheit wahr, diese grösste aller zeitgenössischen Illusionen zu pflegen und zu hegen.

Für Licht oder Strom gibt es keine Eimer

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Das ungelöste Speicherproblem

fredfmue38Jedes Kind kennt die Erzählung von den naiven Schildbürgern, die erst ihr Rathaus ohne Fenster bauten und dann versuchten, Licht in Eimern und Säcken hineinzutragen. Doch während man über den in Schilda vollbrachten Unsinn noch schmunzeln kann, weil es im Reich der Märchen liegt und uns ja nicht betrifft, spielt sich mitten unter uns ein noch viel gröβerer Schildbürgerstreich ab, der Deutschland technisch wie wirtschaftlich noch in gröβte Schwierigkeiten bringen wird. Das Problem liegt darin, dass man elektrischen Strom ähnlich wie Licht nur schlecht speichern kann. Und mit genau dieser Frage steht und fällt die ganze Energiewende mitsamt ihren Billionenkosten.

Zunächst einmal: Ja, rein vom Prinzip her kann man Licht und Strom durchaus speichern. Jeder kennt beispielsweise diese matt leuchtenden Kunststoffe, die Tageslicht aufnehmen und bei Stromausfall als Notmarkierung für Fluchtwege dienen. Auch so manches Kinderherz haben sie schon erfreut, wenn sie in Form von Spielzeug die Dunkelheit in Kinderzimmern mildern. Doch kein vernünftiger Mensch käme auch nur im Entferntesten auf die Idee, so etwas als Beleuchtung für unsere Wohnzimmer und Fabriken oder als Ersatz für Straβenlaternen einsetzen zu wollen.

Ähnlich verhält es sich beim Strom. Wollte man für den Stromverbrauch eines durchschnittlichen deutschen Haushalts beispielsweise handelsübliche Mignonzellen verwenden, so würde man bei Kosten von mehr als 1 Mio. € landen – eine völlig indiskutable Idee also. Auch Akkumulatoren sind bei weitem nicht leistungsstark oder langlebig genug, um auch nur näherungsweise einen solchen Job zu erledigen. Jeder, der beispielsweise die heute so beliebten Solar-Gartenleuchten verwendet, stellt schnell fest, dass die Akkus schon nach 1-2 Jahren den Geist aufgeben. Selbst mit professionellen heute angebotenen Batteriesystemen [RWE] liegen die Speicherkosten – man muss nur selbst ein wenig nachrechnen – deutlich über 50 ct pro kWh, bei Investitionskosten oberhalb von 3000,- €/ kW. Der Versuch, gröβere Mengen Strom beispielsweise mit Batterien speichern zu wollen, macht sowohl wirtschaftlich als auch technisch keinen Sinn. Ebensowenig mit keiner der anderen verfügbaren Speichertechnologien. Und genau darin liegt das Grundproblem der gesamten Energiewende.

fredfmue39Bild 1. Hübsch, aber vergänglich: Die Akkus in Solarleuchten fallen oft schon nach 1-2 Jahren komplett aus

Worauf es beim Strom ankommt

Unser technisch hoch komplexes Stromnetz bleibt nur stabil, wenn Produktion und Verbrauch ständig exakt im Gleichgewicht sind. Das deutsche Stromnetz gehört vor allem deshalb zu den Besten der Welt, weil wir nicht nur hervorragende Ingenieure haben, sondern diesen auch ausgefeilte Technik zur Verfügung steht, um für eine ständige Anpassung beider Faktoren sorgen. Das entscheidende ist dabei, dass der Verbrauch stets Vorrang hat, d.h. dass die Produktion sich dem Verbrauch anpassen muss. Ein anderes System, bei dem die Dusche abgeschaltet, die Produktion mal kurz unterbrochen oder der Herd der Hausfrau für eine Stunde vom Netz genommen wird, weil die Stromerzeugung gerade nicht nachkommt, würde uns auf den Status einer Bananenrepublik zurückwerfen.

fredfmue40Bild 2. Schema des Tagesgangs der Strom-Tageslast im deutschen Netz an einem Herbst-Werktag (ohne „erneuerbare Energien“). (Grafik: Wikimedia Creative Commons)

Um die Produktion dem Verbrauch anzupassen, arbeiten die Elektrizitätsgesellschaften zunächst mit ausgetüftelten Prognosen, mit deren Hilfe der Tagesgang der Netzlast vorausgeplant wird. Dieser schwankt in Deutschland zwischen etwa 40.000 MW in den Nachtstunden und 75.000-85.000 MW an kalten Wochentagen, wenn Fabriken und Heizungen auf Hochtouren laufen [WIKI1]. Für die ständige Feinanpassung sorgt ein komplexes Netzwerk aus unterschiedlichsten Kraftwerken, die je nach Typ für Grundlast, Mittellast und Spitzenlast zum Einsatz kommen.

fredfmue41Bild 3. Ausschnitt der Anzeigen in der Leitwarte eines Kraftwerks. Hier sorgt ausgeklügelte Technik für die ständige Anpassung der Produktion an den Bedarf (Foto: Autor)

Kraftwerke kann man nicht einfach ein- und ausschalten

Grundlastkraftwerke sind die Arbeitspferde des Elektrizitätsnetzes. Es sind die gröβten, zuverlässigsten und von ihren Produktionskosten her günstigsten Kraftwerke, dafür gebaut, 24 Stunden am Tag und wenn möglich 365 Tage im Jahr für den erwähnten Sockel von 40.000 MW zu sorgen, ohne den in Deutschland die Zivilisation – und das ist wörtlich zu nehmen – zusammenbrechen würde. Diese Kraftwerke werden auf den sogenannten optimalen Betriebspunkt gebracht und bleiben dann dort, weil jede Abweichung einen schlechteren Wirkungsgrad – und damit auch mehr CO2-Ausstoss – verursachen würde. Ihre riesigen, oft über 100 m hohen Kesselanlagen, die viele Tausend Tonnen Stahl in Form komplexer Rohrbündel enthalten, erleiden schon bei kleineren Temperaturänderungen Schäden durch Wärmeausdehnung. Solche Kraftwerke kann man nicht wie ein Auto einfach per Zündschlüssel und Gaspedal bedienen. Dafür erzeugen sie Strom – zumeist aus Braunkohle oder Kernkraft – zu sehr günstigen Preisen von etwa 2,5-3,5 ct/ kWh [WIKI2].

Für die Mittellast kommen in der Regel Steinkohlekraftwerke zum Einsatz, die sich zumindest innerhalb eines gewissen Bereichs herauf- und herunterregeln lassen. Dennoch gilt auch für sie, dass sie aufgrund ihrer groβen Massen und der mit Laständerungen verknüpften Schädigungen geänderten Anforderungen nur träge folgen. Um sie nachts nicht zu weit herunterregeln zu müssen, wird der von ihnen erzeugte Strom in den Stunden geringster Netzlast genutzt, um sogenannte Pumpspeicherkraftwerke zu füllen. Diese pumpen mit dem überschüssigen Nachtstrom Wasser in hochgelegene Staubecken. Am Tag kann man es dann auf Turbinen leiten und so Strom erzeugen.

Die Spitzenlast übernehmen vor allem Gaskraftwerke. Das sind groβe Gasturbinen, die innerhalb weniger Minuten von Stillstand auf hohe Leistung gebracht werden können. Sie gehören zu den teuersten, zugleich aber auch flexibelsten Einheiten im deutschen Kraftwerkspark und sorgen zusammen mit den direkt regelbaren Pumpspeicherkraftwerken für die Feinabstimmung der Stromerzeugung auf den tatsächlichen Verbrauch. Ständige Regelimpulse von den Netzleitstellen sorgen dafür, dass dieses Orchester verschiedenster Kraftwerke ständig im Einklang spielt. Anderenfalls würde das Netz sehr schnell instabil und könnte zusammenbrechen.

fredfmue42Bild 4. Pumpen-Turbinenblöcke in einem Pumpspeicherkraftwerk. Solche Anlagen bieten die beste zurzeit groβtechnisch verfügbare Möglichkeit zur Speicherung von Strom

Die Rolle der erneuerbaren Energien

Mit der massiven Förderung der sogenannten „Erneuerbaren Energien“ sowie der Abschaltung der Kernkraftwerke wird dieses über Jahrzehnte aufgebaute und durchoptimierte Stromversorgungssystem jetzt mit Situationen konfrontiert, für die es niemals ausgelegt war. Wie man an Bild 5 sieht, entspricht die installierte Erzeugungskapazität aller erneuerbaren Energien nach den erfolgten Investitionen von mehreren 100 Mrd. € inzwischen fast dem Maximalwert dessen, was für die Stromversorgung Deutschlands erforderlich ist [EMAP]. Kann man also in Bälde das vom US-Präsidenten Bush her bekannte Banner „Mission accomplished“ aufhängen und darangehen, zusammen mit den restlichen Kernkraftwerken auch die als „Dreckschleudern“ in Verruf gekommenen Kohlekraftwerke abzuschalten?

fredfmue43Bild 5. Die nominelle Stromerzeugungs-Kapazität der in Deutschland installierten Kraftwerke, die mit „erneuerbaren Energien“ arbeiten, reicht theoretisch schon fast aus, um das Maximum des Tagesbedarfs zu decken (Grafik: Autor)

Hohe Kapazitäten von Wind und Sonne

Sieht man sich die Darstellung der installierten Kapazitäten „erneuerbarer“ Energien in Bild 5 genauer an, so stellt man fest, dass Wind und Fotovoltaik mit zusammen rund 61.500 MW daran den mit Abstand gröβten Anteil haben. Allein die Kapazitäten dieser beiden Energiequellen reichen zusammen bereits aus, um theoretisch fast 80 % des benötigten Stroms zu erzeugen. Verdeutlicht wird dies im Bild 6, wo die entsprechenden Kapazitäten in Form von Balken eingetragen wurden. Allerdings stehen diese Kapazitäten weder ständig noch zuverlässig zur Verfügung stehen. Wind und Sonne folgen nur ihren eigenen Regeln, so dass die tatsächlich zur Verfügung stehende Energie innerhalb sehr weiter Grenzen schwankt. Strom aus Sonne steht sogar stets nur tagsüber zur Verfügung. Genau dies ist das Problem.

 

fredfmue44Bild 6. Die theoretische Kapazität der deutschen Wind- und Solarkraftwerke erreichte 2012 schon mehr als 61.000 MW (Grafik: Wikimedia Creative Commons)

EE-Strom als Störenfried

Die Auswirkungen dieser Schwankungen verdeutlicht Bild 7. Der linke Balken zeigt die typische Höchstlast eines Tagesgangs mit ihren Anteilen aus Grund-, Mittel- und Spitzenlast. Der Balken rechts daneben zeigt die theoretisch verfügbaren Erzeugungskapazitäten von Wind- und Solarstrom, den beiden Hauptakteuren der „erneuerbaren“ Stromproduktion. Das tatsächliche kumulierte Aufkommen dieser beiden Erzeugungsarten für den Tag maximaler gemeinsamer Produktion zeigt der dritte Balken: Am 31.3.2012 standen um 07:30 Uhr kurzzeitig 12567 MW Solarleistung und 20843 MW Windleistung gleichzeitig zur Verfügung [EEX]. Für diesen Zeitpunkt hätte man demnach theoretisch nicht nur alle Spitzenlastkraftwerke, sondern darüber hinaus auch nahezu die gesamte Mittellast vom Netz nehmen können. Praktisch ist das jedoch nicht möglich, denn die Stromerzeugung dieser Einheiten muss im Voraus geplant und verkauft werden, weil sowohl Produzenten als auch Abnehmer des Stroms Planungssicherheit brauchen. Die übrigen, zum Spot(t)preis extrem kurzfristig an den Börsen gehandelten Strommengen sind vergleichbar mit den „last-minute“-Angeboten im Reisesektor. Sie ersetzen nicht das reguläre Reisegeschäft, sondern sind ein Entlastungsventil, wo Notverkäufer und Schnäppchenjäger miteinander handelseinig werden können. Selbst theoretisch hätte man 31.3. nicht alle Kraftwerke der Mittel- und Spitzenlast abschalten können, denn solche EE-Leistungen stehen nur kurzzeitig zur Verfügung, und Mittellastkraftwerke sind nur in gewissen Grenzen regelbar.

Viel bedeutsamer ist jedoch die Situation am 24.10.2012 um 6:00 Uhr morgens [EEX]. Den entsprechenden Balken kann man in der Grafik nicht sehen, weil der betreffende Strich zu dünn ist: Zu diesem Zeitpunkt gab es gar keinen Solarstrom, und der Wind steuerte nur 258 MW zur deutschen Stromversorgung bei. Anders ausgedrückt: Nur mit Wind und Sonne hätte Deutschland restlos stillgestanden. Trotz gigantischer Investitionen in Wind- und Solaranlagen muss für solche Fälle der gesamte Bestand konventioneller Kraftwerke weiter vorgehalten werden. Das heiβt auch, dass der damit verbunden Kostenapparat – wie Personal, Instandhaltung, Verwaltung und Kapitaldienst – ständig weiterlaufen muss, damit die Kraftwerke im Notfall zur Verfügung stehen können. Eingespart werden lediglich die Brennstoffkosten, diese Einsparung wird jedoch durch erhöhte Reparaturaufwendungen wegen der schadenträchtigen Anfahr- und Abschaltvorgänge in der Regel mehr als nur kompensiert. Im Prinzip läuft demnach die Stromerzeugung aus Wind und Sonne im Wesentlichen darauf hinaus, dass ein bestens eingespieltes und durchoptimiertes Stromversorgungssystem nicht im geringsten ersetzt werden kann. Stattdessen wird es vor allem gestört und durcheinandergebracht. Mit jedem Wind- und Solarkraftwerk, das zusätzlich ans Netz gebracht wird, nehmen diese Probleme sogar noch weiter zu. Bis jetzt wurden „nur“ die Spitzen- und die Mittellast beeinträchtigt. Wenn es erst soweit kommt, dass auch der Betrieb von Grundlastkraftwerken nicht mehr störungsfrei möglich ist, dann gute Nacht Deutschland.

fredfmue45Bild 7. Wenn die Stromproduktion aus Sonne und Wind – wie am 24.10.2012 mit lediglich 258 MW – bei weniger als 1 % des Bedarfs liegt, sind konventionelle Kraftwerke unverzichtbar. Es kann also keine Rede davon sein, dass diese „ersetzt“ würden (Grafik: Autor)

Stromspeicherung wäre einziger Ausweg

Die einzige Möglichkeit, solche katastrophalen Auswirkungen zu verhindern, wäre eine Zwischenspeicherung des am Bedarf vorbei erzeugten EE-Stroms, um diesen dann bei schlechter Wetterlage wieder ins Netz zurückzuspeisen, so wie es ja auch bereits mit dem Strom aus vorübergehend nicht ausgelasteten Mittellastkraftwerken geschieht. Als einzige groβtechnisch bewährte Methode stünden hierfür die bereits erwähnten Pumpspeicherkraftwerke zur Verfügung [WIKI3]. Sie haben einen Wirkungsgrad von rund 70-80 %, deutlich besser als der aller anderen Technologien wie Druckluft, Wasserstoff oder Power-to-Gas, die von interessierten Kreisen hierfür gerne und häufig in die Diskussion gebracht werden.

Das Problem: Es gibt nicht die geringste Aussicht, auch nur annähernd die benötigten Speicherkapazitäten aufzubauen, da es in Deutschland aufgrund der geographischen Gegebenheiten kaum noch geeignete Standorte für Pumpspeicherkraftwerke gibt. Die derzeit vorhandenen Anlagen haben eine Leistung von insgesamt rund 7000 MW, etwa ein Zehntel dessen, was bereits jetzt an kombinierter Erzeugungskapazität im Bereich Wind- und Solarkraftwerke installiert ist. Neben der zu geringen Leistung ist auβerdem auch ihre Speicherkapazität völlig unzureichend. Sie wurden für einen regelmäβigen Tag-Nacht-Zyklus ausgelegt und können selbst bei voller Aufladung meist nur wenige Stunden Strom liefern. Da Schlechtwetterperioden mit wenig Wind und kaum Sonne jedoch gerade im Winter über Wochen andauern können, braucht man über diese Option gar nicht erst nachzudenken. Und auch unsere Nachbarländer Norwegen, Schweiz und Österreich haben nicht im Entferntesten die Möglichkeit, mit ausreichenden Kapazitäten in die Bresche zu springen.

Wünsche und Wirklichkeiten

Wie sehr Politik und interessierte Ideologen dennoch gerade auf diesem Gebiet dem Bürger Halbwahrheiten und Unsinn präsentieren, zeigt sich besonders krass in diesem Bereich. Herausragendes Beispiel ist in diesem Zusammenhang ein Gutachten des von der Bundesregierung eingesetzten Sachverständigenrats für Umweltfragen, der laut einem Wikipedia-Artikel im Mai 2010 in einem Sondergutachten „100 % erneuerbare Stromversorgung bis 2050: klimaverträglich, sicher, bezahlbar“ davon ausging, dass „die Kapazitäten der Speicherkraftwerke insbesondere in Norwegen (allein nahezu 85 TWh Wasserbeckenkapazität der dortigen zu Pumpspeichern ausbaufähigen Speicherwasserkraftwerke) und Schweden bei weitem ausreichen, um Schwankungen der zukünftig eingespeisten erneuerbaren Energien auszugleichen [WIKI4].“ Macht man sich jedoch die Mühe, die Tatsachen z.B. in Norwegen zu überprüfen, so stellt man fest, dass es dort zurzeit so gut wie gar keine installierten Pumpspeicherkapazitäten gibt. Als einziges tatsächlich vorhandenes norwegisches Pumpspeicherkraftwerk findet sich das Kraftwerk Saurdal mit einer installierten Pumpleistung von gerade einmal 320 MW, daneben werden zwei weitere Projekte aufgeführt – ohne Angaben zu einem Inbetriebnahmedatum. Es ist schon erschreckend zu sehen, in welcher Weise hier theoretische Möglichkeiten als Fakten dargestellt werden. Über die Kosten scheint man sich dabei gar keine Gedanken gemacht zu haben.

Der Wirkungsgrad ist entscheidend

Zu allen anderen Speichertechnologien, die zurzeit als Alternativen zur Pumpspeicherung angeboten werden, kann kurz und bündig ausgesagt werden, dass ihr Wirkungsgrad viel zu schlecht und ihre Kosten viel zu hoch sind, um sie als Alternativen auch nur in Betracht zu ziehen. Daran wird auch noch so viel Forschung nicht viel ändern. Selbst unter optimalen Bedingungen erreichen viele dieser Technologien nur 30 bis 54 %, lediglich in Ausnahmefällen werden 62 % erreicht. Dazu muss man noch Leitungs- und Umspannverluste von 15 % und mehr rechnen, da der Strom von weit her zu den Speichern und von dort wieder zu den Verbrauchern transportiert werden müsste. Addiert man beide Verluste, so bedeutet dies, dass mehr als 50 % des teuren EE-Stroms verloren gingen, was volkswirtschaftlich völlig untragbar wäre. Zudem läge die zeitliche Reichweite dieser Speichersysteme meist im Bereich weniger Stunden statt der Wochen bis Monate, die zur effektiven Vorratshaltung benötigt würden.

Fred F. Mueller

fredfmue46Bild 8. Beim Transport und der Speicherung elektrischer Energie liegen die Leitungs- und Umspannverluste schnell im zweistelligen Prozentbereich

Quellen

[EEX] http://www.transparency.eex.com/en/

[EMAP] www.EnergyMap.info (16.2.2013)

[RWE] http://www.rwe.com/web/cms/de/37110/rwe/presse-news/pressemitteilungen/pressemitteilungen/?pmid=4008636 (am 18.3.2013)

[WIKI1] http://de.wikipedia.org/wiki/Mittellast (am 18.3.2013)

[WIKI2] http://de.wikipedia.org/wiki/Stromerzeugung (am 18.3.2013)

[WIKI3] http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Pumpspeicherkraftwerken (am 18.3.2013)

[WIKI4] http://de.wikipedia.org/wiki/Pumpspeicherkraftwerk (am 18.3.2013)

Solardachbetrug und Bürgerwindpleite

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Nepp, Fallen und windige Versprechungen

fredfmue33In Deutschland läuft eine Geldbeschaffungsmasche von epochalem Ausmaβ. Ziel sind die Spargroschen vieler gutgläubiger Bürger. Man lockt sie mit Versprechungen von sicheren Geldanlagen, mit denen gleichzeitig ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz geleistet werde. Landauf, landab bemühen sich zahllose groβe und kleine Firmen und Vertretungen darum, Solarplantagen oder Bürgerwindparks an den Mann zu bringen. Doch Vorsicht: In dieser Billionen-Euro-Branche haben sich längst mafiöse Strukturen herausgebildet, sind Lug und Betrug gang und gäbe geworden.

 

Zunächst einmal: Mit Hilfe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) kann man tatsächlich reich werden, sehr reich sogar. Einige Spitzenvertreter der Branche sind inzwischen im exklusiven Klub der deutschen Milliardäre zu finden, und auch manch anderer Windbauer oder Solarplantagenbesitzer hat es zu durchaus respektablem Reichtum in mehrstelliger Millionenhöhe gebracht. Doch neben diesen Vorzeige-Gewinnlern gibt es auch Verlierer, die sich von angeblich sicheren Gewinnen verlocken lieβen, ihre oft mühsam erarbeiteten Ersparnisse in solche Projekte zu investieren, um hinterher festzustellen, dass die versprochenen Erträge nicht hielten, was ursprünglich versprochen wurde [WIND2]. Man hört auch von Fällen, wo die Anleger draufzahlen müssen, statt zu verdienen. Davon liest man natürlich nichts in den bunten Prospekten oder den professoral klingenden Gutachten, mit denen arglose Bürger dazu verleitet werden sollen, ihre Ersparnisse zur Verfügung zu stellen. Und in der einschlägigen Fachpresse sowie den zahllosen Internetportalen, die von den Anzeigen der entsprechenden Industrie leben, sucht man entsprechende Negativmeldungen natürlich vergeblich.

Die Gewinner stehen schon vorher fest

Zunächst einmal ist festzustellen, dass das Risiko bei solchen Anlagemodellen in den meisten Fällen im Interesse bestimmter Akteure ungleich verteilt ist. So sind beispielsweise die wirklich guten Windstandorte zumeist schon längst vergeben. Gewinner sind bei neuen Projekten meist diejenigen, die bereits bei Inbetriebnahme ihren Reibach gemacht haben: Die Hersteller der Anlage, die Projektgesellschaft, die das Ganze errichtet hat, die Gutachter und Beratungsbüros sowie die Besitzer des Grundstücks, die aus Opa‘s „saurer Wiese“ jetzt üppige, über 20 Jahre garantierte Pachterträge ziehen können. Das Risiko liegt dagegen bei den Betreibern, die nicht nur die anfänglichen Investitionskosten zu tragen haben, sondern auch alle mit dem Projekt verbundenen Unwägbarkeiten. Wer ein wenig sucht, findet im Internet immer wieder Warnungen vor Fallen und unseriösen Praktiken [TIPP1, TIPP2, TIPP3]. Die wichtigsten Risiken sind das Ertragsrisiko, das Betriebsrisiko, das Recyclingrisiko – und das politische Risiko.

Ertragsrisiken -Wind

Wer sich mit Prospekten über Windkraftprojekte beschäftigt, wundert sich häufig über erstaunlich optimistische Angaben über die bei diesen Vorhaben zu erwartenden Stromerträge. Da Windverhältnisse für den Laien nicht zu ermitteln sind, werden hierfür Expertisen eingeholt. Diese verwenden wiederum häufig Computermodelle, die zuverlässig sein können – oder eben auch nicht, wie ja auch die Erfahrung mit Wetterberichten immer wieder zeigt. So kann man beispielsweise für deutsche Offshore-Windparks in der Nordsee Prognosen finden, die von 40-46 % Nutzungsgrad im Jahr ausgehen [TRIA]. Das sind fantastische Werte – so sie denn stimmen sollten. Da es für dieses Seegebiet bisher kaum Langzeit-Erfahrungen gibt, empfiehlt sich ein Blick auf reale Betriebswerte beispielsweise in Groβbritannien. Dort hat man im Offshorebereich schon seit langem umfassende Erfahrungen mit zahlreichen Windfarmen gesammelt – und geht von lediglich 29,65 % Nutzungsgrad aus.

Auch bei landgestützten Anlagen ist anzuraten, sich die in Prospekten präsentierten Zahlen kritisch anzusehen. So gibt es Meldungen, dass Banken bei Finanzierungen davon ausgehen, dass die Angaben von Windgutachten systematisch um 17,5 % zu hoch liegen. Tatsächlich sind Nutzungsgrade oberhalb von 20 % nur an wenigen Standorten zu erwarten. Der langzeitige Mittelwert für Deutschland liegt bei lediglich 16,8 %. Die geographische Lage hat dabei entscheidenden Einfluss, wie die Aufstellung der Nutzungsgrade nach Bundesländern für das Jahr 2010 zeigt.fredfmue34

 Bild 1. Bei Windenergieanlagen spielt der Standort eine entscheidende Rolle. Hier die in den deutschen Bundesländern im Jahr 2010 durchschnittlich erzielten Nutzungsgrade (Grafik: Autor)

Ertragsrisiken – Fotovoltaik

Auch bei Fotovoltaikanlagen ist nicht alles Gold, was glänzt. Was zählt, sind Südlagen mit viel Sonnenschein bei klarem Himmel. Aussagen wie die, Solarzellen würden auch bei bedecktem Himmel noch Strom liefern, sind bestenfalls akademischer Schnickschnack. Wohnt man in einem Talkessel mit Abschattung oder häufiger Inversionswetterlage, so sitzt man schon auf der Verliererseite. Falsche Dachneigung, unzureichende Südorientierung oder Schatten von Nachbars Baum können die Erträge dramatisch mindern. Was viele nicht wissen: Selbst Teilabschattungen können den Ertrag eines betroffenen Paneelstrangs deutlich verringern. Weitere Faktoren, die sich nachteilig auf den Ertrag auswirken, sind Verschmutzung durch Staub sowie Abschattung durch Pflanzenwuchs bei niedrig aufgeständerten Plantagen oder – in diesem Winter häufiger zu beobachten – durch Schnee und Eis. Für Deutschland ist von einem durchschnittlichen Langzeit-Nutzungsgrad von etwa 7,5 % auszugehen. Bei Angaben, die wesentlich darüber liegen, sollte man Vorsicht walten lassen.

Betriebs- und Lebensdauerrisiken – Wind

Windenergieanlagen sind hochkomplexe technische Produkte und unterliegen enormen Beanspruchungen, zudem sind sie der Witterung ausgesetzt. Deshalb sind Schäden früher oder später unausweichlich. Reparaturen in Höhen von 100 m Höhe sind teuer, vor allem, wenn beim Austausch groβer Teile ein Kran eingesetzt werden muss. Die Schummeleien bezüglich der Verfügbarkeiten von WKA beginnen schon bei den Angaben zur Lebensdauer, die vielfach mit 25 Jahren angegeben wird [TRIA]. Interessanterweise gibt der weltgröβte Hersteller Vestas in eigenen Lebensdaueranalysen Auslegungslebensdauern von lediglich 20 Jahren an [VEST1]. Zu den anderweitig angegebenen 25 Jahren ist das immerhin ein Unterschied von 25 %. Zu den Schwachpunkten von Windenergieanlagen gehören insbesondere auch die Getriebe, deren Ersatz äuβerst aufwendig ist. Hier rechnet die erwähnte Analyse mit einem Austausch innerhalb der Lebensdauer der Anlage.

Nachdenklich stimmen sollte insbesondere das Ergebnis detaillierter Untersuchungen der britischen Renewable Energy Foundation über die Entwicklung der Produktivität von Windenergieanlagen in Groβbritannien und Dänemark. In dieser Langzeitstudie wurde festgestellt, dass die Nutzungsgrade britischer Windfarmen von ursprünglich ca. 24 % innerhalb von 10 Jahren auf 15 % abfallen und nach 15 Jahren lediglich noch 11 % erreichen. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass wenige Windfarmen länger als 12-15 Jahre arbeiten werden.fredfmue35

 Bild 2. Die Nutzungsgrade der in Deutschland installierten Windkraftanlagen unterliegen jährlichen Schwankungen. Der langjährige Mittelwert beträgt 16,8 % (Grafik: Autor)

Betriebs- und Lebensdauerrisiken – Solar

Da die meisten Fotovoltaikanlagen aus Elektronikkomponenten ohne bewegliche Teile aufgebaut sind, wird häufig angenommen, sie hätten eine sehr hohe Lebensdauer. Oft ist zu lesen, sie würden zwar im Laufe der Zeit allmählich etwas nachlassen, lieferten aber auch nach 25 Jahren noch 75 % ihrer ursprünglichen Leistung und seien auch danach noch für viele weitere Jahre verwendbar. Wer jedoch die Wahrheit wissen will, sollte nicht in Prospekten der Hersteller oder auf den Webseiten der vielen Lobbygruppen nachsehen, sondern bei Internet-Suchmaschinen Begriffe wie „Solaranlage defekt“ eingeben. Das sich hieraus ergebende Bild weicht doch recht erheblich von der heilen Welt der Anbieter ab. Es ist erstaunlich, wieviele Firmen und Ingenieurbüros offensichtlich gut davon leben, dass sie sich um die Funktions- und Leistungsdefizite von Solaranlagen kümmern. Dort kann man dann beispielsweise Aussagen über bis zu zweistellige Prozentsätze von Zellen finden, die entweder defekt sind oder nicht die volle Leistung bringen. Auch in den Blogs vieler Heimwerker- und Selbsthilfeportale finden sich zahlreiche Leidensgeschichten als Warnung, dass es offensichtlich nicht immer damit getan ist, sich eine Anlage aufs Dach zu schrauben, um dann jahrzehntelang bequem Geld einnehmen zu können [SOLA1].fredfmue36

 Bild 3. Der Nutzungsgrad von in Deutschland installierten Fotovoltaikanlagen schwankt teils erheblich. Der langjährige Mittelwert liegt bei rund 7,5 % (Grafik: Autor)

Wohin mit dem Sondermüll?

Das Recyclingrisiko besteht, weil sowohl Windkraftanlagen als auch Fotovoltaikpaneele nach Ablauf der 20jährigen Betriebsdauer umweltverträglich demontiert und entsorgt werden müssen. Bei Windkraftanlagen können allein für Abriss und Abtransport fünfstellige Beträge fällig werden. Und der Aussage, dass man auf den alten Mast einfach wieder eine neue Anlage setzen könne, sollte man mit Skepsis begegnen: Mast und Gondel bilden ein aufeinander abgestimmtes System, und auch für den Mast gilt die Auslegungsberechnung nur für eine Betriebsperiode. Wenn danach etwas passieren sollte, dürften interessante juristische Auseinandersetzungen mit der Versicherung zu erwarten sein.

Auch bezüglich der Entsorgung von Fotovoltaikanlagen drohen dem Eigner erhebliche Kosten, da es sich bei vielen Technologien um Sondermüll handelt, der giftige Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Tellur enthält [RECY]. Die sachgerechte Entsorgung dieses Materials erfordert hoch spezialisierte Anlagen und ist entsprechend teuer. Zwar geben manche Hersteller deshalb für die von ihnen gelieferten Module eine Entsorgungszusicherung, jedoch ist angesichts der desolaten Lage der meisten dieser Firmen kaum davon auszugehen, dass nach Ablauf der Betriebsdauer noch irgendjemand da sein wird, der diese Versprechungen auch einlösen kann.fredfmue32

 Bild 4. Sondermüll. Das in vielen Solardächern enthaltene hochgiftige Schwermetall Cadmium wurde aus Industrieprodukten schon vor vielen Jahren verbannt (Foto: Autor)

Politische Risiken

Eine der entscheidenden Säulen der Energiewende ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das dem Investor, der Geld in Anlagen zur Erzeugung von Strom aus „erneuerbarer“ Energie steckt, eine zwanzigjährige Abnahmegarantie für den erzeugten Strom zu festgelegten Preisen zusichert. Zu zahlen hat dafür der Stromverbraucher im Wege eines EEG-Zuschlags auf seine Stromrechnung. Von der Einhaltung dieser Zusage hängt die Wirtschaftlichkeit der Investition ab, denn die garantierten Preise liegen weit über den Kosten von 2,5 bis 3,5 ct/ kWh, zu denen konventionelle Kraftwerke Strom produzieren können. Fällt diese Garantie, so bricht die gesamte Kostenkalkulation in sich zusammen und eine Pleite ist vorprogrammiert.

Daher stellt sich die Frage, wie glaubwürdig die staatlichen Garantien des EEG sind. Die Antwort ist einfach: Ungefähr so sicher wie deutsche Rentenversprechungen. Wenn es der Politik opportun erscheint, wird sie auch bezüglich des EEG den Stöpsel ziehen, wie sich ja bereits jetzt an der Diskussion über die von Bundesumweltminister Altmeier ins Spiel gebrachte Strompreisbremse zeigt. Wenn genügend Wählerstimmen winken, wird die Politik jedes Versprechen brechen. Erinnern wir uns an die Situation bei den Kernkraftwerken: Man hatte ihnen gerade Laufzeitzusagen gemacht und sie gleichzeitig via Brennelementsteuer kräftig zur Kasse gebeten. Als dann Fukushima die politische Stimmung kippen lieβ, waren die Laufzeitzusagen plötzlich wertlos, die bereits gezahlte Brennelementesteuer wollte der Staat aber trotzdem behalten. Es wäre naiv zu glauben, dass man Windmöller und Solarplantagenbesitzer anders behandelt wird, wenn es erst einmal so weit kommt, dass explodierende Strompreise das Volk auf die Straβe treiben.

Politik: Winkeladvokaten-Tricks

Schon die Grundlage des ganzen Geschäfts mit den „erneuerbaren“ Energien beruht auf Betrug der Politik am Bürger. So versprach das Bundesumweltministerium unter Jürgen Trittin im Jahre 2005, dass der Anstieg der EEG-Umlage in Zukunft abnehmen und einen Durchschnittshaushalt selbst bei sehr dynamischem Ausbau nicht mehr als 3 Euro pro Monat kosten werde [BMU]. Jetzt – im Februar 2013 – hat sein Nachfolger Altmeier zugegeben, dass die Kostenbelastungen aus dem EEG die Billion € überschreiten dürften – mit dem interessanten Kniff, dass er vom Ende der 2030er Jahre statt von 2050 sprach. Anders ausgedrückt, da für die Energiewende von 2040 bis 2050 nochmals mindestens weitere 15 % „Erneuerbare“ zur Erreichung des Ziels von 80 % draufgesattelt werden müssen, dürfte die Realität nochmals um einen ordentlichen Batzen darüber liegen. Von einer Politik, die dem Bürger mit solchen Winkeladvokaten-Tricks kommt, haben betrogene Sparer hinterher höchstens salbungsvolle Sprüche zu erwarten.fredfmue37

 Bild 5. Deutschland hat sich mit der „Energiewende“ extrem ehrgeizige Ziele bei der Einführung sogenannter erneuerbarer Energien gesetzt (Grafik: Autor)

Quellen

Titelfoto: G. Janβen

[ALTM] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiepolitik/umweltminister-altmaier-energiewende-koennte-bis-zu-einer-billion-euro-kosten-12086525.html

[BANK] http://de.scribd.com/doc/127848137/Windpark-Hessen-und-Kostendampfung 5.3.2013

[BMU] Was Strom aus erneuerbaren Energien wirklich kostet. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Referat Öffentlichkeitsarbeit. Juni 2005

[RECY] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/recycling-von-modulen-solar-konzerne-kaempfen-um-ihr-gruenes-image-a-688779.html   26.4.2010

[SOLA1] http://cr4.globalspec.com/thread/25552/Service-life-of-solar-panels 3.2.2012

[TIPP1] Arbeitskreis Alternative Energien Odenwald, Email: ak-altenerg@gmx.de

[TIPP2] http://de.scribd.com/doc/126560132/Bewertung-von-Windkraft-Beteiligungsangeboten

[TIPP3] Markus Estermeier. Investitionsrisiko Solarstrom. http://www.eike-klima-energie.eu/climategate-anzeige/investitionsrisiko-solarstrom/ 6.12.2011

[TRIA] http://www.trianel-borkum.de/de/windpark/daten-und-fakten.html 31.12.2011

[VEST1] Life Cycle Assessment 1N1800 Life Cycle Assessment of a Wind Turbine. Group 7: Barbara Batumbya Nalukowe, Jianguo Liu, Wiedmer Damien, Tomasz Lukawski. May 22, 2006. Vestas.

[WIND2] http://www.badische-zeitung.de/freiburg/windraeder-liegen-weiter-unter-plan–63827138.html

Abschied von der Klimarettung?

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Aufstand gegen die Abzocke beim Strom

fredfmue27Eine europäische Regierung, die infolge einer Strompreisrevolte zurücktreten muss – eine solche Prophezeiung hätte man noch vor wenigen Monaten als Hirngespinst belächelt. Ein deutscher Umweltminister, der zugibt, dass die Energiewende mehr als eine Billion € kosten wird – noch vor kurzem völlig undenkbar. Doch nicht nur in Deutschland, sondern in immer mehr europäischen Ländern mehren sich inzwischen immer deutlicher die Anzeichen, dass die Bevölkerung gegen die als „Klimarettung“ maskierte Abzocke bei der Stromversorgung aufzubegehren beginnt. Dies könnte zugleich eine dramatische Wende bei den Diskussionen über die CO2-Frage einläuten.

 

Seit Jahrzehnten hören wir immer drängendere Warnungen, das Klima werde durch die Menschheit ruiniert. Nobelpreisträger wie Al Gore und Professoren wie Mojib Latif und Hans Joachim Schellnhuber werden nicht müde zu behaupten, dass steigende CO2-Pegel zu einem Treibhauseffekt führen, der noch innerhalb dieses Jahrhunderts katastrophale Ausmaβe annehmen werde. Als Folge drohten Naturkatastrophen, Dürren, sich häufende Extremwetterereignisse und ein lebensbedrohlicher Anstieg des Meeresspiegels. Die Massivität und Bandbreite, mit der diese Thesen vertreten werden, führt zu einer zunehmenden Diskriminierung abweichender Meinungen. Seinen Gipfel fand dies in der kürzlichen Aussage eines in Österreich lehrenden Universitätsprofessors, für Leugner des Klimawandels sei die Todesstrafe zu fordern. Unterdessen machen gewitzte Zeitgenossen mit der Angst vor dem Klimawandel glänzende Geschäfte. In den letzten Jahren scheffelten manche dieser Lichtgestalten mit Windmühlen und Solarplatten Milliarden. Doch seit wenigen Monaten scheint ein Kipppunkt erreicht zu sein. In immer mehr Ländern Europas greift Unruhe um sich. Mehr und mehr sieht es danach aus, dass das viel zu weit ausgeschwungene Pendel wieder in die Gegenrichtung zurückkehrt.

Deutschland als Brennpunkt

Deutschland ist in den letzten Jahren zu einem Brennpunkt der Klimawandel-Bewegung geworden. Sowohl rot-grüne als auch konservative Bundesregierungen sehen sich schon seit langem als Vorreiter des Klimaschutzes und propagieren dies auch auf internationaler Ebene. Bei vielen europäischen wie internationalen Abkommen zu Klimaschutz und CO2-Minderung gehörte Deutschland zu den treibenden Kräften. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und seinen Vorläufern wurde der Umbau der deutschen Stromversorgung hin zu sogenannten „erneuerbaren Energien“ forciert, während man gleichzeitig beschloss, die Kernenergie auslaufen zu lassen.

Zusätzliche Dynamik bekam diese ökologisch motivierte Entwicklung dann 2011 als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima. In der Folge wurde beschlossen, den Ausstieg aus der Kernkraft zu beschleunigen und die Stromproduktion bis 2050 zu 80 % auf sogenannte erneuerbare Energien umzustellen. Gleichzeitig wurde das Aus für die als Risikotechnologie eingestufte Kernenergie beschlossen, die noch vor wenigen Jahren bis zu 30 % zur deutschen Stromerzeugung beigetragen hatte. Politisch wie medial wird dieses Vorhaben von einem breiten Konsens getragen. Jetzt allerdings zeigen sich in dieser Einmütigkeit erste Risse, und zwar wegen der mit dem Vorhaben verbundenen Kosten, die inzwischen in manchen Teilen der Bevölkerung für Unruhe sorgen. Mit feinem politischem Gespür hat dies auch der Bundesumweltminister Altmaier erkannt und sucht nach Wegen, diesen Gefahrenherd zu entschärfen. Denn scheitert die Energiewende am Widerstand der Bevölkerung, dann scheitert auch die Akzeptanz für die Klimarettung. Und da sich Deutschland diesbezüglich als weltweiter Vorreiter positioniert hat, der andere zur Nachahmung auffordert, wären die Folgen auch für diese weltweite Bewegung verheerend.

fredfmue28Bild 1. Deutschland hat sich mit der „Energiewende“ extrem ehrgeizige Ziele bei der Einführung sogenannter erneuerbarer Energien gesetzt (Grafik: Autor)

Kosten auβer Kontrolle

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es nicht die ungelösten technischen Probleme sind, die zu dieser labiler werdenden Situation führen, sondern die Kosten. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde bei privaten Kapitalgebern eine Flut an unkoordinierten Investitionen ausgelöst, die jetzt anfängt, die Volkswirtschaft endgültig zu überlasten. Die mittlerweile aufgelaufenen EEG-Zahlungen und Zahlungsverpflichtungen summieren sich bereits 2013 zu rund 435 Mrd. €, und die Trendkurve verläuft weiter steil nach oben. Mit der jüngsten Steigerung der EEG-Umlage um 47 % scheint jetzt sowohl bei der Bevölkerung als auch bei Teilen der Industrie eine Schmerzgrenze erreicht zu sein, die auch von der Politik nicht mehr ignoriert werden kann. Nur – man kann jetzt nicht mehr stehenbleiben, schlieβlich werden in den kommenden Jahren weitere Kernkraftwerke abgeschaltet. Deren Leistungsanteil sollte ja auf keinen Fall von fossilen Kraftwerken übernommen werden. Genau da liegt das Dilemma, denn trotz der enormen Ausgaben erzeugten EEG-geförderte Kraftwerke in Deutschland 2012 zusammen lediglich 114,5 Terawattstunden elektrischer Energie. Um die 99 TWh zu ersetzen, die 2012 noch aus Kernkraftwerken kamen, müssten auf die bisher aufgewendeten 435 Mrd. € nochmals Verpflichtungen in vergleichbarer Gröβenordnung aufgesattelt werden. Angesichts der sich ausbreitenden Unruhe darf inzwischen bezweifelt werden, ob der deutsche Michel bereit sein wird, diese zusätzlichen Belastungen noch längere Zeit ohne Murren zu tragen.

fredfmue29Bild 2. Die per EEG-Gesetz verordneten kumulierten Gesamtverpflichtungen für die deutsche Bevölkerung erreichen schon 2013 die stolze Summe von rund 435 Mrd. € (Grafik: Autor)

Keinerlei Ersatz von CO2

Hinzu kommt, dass die angeblich mit dem EEG und seinen Kosten verknüpfte Klimarettung nicht stattfindet. Die Gutgläubigkeit zahlreicher Menschen wurde schamlos ausgenutzt. Seit Einführung des EEG im Jahre 2000 ist der CO2-Ausstoss der deutschen Kraftwerke praktisch unverändert bei rund 350 Mio. t geblieben. In puncto Klimarettung hat sich also nichts getan. Und bis zur Stilllegung des letzten Kernkraftwerks wird sich an dieser Situation trotz weiter enorm steigender Kosten nichts ändern, weil hier lediglich eine CO2-arme Technologie durch andere CO2-arme Technologien ersetzt wird. Es dürfen Zweifel daran erlaubt sein, ob sich dieser Kurs noch mehr als ein paar Jahre wird durchsetzen lassen. Natürlich werden ihn die dominierenden politischen Parteien zunächst weiter verteidigen. Das ist schon allein aus Gründen der Gesichtswahrung erforderlich. Doch während Rot-Grün vermutlich eisern an der bisherigen Linie festhalten wird, kann man bei der CDU zaghafte Absetzbewegungen erkennen, beispielsweise die von Hr. Altmaier vorgeschlagene Strompreisbremse.

fredfmue30Bild 3. Bei der deutschen Stromproduktion erzeugtes CO2 in Mio. t/ Jahr. Trotz enormer Aufwendungen wurde keine Verringerung erreicht (Grafik: Autor)

Abbruch nach Fan-Ausschreitungen?

Viel spricht daher dafür, dass man trotz aller Ablenkungsmanöver gezwungen sein wird, irgendwann in den nächsten paar Jahren die Veranstaltung „Energiewende“ mitten im Spiel abzubrechen, weil die Fans Böller werfen. Es ist nicht unberechtigt, den Abbruch im Bereich von 2015 bei etwas über 30 % EEG-Anteil an der Stromerzeugung zu erwarten. Spätestens dann kommen nämlich zu den Kosten noch die bisher überspielten technischen Probleme hinzu. Dann werden sich an sonnen- und windreichen Tagen die unterschiedlichen „Erneuerbaren“ gegenseitig blockieren, weil sie zusammen mehr Strom erzeugen, als das Netz überhaupt aufnehmen kann. Weitere Knackpunkte sind die völlig ungelöste Speicherproblematik, der Netzausbau und die Netzstabilität. Während ein gesundes Netz mit vielen Groβkraftwerken ausreichend Reserven hat, um kleinere Mengen zufallsgesteuert erzeugten Stroms zu verkraften, nimmt diese Fähigkeit mit wachsendem Anteil an Wind- und Solarstrom ab. Irgendwann wird das Netz instabil. Wenn das öfter vorkommt und länger dauert, sind die Folgen für eine hochentwickelte Volkswirtschaft katastrophal.

fredfmue31Bild 4. Bei einer „Notbremsung“ im Jahre 2015 mit Stopp weiterer EEG-Investitionen sowie weiter fortgeführter Stilllegung der Kernkraftwerke dürften die jährlichen CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung bis 2022 von rund 350 auf 450 Mio. t klettern (Grafik: Autor)

Zwangsabschied von der Klimarettung?

Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden die derzeit dominierenden politischen Kräfte erklären müssen, wieso soviel Geld ausgegeben wurde, ohne dem vorgeblichen Ziel – der Rettung des Klimas – auch nur annähernd nähergekommen zu sein. Da die politischen Widerstände gegen eine Wiedereinführung der Kernkraft wohl auch in Zukunft kaum zu überwinden sein dürften, wird man sich damit abfinden müssen, auf Dauer einen Anteil fossiler Kraftwerke an der Stromerzeugung von 60-70 % zu akzeptieren. Weil die bisher von der Kernkraft erbrachten Anteile dann durch fossile Kraftwerke abgedeckt werden müssen, wird der Versuch, den CO2-Ausstoβ bei der Stromgewinnung zu senken, ins Gegenteil verkehrt werden. Deutschland wird stattdessen sogar mehr CO2 produzieren. Schon allein der politische Überlebensinstinkt dürfte die Parteien ebenso wie die ihnen gewogenen Teile der Medien dann dazu treiben, sich von der bisherigen Verteufelung des CO2 leise durch die Hintertür zu verabschieden. Und ist dies in Deutschland erst einmal der Fall, dann kann erwartet werden, dass dieses Beispiel ringsum und weltweit Schule machen wird. Kyoto und eventuelle Nachfolgeabkommen dürften dann endgültig Geschichte sein.

fredfmue32Bild 5. Sondermüll. Das in vielen Solardächern enthaltene hochgiftige Schwermetall Cadmium wurde aus Industrieprodukten schon vor vielen Jahren verbannt (Foto: Autor)

Weitreichende Folgen

Die Folgen dürften insbesondere in Deutschland, aber auch weltweit einen gesellschaftlichen Tsunami auslösen. Der Branche der „erneuerbaren Energien“ könnte ein katastrophaler Zusammenbruch bevorstehen. Sehr wahrscheinlich werden sich immer mehr Regierungen aufgrund der exorbitant hohen Energiepreise genötigt sehen, Kürzungen bei der EE-Förderung durchzusetzen. Dies wird zahlreiche Betreiber in den Ruin treiben. Die neuen Öko-Milliardäre wird es dabei wohl kaum treffen, denn diese cleveren Leute haben ihre Schäfchen schon längst im Trockenen. Leidtragende werden vielmehr gutgläubige Bürger sein, denen man mit windigen Versprechungen überteuerte Solardächer und Bürgerwindparks angedient hat.

Gröβere Probleme dürften auch auf zahllose „Fachleute für Erneuerbares“ und ganze wissenschaftliche Institutionen wie z.B. Forschungs- und Beratungsgremien für Solartechnologie oder Klimafolgenforschung zukommen. Auch in den Medien ist ein gewisses Stühlerücken nicht auszuschlieβen, sollten junge, unverbrauchte Redakteure anfangen, den investigativen Journalismus in diesem Bereich als gangbaren Karriereweg zu entdecken. Vielleicht indem man die lukrativen finanziellen Verbindungen mancher Medienstars zu Unternehmen der Wind- und Solarbranche kritisch beleuchtet.

Ganz allgemein ist zu erwarten, dass sich künftig die Voraussetzungen für eine Karriere in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anders darstellen dürften als bisher. Mancher, der das Klima besonders heftig und lautstark retten wollte, könnte plötzlich erleben, dass sich dies nicht mehr positiv auf die beruflichen Perspektiven auswirkt. Beim Nachwuchs, der sich heute auf den Beginn seiner beruflichen Laufbahn vorbereitet, wird sich diese Botschaft in den nächsten Jahren vermutlich schnell herumsprechen.

Deutschlands Energiewende und die Realität

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Aufwind nur für den Strompreis?

Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende sieht vor, innerhalb von knapp 40 Jahren die Stromerzeugung Deutschlands zu 80 % auf erneuerbare Energien umzustellen. Dies wäre eine regelrechte Revolution im Bereich der Infrastrukturen für die Erzeugung und Verteilung von Strom, die innerhalb dieses Zeitraums praktisch vollständig erneuert werden müssen. Ohne Rücksicht auf ungeklärte Aspekte wie z.B. der völlig unzureichenden Speichermöglichkeiten für Strom treibt die Politik diese Umstellung mit voller Kraft voran. Dabei sollte man sich doch zunächst mit der Frage beschäftigen, wie denn die Machbarkeiten – und vor allem die Kosten – dieses Jahrhundertprojekts tatsächlich aussehen.

Die Umstellung der deutschen Stromerzeugung auf die so genannten neuen erneuerbaren Energien hat seit 2011 mit der Abschaltung von acht Kernkraftwerken und einer sprunghaften weiteren Zunahme des EE-Anteils an der Brutto-Stromerzeugung Deutschlands von 16 auf inzwischen 25 % [BDPR 1] entscheidend an Dynamik gewonnen. Wichtige Treiber dieser Entwicklung sind neben Konzernen und Kommunen auch ungezählte private Investoren. Dank garantierter Einspeisevergütungen sehen viele Bürger die Möglichkeit, Umweltbewusstsein und Gewinnstreben unter einen Hut zu bringen. Kleininvestoren nutzen Bürgerbeteiligungsmodelle oder setzen sich gleich eine Solaranlage auf das Eigenheimdach. Von den Medien wurde diese Entwicklung zumeist mit groβem Wohlwollen begleitet. Erst in jüngster Zeit scheinen angesichts des drastischen Anstiegs der EEG-Umlage um rund 47 % kritische Fragen nach den Auswirkungen dieser Entwicklung auf die weitere Entwicklung der Strompreise lauter zu werden. Konkrete Zahlen sind jedoch Mangelware, statt dessen verbreiten Regierungsstellen und interessierte Verbände vor allem positive Trendaussagen bezüglich versorgter Haushalte, eingesparter Tonnen CO2 sowie neu geschaffener „grüner“ Arbeitsplätze. Konkrete Gesamtzahlenwerke – insbesondere mit Blick auf die längerfristigen Trends – sind dagegen eher Mangelware. An dieser Stelle wird deshalb versucht, die langfristigen Trends der Energiewende in Zahlenform zu fassen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Windenergie als dem eigentlichen Schlüsselelement der künftigen Energieerzeugung.

Voraussichtliche Stromproduktion bis 2050

Prämisse auch des aktuellen Energiekonzepts der Bunderegierung ist Stromautarkie, d.h. die benötigte elektrische Energie soll nahezu vollständig im eigenen Land erzeugt werden. Für die Beurteilung des langfristigen Bedarfs an Anlagen zur Erzeugung elektrischen Stroms ist zunächst die Frage zu beantworten, wie sich der künftige Strombedarf entwickeln dürfte. Hierzu finden sich unterschiedlichste Meinungsbilder bis hin zur Ansicht, dass von einer stagnierenden oder gar sinkenden Nachfrage auszugehen sei. Solche Vorstellungen stehen jedoch im Widerspruch zum bisherigen Trend der Stromproduktion, Bild 1 [ERZE 1]. Trotz der bereits lange andauernden Bemühungen um die Reduzierung von Energieverbrauch und CO2-Ausstoβ zeigt eine Analyse der Stromerzeugung der letzten Jahrzehnte sowohl in Deutschlandfredfmue7

Bild 1 Stromerzeugung in Deutschland 1900 – 2005 (Quelle: Markus Schweiss/ Wikipedia)

als auch in Europa [AGEB 1, EURO 1], dass diese stetig weiter anstieg und nur im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Turbulenzen zurückging. In Deutschland gab es neben den krisenbedingten Einbrüchen der Jahre 1992/1993 und 2008/2009 zudem den Sonderfall der massiven Stilllegung ineffizienter Industrien der ehemaligen DDR nach der Wiedervereinigung Anfang 90er Jahre. Für die EU der 27 lag der Anstieg in den zehn Jahren normaler wirtschaftlicher Entwicklung zwischen 1998-2008 im Mittel bei jährlich 1,48 %.fredfmue8

Bild 2: Erwartungen bezüglich des weiteren Anwachsens der Bruttostromerzeugung in Deutschland

Für die Einschätzung der künftigen Entwicklung der Stromerzeugung sollte man realistischerweise daher davon ausgehen, dass die bisher geltende Korrelation von wirtschaftlichem Fortschritt, allgemeinem Wohlstand und Stromverbrauch auch in Zukunft Geltung haben wird. Man muss sich vor Augen halten, dass die Vorstellung eines stagnierenden oder gar rückläufigen Energieverbrauchs nicht aus der Beobachtung realer gesellschaftlicher Entwicklungen resultiert, sondern ein rein politisches Phänomen sind und Wünsche aus der Klimawandeldiskussion widerspiegeln. Die auf der Grundlage solcher Vorgaben von offiziellen Stellen unterstellten Sparpotenziale in Privathaushalten sowie in der Industrie werden von Brancheninsidern oft als überzogen eingestuft.

Auch wurde dabei ausgeblendet, in welchem Umfang technologische Fortschritte zusätzlichen Bedarf an elektrischer Energie bedingen werden. So würde schon allein die von der Politik intensiv geförderte Umstellung des PKW-Verkehrs auf Elektroantrieb bei vollständiger Umsetzung einen zusätzlichen jährlichen Bedarf von rund 130 TWh bedingen [ELEC 1]. Auch die Automatisierung industrieller Produktionsprozesse ist nur durch erheblich gesteigerten Einsatz elektrischer Energie zu bewältigen. Moderne Kommunikations- und Unterhaltungselektronik führt ganz allgemein zu deutlich höherem Stromverbrauch, und das nicht nur im Haushalt selbst, sondern auch bei den hierfür erforderlichen externen Dienstleistern z.B. im Internetbereich. Unterschätzt wird zumeist auch der künftig stark ansteigende Bedarf an Raumklimatisierung selbst in Privatwohnungen als Folge der verschärften Vorschriften bezüglich der Isolation von Gebäuden. Ohne elektrisch betriebene Klimaanlagen würde diese Verkapselung ungesunde Wohnverhältnisse mit der Gefahr von Schimmelbildung herbeiführen.

Bei der hier angenommenen Projektion des künftigen Strombedarfs wurde der durch Sondereffekte – die kurzfristige Abschaltung von acht Kernkraftwerken sowie günstige klimatische Bedingungen – bedingte Ausreiβer des Jahres 2011 ausgeklammert. Als Ausgangswert der Zeitreihe wurde stattdessen der Mittelwert der deutschen Stromproduktion der Jahre 2006 bis 2010 angesetzt. Auf Basis dieser Berechnung ergibt sich ein zu erwartender Anstieg der inländischen Stromproduktion auf 1110 TWh im Jahre 2050, Bild 2.fredfmue9

Bild 3: Relative Anteile der fünf wichtigsten Technologien an der EE-Stromerzeugung in Deutschland im Jahre 2011

Derzeitige Anteile erneuerbarer Energien

In den letzten Jahren hat der Beitrag erneuerbarer Energien zur Stromproduktion erheblich zugenommen. Ausgehend von 3,6 % im Jahre 1990 hat sich dieser Trend kontinuierlich fortgesetzt, so dass der EE- Gesamtanteil Mitte 2012 bereits rund 25 % betrug. Die wichtigsten „Erneuerbaren“ und ihre relativen Anteile zeigt Bild 3.

Diese beeindruckende Entwicklung ist jedoch nur ein Vorgeschmack dessen, was in den nächsten 38 Jahren mit der weitest gehenden Umstellung der Stromerzeugung auf EE-Quellen auf Deutschland zukommen soll, Bild 4, [ENTW 1, EEGZ 1]. Nachfolgend wird versucht, die Haupttrends der künftigen Entwicklung herauszuarbeiten und möglichst auch zu quantifizieren. Berücksichtigung fanden hierbei nur solche Technologien, die bereits jetzt nennenswerte Beiträge zur Gesamt-Stromerzeugung leisten. Nischentechnologien mit schwer einschätzbarem Langfristpotenzial wie Wasserstoff, Geothermie sowie Wellen- oder Gezeitenkraftwerke wurden nicht berücksichtigt.fredfmue10

Bild 4: Das im Zuge der Energiewende geplante Anwachsen der EE-Anteile an der Stromerzeugung bis 2050

Entwicklungsdynamik

Von besonderer Bedeutung ist neben der Darstellung der aktuellen Anteile auch, wie sich diese in den letzten Jahren gegeneinander verschoben haben, Bild 5 [EEGZ 1]. Nur eine korrekte Bewertung dieser Dynamik der „Erneuerbaren“ untereinander ermöglicht ausreichend fundierte Annahmen bezüglich der künftig für die einzelnen Technologien zu erwartenden Trends.

Am auffälligsten ist – neben den massiven Zuwächsen der Windenergie seit Mitte der 90er Jahre – die rasante Steigerung der Anteile von Biomasse und Fotovoltaik seit etwa 2003.fredfmue11

Bild 5: Entwicklung der Anteile der wichtigsten Technologien an der EE-Stromerzeugung im Verlauf der letzten 20 Jahre

Deutlich bescheidener fielen demgegenüber die Steigerungsraten beim Aufkommen von Strom aus Müll aus, während der Anteil der Wasserkraft kontinuierlich zurückging. In den folgenden Abschnitten wird detaillierter auf die Gründe für diese Entwicklungsunterschiede sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die künftige Struktur der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen eingegangen.

Wasserkraft

Die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft erfolgt in Deutschland bereits seit mehr als 100 Jahren. Die derzeit installierte Wasserkraftleistung liegt bei rund 4.000-4.500 MW, Bild 6. Die Jahresproduktion liegt recht konstant bei etwa 20 TWh elektrischer Energie, was lediglich rund 1,8 % der im Jahr 2050 benötigten Stromproduktion entspräche.

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Bild 6: Die Leistung der deutschen Wasserkraftwerke blieb weitgehend konstant. Seit 2008 werden Pumpspeicherkraftwerke mit natürlichem Zufluss nicht mehr berücksichtigt.

Vorteil der Wasserkraft ist ihre problemlose Regelbarkeit, weshalb sie sich sehr gut zum Ausgleich von Lastschwankungen eignet. Ihr durchschnittlicher Nutzungsgrad liegt zwischen 45-55 %.

In Deutschland ist das entsprechende Potenzial aufgrund der topographischen Gegebenheiten bereits seit langem weitgehend ausgeschöpft. Zusätzliche Klein- und Kleinstanlagen liefern nur begrenzte Zusatzbeiträge und sind wegen ihrer nachteiligen Auswirkungen auf Flora und Fauna umstritten. Ähnlich enge Grenzen kennzeichnen auch die Situation bei Pumpspeicherkraftwerken, wo das geringe in Deutschland verfügbare Potenzial ebenfalls wenig Raum für substanzielle Erweiterungen lässt.

Müllheizkraftwerke

Bei der Erzeugung von Strom aus Müll gab es seit Mitte der 90er Jahre einen deutlichen Anstieg der installierten Kapazität von rund 550 MW auf etwa 1.400 MW in den Jahren 2009/2010. Der Anteil an der Erzeugung von EE-Strom ist jedoch mit rund 3,6 % im Jahre 2012 nach wie vor vergleichsweise gering. fredfmue13

Bild 7: Der elektrische Nutzungsgrad von Müllheizkraftwerken schwankt zwischen 20-35 %

Wesentliche weitere Steigerungen sind wegen des begrenzten Abfallaufkommens sowie vergleichsweise hoher Kosten für die Errichtung der entsprechenden Anlagen kaum zu erwarten. Deshalb dürfte der Anteil des Stroms aus Müll an der Stromerzeugung in den nächsten Jahren tendenziell abnehmen. Hinzu kommen Probleme aufgrund des häufig schwankenden und teilweise unzureichenden Heizwerts der verfügbaren Abfallstoffe. Der Nutzungsgrad der Anlagen ist mit lediglich 20-35 % daher vergleichsweise niedrig, Bild 7. Zudem eignen sich Müllheizkraftwerke nur bedingt für rasche Lastwechsel zur Stabilisierung der Netze bei zunehmender Einspeisung von schwankendem Stromaufkommen aus Wind- und Solaranlagen. Der hierdurch zu erwartende weitere Rückgang des Nutzungsgrades dürfte ihre Rentabilität beeinträchtigen. Dies könnte die Bereitschaft zu entsprechenden Investitionen in Zukunft dämpfen.

Biomasse

Die Stromerzeugung auf Basis von Biomasse bzw. Biogas als Brennstoff hat vor allem im Zeitraum seit 2003 sprunghaft zugenommen, Bild 8. Mit einem Anteil von über 22 % war Biomasse im Jahre 2012 nach dem Wind die zweitwichtigste Quelle von EE-Strom. Bei der Beurteilung ist zu beachten, dass der Begriff Biomasse unterschiedliche Technologien umfasst. So gibt es neben der direkten Verfeuerung von z. B. Holz oder Stroh auch einen indirekten Weg über Gärprozesse, mit deren Hilfe Biogas erzeugt wird. Dieser leicht speicherbare Energieträger eignet sich für gut regelbare Gaskraftwerke oder Blockheizkraftwerke. Anlagen zur Stromerzeugung aus Biomasse haben vergleichsweise gute Nutzungsgrade von meist mehr als 40 %.fredfmue14

Bild 8: Die Stromerzeugung auf Basis von Biomasse bzw. Biogas als Brennstoff hat seit 2003 sprunghaft zugenommen

Trotz dieser Vorteile ist jedoch nicht zu erwarten, dass die relative Bedeutung von Biomasse als Lieferant von EE-Strom in gleichem Maβe weiter zunehmen wird wie bisher. Ihre Erzeugung geht nämlich teils direkt, teils indirekt zu Lasten der Produktion von Lebensmitteln. Ähnlich wie bei „Bio“-Treibstoffen bewirkt die EE-Förderung, dass mit dem Anbau von Energiepflanzen mehr verdient wird als mit der Produktion von Lebensmitteln. In einer hungriger werdenden Welt dürfte dies zunehmend Bedenken auslösen.

Fotovoltaik

Regelrechtes Wunderkind der EE-Branche ist die Fotovoltaik. Trotz hoher Kosten und einem eher bescheidenen Nutzungsgrad konnte sie viele Jahre lang Zuwachsraten im hohen zweistelligen oder gar im dreistelligen Bereich erzielen (Bild 9) und trägt im Jahre 2012 bereits rund 21 % zur gesamten Erzeugung von EE-Strom bei [BDPR 1, AGEE 1, DECK 1, DECK 2]. Das Wachstum dürfte auch in den nächsten Jahren stark bleiben, hat doch die Fotovoltaik dank der höchsten Akzeptanz aller EE-Technologien in der Bevölkerung [AKZE 1] eine auβerordentlich starke Lobby, die auch weiterhin kräftigen politischen Druck für weitere Förderung ausüben dürfte. Die politische Macht dieser Pro-Solar-Kräfte zeigte sich 2012, als Bremsversuche der Regierung im Bundesrat ausgehebelt wurden. Deshalb zeichnet sich für 2012 ein ähnlich hoher Zubau – in einer Gröβenordnung von mehr als 7.000 MW – ab wie für 2011 [DECK 1]. Angesichts dieser Dynamik bleibt abzuwarten, ob und wann es gelingen wird, die von z.B. Bundesnetzagentur und Bundesumweltministerium längerfristig angestrebte jährliche Zunahme der Fotovoltaik-Kapazitäten auf rund 2.500-3.500 MW [DECK 3] herunterzudrücken. Die per Oktober 2012 installierte Leistung liegt bei nominell 30.000 MW [DECK 1, SOLA 1, SOLA 2].fredfmue15

Bild 9: Die Fotovoltaik erzielt seit Jahren Zuwachsraten im hohen zweistelligen oder gar im dreistelligen Bereich

Längerfristig kann dennoch erwartet werden, dass die Zubaudynamik bis 2050 nachlässt, weil sich angesichts der auf die deutschen Stromverbraucher zukommenden Kosten irgendwann die Realitäten des ungünstigen Preis-Leistungsverhältnisses bremsend auswirken dürften. Wann dies der Fall sein wird, ist allerdings sehr schwer abzuschätzen. Das Scheitern der Kürzungsambitionen des früheren Bundesumweltministers Röttgen wird anderen Politikern sicherlich warnend in Erinnerung bleiben. Bei der hier vorgestellten Projektion wird daher von einer Endausbaustufe von nominell 86.000 MW im Jahre 2050 ausgegangen. Bei mittleren Investitionskosten von 2 Mio. €/ MW [SOKO 1, SOKO 2] entspräche dies dann einem Gesamt-Investitionsvolumen von 172 Mrd. €. Da die Lebensdauer der Anlagen aufgrund der Förderzeitbegrenzung durch das EEG mit 20 Jahren angesetzt werden muss, dürfte sich dieser Betrag durch die erforderlichen Ersatzinvestitionen auf voraussichtlich deutlich über 200 Mrd. € erhöhen.fredfmue16

Bild 10: Nutzungsgrade von Fotovoltaik (FV) und Windenergie im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte

Windenergie

Aufgrund der begrenzten Ausbaupotenziale von Wasser, Biomasse bzw. Müll ist anzunehmen, dass der geplante massive Ausbau der EE-Stromerzeugung im Wesentlichen in den Bereichen Windenergie und Fotovoltaik stattfindet. Die Windenergie dürfte hierbei ungeachtet der Popularität der Fotovoltaik die Nase vorn haben, weil sie das mit Abstand bessere Verhältnis von Kapitalbedarf zu Stromertrag bietet. Grund hierfür ist der erhebliche Unterschied der Nutzungsgrade, Bild 10. (Zu den auf der Grundlage von BDEW-Angaben [EEGZ 1] zu installierten Leistungen und erzielten Stromerträgen ermittelten Zahlen sei angemerkt, dass sie teils deutlich niedriger sind als die optimistischen Erwartungswerte in Herstellerprospekten und manchen offiziellen Studien). Aufgrund diverser Standortfaktoren sowie der vergleichsweise geringen Zahl an Sonnenstunden erreichen die in Deutschland installierten FV-Anlagen im Mittel Nutzungsgrade von weniger als 10 %, der Jahresmittelwert über 10 Jahre liegt bei 7,5 %. An Land errichtete Windenergieanlagen kommen dagegen auf Werte zwischen 15 und 20 % mit einem langjährigen Mittelwert von 16,8 %. Bei Offshore-Anlagen liegt dieser Wert nach Erfahrungen aus Groβbritannien, wo bereits seit Jahren zahlreiche Offshore-Windparks in Betrieb sind, bei 29,65 % [GROS 1, OFFS 1]. Dies wirkt sich deutlich auf den jährlichen Stromertrag pro eingesetztem Kapital aus: Während eine typische landgestützte Windenergieanlage pro eingesetztem € und Jahr eine Strommenge von mehr als 0,8 kWh liefern kann, liegt der Vergleichswert für FV-Anlagen fallweise um 60 % darunter, Bild 11 [NIEB 1, TRIA 1, SOKO 1-3]. Für den Betreiber hat dieser an und für sich erhebliche Unterschied zwar keine nachteiligen Auswirkungen, weil die Kostendifferenz durch die wesentlich höheren Einspeisevergütungen für Solarstrom kompensiert wird. Unter volkswirtschaftlichen Aspekten und angesichts der zu bewältigenden Gröβenordnungen spricht deshalb jedoch langfristig viel für eine merkliche Schwerpunktbildung in Richtung Windenergie. fredfmue17

Bild 11: Stromertrag pro Kapitaleinsatz und Jahr für die drei zukünftig wichtigsten EE-Technologien

Standortfaktoren der Windenergie

Bei der Auswahl des Standorts einer Windenergieanlage hat die dort herrschende mittlere Windgeschwindigkeit entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit [EEGZ 1]. Da der Wind auf See stärker und gleichmäβiger weht als an Land, haben Offshoreanlagen bessere Nutzungsgrade als solche, die an Land errichtet werden. Bevorzugte Festlandstandorte sind aus dem gleichen Grund küstennahe Bundesländer wie Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern (Bild 12), doch wäre aufgrund der schieren Zahl der zur Erreichung des Endziels von 80 % EE-Stromerzeugung noch zu errichtenden Anlagen eine Auffächerung der Standorte über ganz Deutschland unumgänglich.

In diesem Umfeld gilt die Offshore-Stromerzeugung vielfach als Hoffnungsträger. Die rauen Bedingungen sowie die Notwendigkeit der Gründung und Errichtung in tiefem Wasser verursachen jedoch einen hohen technischen Aufwand sowohl beim Bau als auch bei Unterhalt und Rückbau. Die entsprechenden Kapital- und Betriebsaufwendungen liegen daher merklich über dem an Land üblichen Niveau. Hinzu kommt der teure Anschluss mithilfe spezieller Seekabel. Deshalb zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der Ausbau der Offshore-Standorte zumindest vorerst nicht mit der gleichen Dynamik erfolgen dürfte wie an Land [TELE 1, WIWO 1].fredfmue18

Bild 12: Einfluss des Standorts von Windenergieanlagen auf den Nutzungsgrad im Jahre 2010

Wirtschaftliche Aspekte

Die auf Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen plausibelste Projektion der Aufteilung der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen auf die verschiedenen EE-Technologien bis 2050 zeigt Bild 13. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird Deutschland mit der skizzierten Entwicklung vor einer Herkulesaufgabe stehen. So müsste die Zahl der an Land errichteten Windenergieanlagen (bei Annahme einer durchschnittlichen Nennleistung von 3 MW) von 2011 bis 2050 von ca. 21.500 um fast das Siebenfache auf rund 147.000 gesteigert werden, Bild 14. Im Offshorebereich kann für den gleichen Zeitraum eine Zunahme der in Betrieb befindlichen Generatoren von aktuell wenigen Dutzend auf rund 7.700 Anlagen der 6-MW-Klasse angenommen werden. fredfmue19

Bild 13: Projektion der Aufteilung der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen auf die verschiedenen EE-Technologien von 2000 bis 2050

Bei der Kalkulation des für die Windenergie erforderlichen Kapitalbedarfs ist zu berücksichtigen, dass parallel zum Zubau neuer Anlagen auch ein kontinuierlicher Ersatz älterer Anlagen erforderlich wird. Windenergieanlagen sind mechanisch extrem beanspruchte Konstruktionen, deren Lebensdauer auf ca. 20 Jahre begrenzt ist. Anschlieβend muss meist alles bis herab zum Fundament ersetzt werden, da die Nachfolgeanlage in der Regel mehr Leistung oder zumindest einen höheren Mast hat. Jede in diesem Jahrzehnt neu gebaute Anlage muss somit bis zum Jahr 2050 ein bis zwei Mal ersetzt werden. Kumuliert ergibt sich aus diesen Überlegungen auf der Basis des aktuellen Standes der Technologie und zu heutigen Kosten ein Gesamt-Investitionsvolumen von schätzungsweise 1.500 Mrd. €.fredfmue20

Bild 14: Voraussichtliche Entwicklung der Zahl an Land (3-MW-Klasse) bzw. Offshore (6-MW-Klasse) betriebener Windenergieanlagen von 2010 bis 2050

Speicherung unerlässlich

Auf der Grundlage der vorstehenden Überlegungen lässt sich für das Jahr 2050 für die einzelnen EE-Erzeugungsarten die jeweils erforderliche Gesamt-Jahresproduktion an elektrischem Strom ermitteln, Bild 15. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Strom aus Wind und Sonne im Unterschied zu den übrigen Erzeugungswegen nicht bedarfsgesteuert produziert werden kann. Die Erzeugung hängt ausschlieβlich von den Launen des Wetters ab. Das ist ein entscheidendes Handicap, weil sich elektrischer Strom nicht direkt speichern lässt. Die Stromversorgung im Netz bleibt nur stabil, wenn Erzeugung und Verbrauch stets exakt im Gleichgewicht sind. Zudem lässt sich der Bedarf nur begrenzt an die Erzeugung anpassen: Bevölkerung und Industrie brauchen Strom dann, wenn man morgens unter der Dusche steht, mittags gekocht werden soll oder um 08:00 die Arbeit beginnt.fredfmue21

Bild 15: Aufteilung der im Jahr 2050 zu erwartenden Gesamt-Jahresproduktion an elektrischem Strom pro Erzeugungsart

Angesichts des Anteils von fast 75 % an der Gesamterzeugung, den Wind- und Sonnenstrom im Jahr 2050 haben dürften, steht und fällt daher das gesamte Konzept der Energiewende mit der Frage, wie man den in Zeiten eines Überangebots anfallenden EE-Strom speichern kann, um ihn bei Mangelsituationen wieder einzuspeisen. Von den zahlreichen derzeit propagierten Technologien ist lediglich das Pumpspeicherprinzip bereits in nennenswertem Umfang verfügbar. Hierbei wird Wasser bei Stromüberschuss mit Hilfe von Pumpen aus einem tieferen in ein höheres Becken gepumpt. Wird später Strom benötigt, so lässt man das Wasser wieder hinabströmen und treibt damit Turbinen an. Dabei werden heute Wirkungsgrade von rund 80 % erreicht. Andere heute propagierte Konzepte weisen im Vergleich hiermit deutliche Nachteile auf, sei es bezüglich Kapazitäten, Kosten, Wirkungsgrad oder groβtechnischer Verfügbarkeit.

Anforderungen an Speicher und Netze

Bei der Speicherung von Strom aus Wind- und Sonnenenergie muss man sich zunächst Klarheit über zwei ganz unterschiedliche Kriterien verschaffen. Zum einen geht es um Anschlussleistungen, denn die Speicher müssen ja die zur Verfügung gestellte Leistung auch dann bewältigen können, wenn die Last am Netz an einem klaren und windreichen Sonntag vergleichsweise gering ist können. Ein weiteres, davon unabhängiges Kriterium ist die zu speichernde Energiemenge. Hiervon hängt im Wesentlichen ab, wie lange ein gefüllter Speicher im Bedarfsfall auch Strom liefern kann.

Bei der Betrachtung der erforderlichen Anschlussleistung kommen die geringen Nutzungsgrade von Wind- und Solaranlagen ins Spiel. Sie zwingen dazu, zur Erzielung einer gewünschten Jahres-Gesamtproduktion entsprechend hohe Überkapazitäten vorzuhalten. Konkret würden im Extremfall bis zu 570.000 MW an EE-Leistung bei einer Netzlast von gerade mal 60.000 MW anfallen, Bild 16. Deshalb muss an klaren, windreichen Sonntagen in der Mittagszeit mit einem Überschuss von bis zu rund 500.000 MW gerechnet werden. Solche Leistungen können zur Zeit nirgendwo in Europa auch nur annähernd übertragen, geschweige denn gespeichert werden. Die gesamte installierte Leistung deutscher Pumpspeicherkraftwerke liegt aktuell bei rund 6.000 MW [SCHW 1], was weniger als 1,5 % des zu erwartenden Bedarfs entspricht. Eine wesentliche Kapazitätsausweitung ist aufgrund des Mangels an geeigneten Standorten kaum möglich. Auch die häufig als „Batterien Europas“ propagierten Alpenländer sowie Norwegen sind zumindest nach aktuellem Stand der Dinge keine echten Alternativen. So stehen 2012 in Österreich lediglich rund 3.000 MW und in der Schweiz 1.800 MW an Pumpspeicherleistung zur Verfügung [SCHW 1]. In beiden Ländern ist das Ausbaupotenzial zudem eng begrenzt. In Norwegen, das aktuell nur über minimale Kapazitäten verfügt, könnten zwar möglicherweise insgesamt bis zu 20.000 MW erschlossen werden [NORW 1], doch sind hier neben den Kosten für Bau und Betrieb auch noch die Kosten für die teuren Seekabel zu berücksichtigen. Weitere Probleme ergeben sich dadurch, dass in Norwegen die Stromproduktion aus Stauseen und Flüssen im Winter wegen Vereisung oft hart an ihre Kapazitätsgrenze gelangt und gröβere Eingriffe in die Natur auf politischen Widerstand stoβen dürften. Selbst bei maximaler Ausweitung der Pumpspeicherkapazitäten aller vier Länder auf zusammen vielleicht 35.000 MW käme man lediglich auf rund 7 % der tatsächlich erforderlichen Leistungsaufnahme. Auch ist zu bedenken, dass bei den genannten „europäischen Batterien“ neben Deutschland bereits weitere Länder wie Italien, Groβbritannien, Dänemark und die Niederlande angeklopft haben, weil sie dort ihren überschüssigen Ökostrom zwischenparken möchten.

Hinzu kommt der Kostenaspekt: Beim Bau von Pumpspeicherwerken muss man beispielsweise in der Schweiz mit Kosten von 1,5 Mrd. € pro 1.000 MW installierter Leistung rechnen [SCHW 1]. Bei einem hypothetischen Gesamtbedarf von 550.000 MW würden sich somit allein die hierfür erforderlichen Investitionen auf rund 750 Mrd. € summieren.fredfmue22

Bild 16: Die geringen Nutzungsgrade von Wind- und Solaranlagen zwingen dazu, zur Erzielung einer definierten Jahres-Gesamtproduktion erhebliche Überkapazitäten vorzuhalten

Weiterer Aspekt sind die Kosten für die erforderlichen Kabelverbindungen. So kostet allein das 1.400 MW- Nord.Link- Kabelprojekt nach Norwegen geschätzte 1,5 Mrd. € [NORD 1, NORD 2]. Bei Überland-Fernleitungen liegen die spezifischen Kosten nach Einschätzung der Deutschen Netzagentur bei rund 6 Mio. €/ km [KURT 1]. Da eine solche Leitung typischerweise für 1.000 bis 2.000 MW ausgelegt ist, bräuchte man davon mindestens 250 mit einer Länge von bis zu 1.000 km, um die anfallenden Spitzenleistungen zu den weit entfernten Speichern und wieder zurück zu transportieren. Somit kämen zu den Kosten des Ausbaus von Pumpspeicherwerken nochmals rund 1.500 Mrd. € für den erforderlichen Leitungsausbau. Selbst wenn es gelingen sollte, in näherer Zukunft eine der anderen zur Zeit ins Auge gefassten Speichertechnologien wie Druckluft oder Power-to-Gas so zu ertüchtigen, dass sie sowohl vom Wirkungsgrad als auch von den darstellbaren Kapazitäten und Kosten her den Anforderungen genügen würde, so ist nach aktuell abschätzbarem Stand der technischen Entwicklung dennoch kaum damit zu rechnen, dass sich die Kosten günstiger darstellen würden als bei Pumpspeicherkraftwerken. An den hier vorgestellten Zahlen würde sich daher nicht viel ändern.

Erforderliche Speicherkapazitäten

Der zweite bei der Betrachtung der Speicherproblematik zu beachtende Aspekt ist – wie bereits erwähnt – die erforderliche Kapazität, d. h. die Menge an Wasser und damit an Energie, die gespeichert werden kann. Diese Kapazität muss ausreichen, um Schwachwindphasen zu überbrücken, die im Winterhalbjahr flächendeckend über groβen Teilen Deutschlands einschlieβlich der Nordsee über Zeiträume von etlichen Wochen andauern können. Angesichts der Bedeutung einer gesicherten Stromversorgung für die Aufrechterhaltung existenzieller Funktionen des Staates erscheint es berechtigt, einen Sicherheitspuffer von mindestens 8 Wochen zu fordern. Dies entspräche etwa 140 TWh. Da jedoch die heute vorhandenen Pumpspeicherkraftwerke meist für einen 24-Stunden-Betriebsrhythmus ausgelegt wurden, ist die Kapazität ihrer Becken meist nur für wenige Stunden Betrieb ausgelegt. In Goldisthal, dem gröβten und modernsten Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands mit 1.000 MW Leistung, sind gerade einmal knapp 9 Stunden Volllastbetrieb möglich, was lediglich 0,009 TWh entspricht. Deshalb erscheint es schwer vorstellbar, dass die zur Sicherung einer zuverlässigen Stromversorgung erforderlichen Speicherkapazitäten auch nur annähernd mit Hilfe von Pumpspeicherkraftwerken bereitgestellt werden könnten.

Stromspeicherung: Zusammenbruch bisheriger Geschäftsmodelle

Unabhängig von der Frage der zur Verfügung stehenden Kapazitäten wäre auch die Frage zu klären, wie die Wirtschaftlichkeit von Bau und Betrieb entsprechender Anlagen zu gewährleisten ist. Da Speicherkraftwerke sehr teuer sind, muss das zugrundeliegende Geschäftsmodell eingehalten werden können, weil sonst kein wirtschaftlicher Betrieb mehr möglich wäre. Das heute übliche Betriebsmodell für Pumpspeicherkraftwerke ist der Betrieb im Tag-Nacht-Rhythmus: Nachts wird das Oberbecken mit billigem Grundlaststrom gefüllt, um diese Energie dann tagsüber zu höheren Preisen als Spitzenlaststrom zu verkaufen. Wenn die Becken nicht im gewohnten 24-h-Rhythmus gefüllt und geleert werden können, entstehen Verluste. Eine Vorratshaltung für längere Zeitperioden würde daher ein anderes Geschäftsmodell erfordern – was nur über erheblich höhere Speicherungskosten darstellbar wäre.

Weiteres Problem, das vom Grundsatz her nicht nur Pumpspeicherkraftwerke, sondern auch für alle anderen eventuell noch zu entwickelnden Speichersysteme gleichermaβen zutrifft, ist der künftige Wegfall des bisher sicher verfügbaren Spitzenstrom-Marktes zur Tagesmitte. Dieser bricht mit der rapiden Zunahme des gerade in der Mittagszeit überreichlich angebotenen Solarstroms immer mehr zusammen. Da dieser Strom vorrangig abgenommen und nach EEG-Richtlinien vergütet werden muss, sind die Netzbetreiber gezwungen, die Überschussmengen zu Schleuderpreisen an den europäischen Strommärkten losschlagen. Betreiber von Speicherkraftwerken beklagen daher immer häufiger, dass sie für ihren Spitzenlaststrom keine auskömmlichen Preise mehr erzielen können. Je mehr diese Problematik mit dem derzeit unaufhaltsam scheinenden Ausbau der Fotovoltaik zunimmt, desto schwerer dürfte es werden, Investoren für neu zu errichtende Speicherkraftwerke zu finden – und zwar unabhängig davon, in welcher Technologie sie ausgeführt werden.

Kostenfalle Speicherwirkungsgrad

Da die Stromerzeugung aus Sonne und Wind völlig von den Zufällen des Wettergeschehens abhängt, stimmen Netzlast einerseits und Stromerzeugung aus diesen Quellen andererseits kaum jemals überein. Überschüsse müssen daher gespeichert werden, um sie dann bei Unterdeckung wieder ins Netz zu speisen. Angesichts der Gröβenordnung und Häufigkeit der Schwankungen kann davon ausgegangen werden, dass etwa 40 % des durch Sonne und Wind erzeugten Stroms nicht direkt im Netz verbraucht werden können, sondern kurz,- mittel- oder langfristig gespeichert werden muss [OFFS 2]. Dies würde jährlich rund 330 TWh entsprechen. Je gröβer die bei der Speicherung dieser Energiemenge auftretenden Verluste, desto mehr EE-Strom muss zusätzlich erzeugt werden, um die erforderliche Versorgung der Verbraucher sicherzustellen. Anders ausgedrückt muss in jedem Fall soviel in die Speicher hineingesteckt werden, dass am Ende die benötigten 330 TWh wieder herauskommen. Zu den Wirkungsgradverlusten sind hierbei auch die Leitungsverluste hinzuzurechnen. Während man früher Wert darauf legte, Kraftwerke nicht allzu weit von den Bedarfszentren anzusiedeln, erfordert der Übergang zu Erneuerbaren Energien einen Langstrecken-Stromtourismus zwischen den „EE-Stromhöffigen“ Standorten, den Ballungszentren des Verbrauchs und den Speichern. So müsste beispielsweise Windstrom, der in Norddeutschland erzeugt, in Österreich gespeichert und von dort dann nach Bayern transportiert wird, über eine Strecke von insgesamt rund 1.500 km geführt werden. Bei den für 380 kV-Leitungen typischen Leitungsverlusten von 1,5-2 %/ 100 km ergibt sich ein Übertragungsverlust von knapp 30 %. Zusammen mit Trafoverlusten und den 20 % Umwandlungsverlust im Pumpspeicherkraftwerk summieren sich die Gesamtverluste der Speicherung demnach auf rund 50 %. Dies wiederum bedeutet, dass dem Speicherprozess statt der ursprünglich benötigten 330 TWh die doppelte Menge – also 660 TWh – zur Verfügung gestellt werden müssten. Dies würde den Bau von zusätzlich 62.000 Windenergieanlagen erfordern, was weitere Kosten von 600 Mrd. € bedingen würde. Auβerdem müssten weitere Leitungen für die Übertragung der zusätzlich zu bewältigenden Spitzenleistung gebaut werden. Was andere heute diskutierte Speichertechnologien wie Druckluft, Wasserstofferzeugung oder Power-to-Gas betrifft, deren Wirkungsgrade teilweise deutlich unterhalb von 50 % liegen, so dürfte es schwerfallen, angesichts dieser Zusammenhänge ihren flächendeckenden Einsatz ernsthaft in Erwägung zu ziehen.fredfmue23

Bild 17: Das aus den EEX-Windstromdaten für September 2012 generierte Diagramm dokumentiert die Heftigkeit der Schwankungen des Windstromaufkommens (Quelle: http://www.Winfried Heck.de)

Konventionelle Kraftwerke

Angesichts der vorstehend skizzierten Entwicklung bezüglich des Geschäftsmodells für Pumpspeicherkraftwerke lässt sich unmittelbar folgern, dass bei Aufrechterhaltung des im EEG-Gesetzes festgeschriebenen Vorrangs für Strom aus erneuerbaren Energien auch dem Betrieb aller anderen Kraftwerkstypen die wirtschaftliche Grundlage entzogen wird. Gröβtes Problem ist hierbei die außerordentliche Volatilität des Windaufkommens (Bild 17), die zu extremen Schwankungen des Angebots in sehr kurzen Zeiträumen führt. Die heute bestehenden konventionellen Kohlekraftwerke können solchen Bedarfsschwankungen nicht folgen und müssten eher früher als später vom Netz genommen werden. Selbst moderne Gas-und-Dampf-Kraftwerke hätten trotz ihrer beeindruckenden Flexibilität mit solchen Lastschwankungen ihre Probleme. Zudem ist fraglich, ob ihr Wirkungsgrad bei einer solchen Zick-Zack-Fahrweise noch den Prospektangaben entspräche. Es ist daher realistisch, für 2050 einen Ersatz des gesamten restlichen Bestands an konventionellen Kraftwerken durch neue, extrem flexibel einsetzbare Anlagentypen anzunehmen. Zu heutigen Kosten dürften für den erforderlichen Neubau von 60 GW elektrischer Leistung [ENDB 1] dabei mindestens 60 Mrd. € zu veranschlagen sein.

Anderen Problemen dürften sich Betreiber von Blockheizkraftwerken bzw. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen stellen müssen. Ihr Geschäftsmodell beruht meist darauf, dass der Betrieb des Kraftwerks der Wärmelast folgt und der dabei anfallende Strom am Markt auch verkäuflich ist. Ist letzteres wegen des unvorhersehbaren Angebots und des Vorrangs für EE-Strom nicht der Fall, so entfallen wesentliche Voraussetzungen sowohl bezüglich ihrer Energieeffizienz als auch mit Blick auf ihre Wirtschaftlichkeit.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Berichte über ein neues Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, das Betreibern bestimmter konventioneller Kraftwerke deren Stilllegung auch dann verbieten will, wenn kein wirtschaftlicher Betrieb mehr möglich ist. Die hierdurch entstehenden Entschädigungsverpflichtungen in Höhe von jährlich 287 Mio. € [RESE 1] würden sich bis 2050 auf insgesamt rund 11 Mrd. € summieren, welche ebenfalls den Kosten der Energiewende zugerechnet werden müssten.

Gesamtkosten

Summiert man die ermittelten Kosten auf, so ergibt sich eine Gesamtsumme von rund 4.650 Mrd. € allein für die erforderlichen Investitionen:

Windenergieanlagen einschlieβlich periodischer Bestandserneuerung 1500.-
Fotovoltaikanlagen einschlieβlich periodischer Bestandserneuerung 200.-
Speicherkraftwerke 750.-
Stromleitungen Übertragungsnetze [KURT 1] 1500.-
Stromleitungen Verteilnetze [VERT 1, VERT 2, VERT 3, KURT 1] 27.-
Stromleitungen Offshore-Anbindung [TENN 1, TENN 2] 15.-
Zusatzkapazitäten Windenergie als Ausgleich für Leitungsverluste 600.-
Gesetzlich vorgeschriebene Reservekraftwerke [RESE 1] 11.-
Neubau konventioneller Kraftwerke [ENDB 1, KRKO 1] 60.-
Gesamtsumme der erforderlichen Investitionen: 4663.-

Eine solche Zahl ist für die meisten Menschen zunächst nur schwer fasslich. Verständlicher wird es, wenn man sie zur Einzelbelastung pro Bürger und Jahr umrechnet. Dabei ergibt sich, dass jeder Bundesbürger im Verlauf der nächsten 38 Jahre für die Energiewende rund 58.900,- € zu bezahlen hätte. Auf das Jahr bezogen entspricht dies pro Kopf 1.550,- € beziehungsweise pro 4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt 6.200,- €. In diesen Zahlen sind die Kosten für Betrieb und Unterhalt noch nicht enthalten.

Selbst wenn man von der Annahme ausginge, dass sich der Stromverbrauch bis zum Jahr 2050 auf konstantem Niveau bewegen sollte, würden sich auf der Grundlage des hier skizzierten Kostengerüsts zwar die absoluten Zahlen verringern, die Gröβenordnung an sich bliebe jedoch bestehen. Angesichts der heftigen Reaktionen auf die jüngste Erhöhung der EEG-Umlage erscheint es schwer vorstellbar, dass die Bevölkerung auch nur annähernd bereits sein könnte, solche Belastungen zu akzeptieren.

Prognosesicherheit

Bei der Bewertung dieser Zahlen ist zu beachten, dass es hier um eine reine „was-wäre-wenn“-Analyse geht: Die Planungsvorgaben der Energiewende wurden lediglich auf realistischer Grundlage mit verfügbaren Zahlen bis zum Jahr 2050 durchgerechnet. Naturgemäβ ist eine solche Langzeit-Prognose mit hohen Unsicherheiten behaftet, doch dürften die für diesen Beitrag anhand aktueller Zahlenwerke und Projekte ermittelten Werte zumindest von den Tendenzen und Gröβenordnungen her zutreffen. Beispielsweise dürften sich auch bei der Fotovoltaik die Zeiten drastischer Preissenkungen langsam dem Ende zuneigen, da der Übergang zur Massenproduktion auf asiatischem Preisniveau inzwischen weitgehend vollzogen wurde. Solarzellen sind keine Elektronikchips, weshalb hier nicht die gleichen langfristig exponentiellen Leistungssteigerungen zu erwarten sind.

Auch bei der Windenergie sind kaum groβe Technologiesprünge bzw. entsprechende Preissenkungen zu erwarten, da die entsprechenden Technologien technisch wie wirtschaftlich sehr weit ausgereift sind. Kostenvorteile durch zunehmende Serienlosgröβen dürften sich mit steigenden Material- und Energiepreisen sowie der Inflation annähernd die Waage halten. Zudem bedingt der Trend zu wachsenden Nabenhöhen und immer gröβeren Leistungen pro Anlage einen tendenziell eher steigenden spezifischen Einsatz an Material und Kapital, da die Maschinenleistung zwar mit dem Quadrat der Abmessungen zunimmt, ihre Masse dagegen mit der dritten Potenz.

Natürlich spielt bei dieser Projektion auch der zu erwartende Stromverbrauch eine Rolle. Sollte es der Regierung tatsächlich gelingen, den Stromverbrauch in Deutschland zu deckeln oder gar zu senken, so werden die hier errechneten Zahlen natürlich nicht erreicht. Ob dies allerdings ohne merkliche Einschnitte bezüglich Wirtschaftskraft und Lebensqualität der Bevölkerung möglich sein wird, wird von Brancheninsidern hinter vorgehaltener Hand mehr oder weniger stark in Zweifel gezogen. Selbst bei einer reinen Deckelung auf aktuellem Niveau blieben die Kosten in einer Gröβenordnung, die mit dem aktuellen Schuldenstand Deutschlands vergleichbar ist. Da in der hier vorgenommenen Betrachtung nur die reinen Investitionskosten ohne Betriebskosten und Kapitaldienst betrachtet wurden, bleiben die tatsächlichen Zukunftsverpflichtungen unter Einbezug dieser zusätzlichen Faktoren auf einem selbst für eine starke Volkswirtschaft wohl nur schwerlich bewältigbaren Niveau.fredfmue24

Bild 18: Die EEG-Umlagekosten steigen immer steiler an

Kommt ein Crash?

Inzwischen hört man von manchen Fachleuten zunehmend dringlichere Warnungen, dass sich Deutschland als eines der technologisch und wirtschaftlich führenden Länder Europas mit der Energiewende sozusagen auf eine Schussfahrt in unkartiertes Terrain begeben habe, die früher oder später an einem Hindernis enden muss. Der Kraftakt, gleichzeitig sowohl fossile Energiequellen als auch Kernkraft als Hauptträger der Stromerzeugung verbannen zu wollen, verlangt die Überwindung sowohl technischer als auch wirtschaftlicher Hürden in unglaublicher Höhe. Diese Langfrist-Weichenstellung mit Macht voranzutreiben, obwohl technisch-wissenschaftliche Grundlagen in strategischen Punkten nicht geklärt sind, ist in der Geschichte der modernen Menschheit ohne Beispiel. So fehlt bisher eine realisierbare und zugleich wirtschaftlich vertretbare Lösung für die Speicherung von sehr groβen Mengen erratisch erzeugten Stroms aus Solar- und Windenergie. Ungelöst ist auβerdem die Frage, mit welcher Technologie sich die erforderlichen Übertragungskapazitäten für enorme Leistungen über groβe Entfernungen darstellen lieβen. Die Errichtung von dreifach parallel gestaffelten Hochspannungsleitungen in alle Himmelsrichtungen quer durch Deutschland und tief in die angrenzenden Nachbarländer hinein dürfte jedenfalls Fall auf erbitterten Widerstand stoβen.fredfmue25

Bild 19: Direkt an die Betreiber von EEG-Anlagen zu  zahlende feste Vergütung in Mio. €

Zweites und ebenso entscheidendes Problem sind die bereits besprochenen Kosten. Schon ein kurzer Blick auf die Entwicklung der EEG-Kosten [KOST 1, LEIP 1] (Bilder 18 und 19) lässt erkennen, dass diese bereits jetzt aus dem Ruder laufen. Inzwischen beginnt sich sowohl bei zahlreichen Bürgern als auch bei bestimmten besonders betroffenen Industriebranchen Unmut zu regen. Auch die Politik scheint die mit diesem Preisanstieg verbundenen Gefahren zur Kenntnis zu nehmen, wie die zunehmend hektischeren Aktivitäten des derzeit amtierenden Bundesumweltministers Altmeier belegen. Angesichts des zur Zeit kaum gebremsten und geradezu chaotisch verlaufenden Ausbaus der Erneuerbaren Energien nebst der damit zunehmenden finanziellen wie technischen Probleme [KALT 1] ist es aus Sicht mancher Insider nur noch eine Frage der Zeit, bis die Widersprüche zwischen ideologischen Ansprüchen und den technischen wie sozialen Realitäten zu einer unsanften Landung führen.

Deutschlands politisches Dilemma

Verschärft wird die Problematik durch die Tatsache, dass sich die politisch führenden Kräfte Deutschlands in eine Lage manövriert haben, in der keine kurzfristige Kursänderung mehr möglich ist. Die Energiewende mit ihrer gleichzeitigen Abkehr von Atom und CO2 ist zur Zeit de Facto-Konsens der Politik und wird auch in der Bevölkerung immer noch breit befürwortet, obwohl die drastisch steigenden Kosten bereits zu merklichem Unmut geführt haben. Da im Jahr 2013 Bundestagswahlen anstehen, dürfte es bis dahin wohl keine der für eine Regierungsbildung infrage kommenden politischen Parteien wagen, die derzeitige Linie der Energiepolitik umzustoßen. Insbesondere die CDU/ CSU könnte es sich kaum erlauben, die erst vor einem Jahr gegen deutliche innere Widerstände gefassten Energiewende-Beschlüsse zu revidieren. Da die derzeit amtierende Koalition merkliche Verschleiβerscheinungen zeigt, wobei insbesondere die FDP stark an Zuspruch verloren hat und sich hart an die Grenze der Bedeutungslosigkeit gedrängt sieht, dürfte die nächste Bundesregierung mit groβer Wahrscheinlichkeit bestimmendem Einfluss seitens roter oder grüner Koalitionspartner unterliegen. Deren ideologische Ausrichtung lässt erwarten, dass sie alle Versuche einer Änderung dieser Entwicklung erbittert bekämpfen werden.

Hinzu kommt der Einfluss der Länderkammer, des Bundesrats, der in Deutschland erheblichen Einfluβ auf wichtige Gesetzesvorhaben hat. Hier dominiert eine Koalition aus rot-grün regierten Landesregierungen, windreichen norddeutschen Ländern, die voll auf den Ausbau der Windenergie gesetzt haben, und weiteren Bundesländern, welche die Arbeitsplätze der bei ihnen angesiedelten Solar- und Windanlagenhersteller mit groβer Vehemenz verteidigen. Darüber hinaus steht hinter den erneuerbaren Energien eine kopf- und finanzstarke Lobby, zu der nicht nur zahlreiche gut verdienende Firmen und Personen, sondern inzwischen auch „geläuterte“ Stromanbieter wie E.ON oder RWE gehören, die mittlerweile massiv in Wind und Sonne investieren. Nicht zu vergessen sind in dieser Konstellation auch zahlreiche kommunale Energieversorger – inzwischen eine ansehnliche Machtbasis der Grünen -, die in erheblichem Umfang auf erneuerbare Energien setzen und auch in den entsprechenden Verbänden wie dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) das Szepter in der Hand halten.

Zusammengenommen dürfte diese Zusammenballung wesentlicher politischer Kräfte bewirken, dass Deutschlands Regierung an der jetzigen Linie mindestens noch einige Jahre festzuhalten versucht, auch wenn man schon jetzt Bestrebungen beobachten kann, mit Blick auf steigende Strompreise an Symptomen herumzudoktern. So wird beispielsweise das wachsende Unbehagen über die massiv steigenden EEG-Kosten von den Ursachen weg kanalisiert, indem immer lauter danach gerufen wird, energieintensiven Branchen die aktuell gewährte Befreiung von der Zahlung der EEG-Umlage zu streichen. Über die Konsequenzen für die Arbeitsplätze in den Grundstoffindustrien, über Jahrzehnte wichtiger Grundpfeiler deutscher Wirtschaftskraft, scheint man sich dabei wenig Gedanken zu machen.

Daher ist kaum zu erwarten, dass sich kurzfristig politische Kräfte finden werden, die sich daran wagen würden, das Ruder herumzureiβen. Viel wahrscheinlicher ist dagegen, dass es erst zu einem mehr oder weniger kräftigen Crash – sei es in Form massiver Stromausfälle, deutlich zunehmender Abwanderung groβer Unternehmen oder merklicher Unruhe in der Bevölkerung – kommen muss, bevor die derzeitige EE-Politik grundlegend überarbeite wird.fredfmue26

 

Abschied vom CO2-Feindbild?

Bezüglich des Weges, der dann eingeschlagen werden dürfte, gibt es bereits jetzt einige Vorzeichen, die auf eine Rückkehr zu fossil befeuerten Kraftwerken hindeuten. So werden in Deutschland nach wie vor neue fossile Kraftwerke gebaut bzw. geplant. Zudem verfügt das Land über ein sehr umfangreiches Inventar existierender Kohle- und Gaskraftwerke und kann daher zur Zeit noch auf diese Linie zurückfallen, indem man die anstehende Stilllegung älterer Kraftwerke unterbindet. Symptomatisch ist in diesem Zusammenhang das bereits erwähnte Gesetzesvorhaben, das die Stilllegung unwirtschaftlich gewordener fossiler Kraftwerke unterbinden soll, wenn sie strategische Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Versorgung haben.

Nach einem von immer mehr Fachleute erwarteten Scheitern der Pläne, die deutsche Energieversorgung zu 80 % auf erneuerbare Energien umzustellen, wird sich das Land bezüglich seiner Stromproduktion voraussichtlich vor allem wieder auf fossile Energieträger stützen. Vermutlich wird man zur Gesichtswahrung versuchen, den bis dahin angesammelten Bestand an Wind- und Solaranlagen trotz der damit verbundenen Konsequenzen bezüglich Netzstabilität und Kosten beizubehalten. Ob sich das durchhalten lässt, wird abzuwarten bleiben. Unausweichliche Folge wäre eine Verabschiedung von bisher verfolgten CO2-Zielen, was auch Auswirkungen auf internationaler Ebene, insbesondere innerhalb der EU-Gremien, haben dürfte.

Auswirkungen auf Nachbarländer

Für die Nachbarländer Deutschlands stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie man sich am besten auf die zu erwartende Entwicklung einstellt. In Gesprächen mit dortigen Verantwortlichen entsteht zunehmend der Eindruck, dass sich in das prinzipielle Wohlwollen gegenüber den mit der Energiewende verfolgten Zielen inzwischen mehr und mehr Skepsis mischt. Investitionen im Bereich der Energie-Infrastruktur sind Generationsentscheidungen mit Zeithorizonten von 40 oder sogar 60 Jahren. Angesichts der Neigung der deutschen Politik, in Grundsatzfragen der Energieproduktion abrupte Schwenks ungeachtet der Auswirkungen auf europäische Partner zu vollziehen, stellt sich dort die Frage, wie man es vermeiden kann, bei der eigenen Planung abgestimmter Maßnahmen durch deutsche Alleingänge plötzlich kalt erwischt zu werden. Zudem vermag die Solidität aktueller deutscher Planungen bei genauerer Plausibilitätsprüfung nicht immer zu überzeugen [NETZ 1, ENDB 1]. Dies könnte auch die Erklärung für die Linie der Schweiz sein, für ihre Kernkraftwerke keine konkreten Abschalttermine festzulegen.

Vorsicht empfiehlt sich daher auch bei anderen gröβeren Investitionsentscheidungen, die eine zu starke Bindung an Deutschland bewirken würden. Dies gilt z.B. für den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken, deren Kapazität dann eventuell doch nicht mehr benötigt wird, wie auch für entsprechende Stromleitungen. Ebenfalls bedenklich stimmen die Ergebnisse einer kürzlich vorgestellten dena-Studie „Integration der erneuerbaren Energien in den deutschen/europäischen Strommarkt (Kurz: Integration EE)“ [ENDB 1], die für Deutschland eine nach 2020 zunehmende Stromlücke von letztlich bis zu 134 TWh im Jahr 2050 prognostiziert. Sorge bereitet den Autoren dieser Analyse auch die Netzabsicherung durch konventionelle Kraftwerke. Ebenso misstrauisch sollte stimmen, dass die Bundesnetzagentur in ihrer neuesten Bestätigung des Netzentwicklungsplans Strom 2012 [BUNE 1]das Thema Stromspeicherung trotz seiner entscheidenden Bedeutung für die gesamte EE-Stromerzeugung nur kurz streift.

Mit inzwischen immer deutlicherer Skepsis beurteilt man die aktuelle Energiepolitik Deutschlands inzwischen vor allem in den östlichen Nachbarländern Polen und Tschechien, deren Netze periodisch mit überschüssiger Windenergie aus Norddeutschland überlastet werden. Vom reinen Unbehagen geht man dort inzwischen bereits zur Planung konkreter Abwehrmaβnahmen über [BLOO 1].

Fred F. Mueller

 

Quellenverzeichnis

[AGEB 1] Stromerzeugung nach Energieträgern von 1990 bis 2011 (in TWh) Deutschland insgesamt, AGEB Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V., www.ag-energiebilanzen.de

[AGEE 1] Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland in den Jahren 2010 und 2011, Grafiken und Tabellen unter Verwendung aktueller Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien – Statistik (AGEE-Stat) im Auftrag des BMU Stand: Dezember 2011. Hamburg, 16. Dezember 2011.

[AKZE 1] A bis Z Fakten zur Windenergie. Von der Schaffung neuer Arbeitsplatze bis zur Zukunft der Energieversorgung. Stand 04-2010. Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE), www.wind-energie.de

[BDPR 1] BDEW-Pressemitteilung 26. Juli 2012. BDEW Bundesverband der Energie-und Wasserwirtschaft e.V. www.bdew.de

[BLOO 1] Bauerova, L., Andresen, T.: Windmills Overload East Europe’s Grid Risking Blackout: Energy http://www.bloomberg.com/news/2012-10-25/windmills-overload-east-europe-s-grid-risking-blackout-energy.html

[BUNE 1] Bestätigung Netzentwicklungsplan Strom 2012 durch die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen. 25. November 2012

[DECK 1] Schultz, S.: Solarzellen: Ungebremster Ausbau, Solar-Branche verkauft so viele Anlagen wie noch nie. Spiegel Online, 6. Jan. 2012.

[DECK 2] Trotz Förderkürzungen Solaranlagen in Deutschland boomen. Spiegel online.de 02.08.2012 19:20

[DECK 3] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Pressemitteilung Nr. 145/ 11 vom 17.11.2011.

[EEGZ 1] Energie-Info Erneuerbare Energien und das EEG: Zahlen, Fakten, Grafiken (2011), 15. Dez. 2011. BDEW Bundesverband der Energie-und Wasserwirtschaft e.V. www.bdew.de

[ELEC 1] Tober, W.: Batterieelektrische Fahrzeuge in der Praxis – Kosten, Reichweite, Umwelt, Komfort. Wien: Technische Universität Wien, Institut für Fahrzeugantriebe & Automobiltechnik, B12014, [Hrsg.] Österreichischer Verein für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK), 2012

[ENDB 1] Agricola, A.-Cl., Höflich, B., Noster, R,. Peinl, H., Richard, P., Völker, J., Moser, A., Echternacht, D., Grote, F., Schäfer, A., Schuster, H.: Integration der erneuerbaren Energien in den deutschen/europäischen Strommarkt (Kurz: Integration EE). Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), 15.8.2012.

[ENTW 1] Entwicklungen in der Stromwirtschaft 2011. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen am 16. Dezember 2011. BDEW Bundesverband der Energie-und Wasserwirtschaft e.V. www.bdew.de

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[KOST 1] Saftiger Anstieg der Strompreise 2013 erwartet. http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2012-10/24993173-wdh-roundup-saftiger-anstieg-der-strompreise-2013-erwartet-016.htm

[KRKO 1] Weltrekordjagd im Kraftwerk. http://www.donaukurier.de/nachrichten/wirtschaft/lokalewirtschaft/Weltrekordjagd-im-Kraftwerk;art1735,1821411 01.02.2008 20:33 Uhr

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[NORD 1] Seidler, c.: Kabelprojekt Nord.Link Die Nordsee-Stromautobahn kommt. Spiegel Online 21.06.2012

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[SCHW 1] Vorschau 2012 – Basiswissen-Dokumente, VSE Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen, 2012

[SOKO 1] Choudhury, N.: Gero Solarpark’s 28MW solar PV plant inaugurated in Germany. http://www.pv-tech.org/n ews/gero_solarparks_28mw_solar_pv_plant_inaugurated_in_germany. 10 May 2012, 14:59

[SOKO 2] 78 MW of the world’s largest solar photovoltaic plant connected to grid in Senftenberg, Germany. www.solarserver.com/solar-magazine/solar-news/top-solar-news.html 2011-09-28| Courtesy: saferay GmbH | solarserver.com

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[TENN 2] Schultz, S.: Die Regierung ist der große Blockierer – nicht wir. Interview mit Tennet-Deutschland-Chef Lex Hartmann. Spiegelonline 22.8.2012

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[VERT 1] Politik muss Netzausbau zügig vorantreiben. Pressemitteilung BDEW. 10. Juli 2012

[VERT 2] ROUNDUP: Stadtwerke: 6,7 Milliarden Euro für Energiewende. Dpa-Meldung ISIN DE0007037129 DE000ENAG999 DE0005220008

[VERT 3] dena: Atomausstieg ist machbar. Artikel vom 18.4.2011. http://tuk-dresden.de/umwelt-a-energie/164-beitrag-umwelt-energie/360-deutsche-energie-agentur-energiewende-kostet

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