{"id":959,"date":"2010-05-03T12:39:46","date_gmt":"2010-05-03T12:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=959"},"modified":"2010-07-06T21:29:27","modified_gmt":"2010-07-06T21:29:27","slug":"naturama-aarau-eingangsreferat-zur-diskussion-wieviel-gegenwind-hat-windenergie-von-hans-christoph-binswanger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=959","title":{"rendered":"Naturama Aarau: Eingangsreferat zur Diskussion &#8222;Wieviel Gegenwind hat die Windenergie&#8220; von Hans Christoph Binswanger"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Windenergie Aargau <\/strong><\/h3>\n<p>Aarau, 27. April 2010<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung:<\/p>\n<p><span style=\"font-family: sans-serif; font-size: x-small;\"><a title=\"Hans-Christoph Binswanger\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Christoph_Binswanger\" target=\"_blank\">Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger<\/a><br \/>\nIW\u00d6-HSG<br \/>\nTigerbergstrasse 2<br \/>\nCH-9000 St. Gallen<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>In meinem einleitenden Referat m\u00f6chte ich einige generelle Bemerkungen machen zur F\u00f6rderung der erneuerbaren Energien in der Schweiz und einige spezielle Bemerkungen zur F\u00f6rderung der Windenergie in der Schweiz und im Kanton Aargau. Dabei gehe ich von den zwei offiziellen Zielen f\u00fcr die F\u00f6rderung der erneuerbaren Energien im Rahmen einer nachhaltigen Energiepolitik aus. Sie sollen<\/p>\n<ul>\n<li>erstens zur Minderung der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen im Interesse des Klimaschutzes beitragen, und<\/li>\n<li>zweitens die nicht-erneuerbaren und damit ersch\u00f6pflichen fossilen Energietr\u00e4ger im Interesse der langfristigen Sicherung der Energieversorgung soweit wie m\u00f6glich ersetzen bzw. erg\u00e4nzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beide Zielsetzungen werden zwar, wie Sie wissen, heute im Zusammenhang mit den Zweifeln an den IPCC-Reports, sowie mit dem Streit um den Zeitpunkt eines allf\u00e4lligen Oil-Peaks kontrovers diskutiert. Ich gehe auf diese Auseinandersetzung aber nicht ein, sondern nehme vielmehr an, dass diese zwei Zielsetzungen weiterhin ihre G\u00fcltigkeit behalten. Im folgenden geht es mir daher nur um die Frage, welchen Beitrag die erneuerbaren Energien und insbesondere die Windenergie in der Schweiz zur Erreichung der genannten Zielsetzungen leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Zuerst zum Ziel des Klimaschutzes. Hier ist zu unterscheiden zwischen dem Einsatz der erneuerbaren Energien im Heiz- und Verkehrsbereich einerseits und im Strombereich andererseits. Da in der Schweiz die fossilen Energietr\u00e4ger praktisch nur im Heiz- und Verkehrsbereich eingesetzt werden, liegt vor allem hier die grosse Chance f\u00fcr den Beitrag der erneuerbaren Energien zur Reduktion der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen. Anders verh\u00e4lt es sich im Strombereich. Der Strom wird in der Schweiz zum ganz \u00fcberwiegenden Teil durch Wasserkaft und Atomenergie bereitgestellt und ist damit bereits weitgehend CO<sub>2<\/sub>-frei. Nur beim Import von Strom k\u00f6nnen allenfalls die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen reduziert werden. Aber auch der Importstrom stammt zu einem wesentlichen Teil aus CO<sub>2<\/sub>-freien Energiequellen, n\u00e4mlich aus franz\u00f6sischen Atomkraftwerken und neuerdings auch aus deutschen Windkraftanlagen, die bei stossweisem Windanfall sogar gratis Strom in die Schweiz liefern. Insgesamt f\u00e4llt daher der Beitrag der erneuerbaren Energien zum Klimaschutz in der Schweiz im Strombereich &#8211; im Unterschied, ich betone es nochmals, zum Heiz- und Verkehrsbereich &#8211; kaum ins Gewicht. Es ist praktisch zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>Etwas anders verh\u00e4lt es sich, wenn man die erneuerbaren Energien unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Energieversorgung betrachtet. Auch wenn die Einsparung von Energie den Vorrang haben muss, k\u00f6nnen sie &#8211; auch im Strombereich &#8211; einen gewissen Beitrag leisten. Dabei gilt es aber zwischen den verschiedenen erneuerbaren Energien zu unterscheiden, denn die Unterschiede zwischen ihnen sind bez\u00fcglich der Kosten, des Potenzials und allf\u00e4lliger negativer \u00f6kologischer Seiteneffekte bedeutend. Im Vordergrund steht vor allem die verst\u00e4rkte Exploration der Geothermie. Eine gewisse Bedeutung kann auch noch der Ausbau der bereits bestehenden Wasserkraftwerke und der Bau von Kleinwasserkraftwerken haben. Allerdings ist wegen der notwendigen R\u00fccksicht auf den Schutz der Fischpopulationen und auf den Landschaftsschutz grosse Vorsicht geboten. Geringere Bedeutung hat die Gewinnung von Strom aus Biomasse, die nur aus biologischen Abf\u00e4llen bereit gestellt werden sollte und zudem effizienter im Heiz- und Verkehrsbereich als im Strombereich einzusetzen ist. Gr\u00f6sser ist das Potenzial der Photovoltaik, auch unter dem Vorbehalt des Ortsbild- und Landschaftsschutzes. Zwar sind die Produktionskosten heute noch zu hoch. Sie sind aber im Ganzen nicht h\u00f6her als in unseren Nachbarl\u00e4ndern und d\u00fcrften in absehbarer Zeit deutlich sinken.<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzungen gelten \u00fcbrigens auch f\u00fcr die M\u00f6glichkeit zum Ersatz von Atomenergie. Ihre Nutzung sollte meiner Ansicht nach mindestens l\u00e4ngerfristig vor allem wegen der Problematik der Endlagerung der atomaren Abf\u00e4lle auslaufen. Entscheidend ist jedoch die Energieeinsparung. Ohne eine radikale Einsparung kann auf Atomenergie nicht verzichtet werden.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Wie steht es nun mit der Windenergie? Ihre Produktionskosten sind zwar vorl\u00e4ufig niedriger als diejenigen der Photovoltaik, aber sie sind in der Schweiz wesentlich h\u00f6her als in dem uns umgebenden Ausland. Sie f\u00e4llt unregelm\u00e4ssig an. Ihr Potenzial ist gering. Die Schweiz ist ein Wasserland, kein Windland. In fr\u00fcheren Jahrhunderten wurden daher keine Windm\u00fchlen, sondern nur Wasserm\u00fchlen gebaut. Es gab meines Wissens fr\u00fcher nur eine einzige Windm\u00fchle &#8211; am Genfersee -, aber auch diese soll nicht funktioniert haben. Der Wind weht in der Schweiz zu unregelm\u00e4ssig und zu schwach. Ich kenne nur einen einzigen Standort in der Schweiz &#8211; in Collonges im Wallis &#8211; wo der Wind mit einer St\u00e4rke weht, die derjenigen an windh\u00f6ffigen Standorten um uns herum vergleichbar ist. Als ich einmal die dortigen Windkraftanlagen bei sch\u00f6nstem Wetter besucht habe, pfiff der Wind tats\u00e4chlich lautstark durch die Talenge. Allerdings standen die Anlagen still, sei es weil sie gerade in Reparatur waren, oder weil der Wind sogar zu stark wehte, denn bekanntlich d\u00fcrfen sich die Rotoren bei einer Windst\u00e4rke \u00fcber einer bestimmten Obergrenze hinaus nicht drehen, weil sie sonst besch\u00e4digt werden k\u00f6nnen. Sie werden daher, wenn diese Obergrenze erreicht ist, automatisch stillgelegt.<\/p>\n<p>Die grunds\u00e4tzlich ung\u00fcnstigen Windverh\u00e4ltnisse in der Schweiz werden manifest, wenn man die Einspeiseverg\u00fctung in der Schweiz und diejenige in Deutschland vergleicht. In Deutschland betr\u00e4gt sie heute 9,2 Euro-Cents pro kwh, also ca. 14 Rp.\/kwh. (In den anderen Nachbarl\u00e4ndern ist die Verg\u00fctung \u00e4hnlich hoch.). Die Verg\u00fctung von 14 Rp.-\u00a0 sie war sogar bis vor kurzem noch wesentlich tiefer &#8211; hat offensichtlich gen\u00fcgt, um die riesige Menge von WEA &#8211; es sind ca. 22&#8217;000 Anlagen -, die heute in Deutschland stehen, rentabel zu machen. In der Schweiz betr\u00e4gt die Einspeiseverg\u00fctung demgegen\u00fcber 20 Rp.\/kwh mit allf\u00e4lligen kleinen Abstrichen in der Zukunft, ist also um fast ein Drittel h\u00f6her. 14 Rp.\/kwh scheinen also v\u00f6llig ungen\u00fcgend zu sein, um den Bau von WEA bei uns attraktiv zu machen, obwohl sie in Deutschland noch eine respektable Gewinnmarge enthalten. Damit stellt sich die Frage, inwieweit eine F\u00f6rderung der Windenergie in der Schweiz \u00fcberhaupt sinnvoll ist. Ihre F\u00f6rderung widerspricht auf jeden Fall v\u00f6llig dem Prinzip der komparativen Kosten, wonach man nicht in jedem Land alles produzieren, sondern vielmehr die Produktion international auf die jeweils g\u00fcnstigsten Standorte verteilen soll. Dies ist \u00fcbrigens auch die Idee des Emissions-Tradings, des Handels mit Emissionsrechten. Er soll bewirken, dass man die Emission von CO<sub>2<\/sub> nicht wahllos \u00fcberall mindert, sondern vielmehr dort, wo es am G\u00fcnstigsten ist. Es ist nicht einzusehen, warum dies nicht auch als Maxime f\u00fcr die Windenergie gelten soll. Man produziert sie am G\u00fcnstigsten an den Meeresk\u00fcsten, wo starke Winde wehen, und nicht in einem Binnenland wie der Schweiz mit ihren schwachen Winden. Hier sind nicht nur die Kosten zu hoch, sondern auch das Potenzial ist zu gering. Selbst dann, wenn man alle nutzbaren Standorte, bei denen sich die Errichtung von WEA bei einer Einspeiseverg\u00fctung von 20Rp.\/kwh gerade noch lohnt, einbezieht, w\u00fcrde die Windenergie gem\u00e4ss Angaben des Bundesamtes f\u00fcr Energie bis 2030 nicht mehr als 600 Gwh produzieren, also nicht einmal 1% von 68&#8217;000 Gwh. Das ist die Landeserzeugung von Strom in der Schweiz im Jahr 2009. Zwar wird von der Windenergie-Lobby behauptet, die Windenergie k\u00f6nne bis 2050 6-7% der Landeserzeugung liefern. Dies ist aber sicher eine Phantasiezahl. In der gerade erschienenen Sonderbeilage der NZZ &#8222;Brennpunkt Energie&#8220; heisst es zu den Prophezeiungen \u00fcber Energiepotentiale: &#8222;Gute von falschen Propheten zu unterscheiden, ist schwierig. Misstrauen ist angebracht bei denen, die nur die Produkte ihrer eigenen Branche f\u00fcr das Abwenden der Energiekrise anpreisen.&#8220; Es ist nicht einzusehen, wie man vom Jahr 2030 auf das Jahr 2050 die Windenergie-Erzeugung, \u00a0auch wenn man eventuelle Effizienzverbesserungen unterstellt, auf das Siebenfache steigern kann, zumal zweifellos die relativ besten Standorte schon bis 2030 verbaut sein werden &#8211; wenn es \u00fcberhaupt zu der an sich schon enormen Erh\u00f6hung der Windenergieerzeugung von heute 27 Gwh auf 600 Gwh, also von heute kaum 0,05% auf ca. 1% kommt. Im Konzept Windenergie Schweiz aus dem Jahr 2004 war \u00fcbrigens nur von 50 &#8211; 100 Gwh als Potenzial f\u00fcr die Windenergieerzeugung in der Schweiz die Rede.<\/p>\n<p>Eine besondere Krux der Windenergie sind ihre negativen Seiteneffekte im \u00f6kologischen Bereich. Sie werden im Kommentar zum Richtplan des Kantons Aargau aufgez\u00e4hlt. Es handelt sich &#8211; ich zitiere &#8211; um die L\u00e4rmimmissionen und den Schattenwurf der WEA, die zu St\u00f6rungen des Wohlbefindens der Bev\u00f6lkerung f\u00fchren, sowie um die Verdr\u00e4ngung weiterer Anspr\u00fcche an den Raum, n\u00e4mlich Anspr\u00fcche f\u00fcr die Sicherung des Grundwassers, f\u00fcr die Landwirtschaft, f\u00fcr die Flugsicherheit, f\u00fcr die Freizeitnutzungen usw. sowie um die Beeintr\u00e4chtigung von sch\u00fctzenswerten Fauna-Lebensr\u00e4umen (V\u00f6gel und Flederm\u00e4use). Gerade zu diesem Punkt ist im letzten Rundbrief der Schweizerischen Vogelwarte und des Schweizer Vogelschutzes (SVS) ein spezieller Artikel erschienen, in dem es heisst: &#8222;Vogelwarte und SVS erwarten von den Beh\u00f6rden, dass auf das Erstellen von Windparks in konflikttr\u00e4chtigen und sensiblen Gebieten verzichtet wird. Die Biodiversit\u00e4t darf nicht den hohen Preis f\u00fcr den kleinen Beitrag zu unserer gesamten Energieversorgung zahlen.&#8220;<\/p>\n<p>Im Vordergrund der negativen Seiteneffekte steht aber die Beeintr\u00e4chtigung von Natur und Landschaft sowohl durch die WEA selbst wie durch die dazugeh\u00f6rende Infrastruktur (\u00dcbertragungsleitungen, Erschliessung, Bauplatz, usw.). Diese Beeintr\u00e4chtigung ist in der Schweiz besonders ausgepr\u00e4gt, weil in unserem Land die WEA, um \u00fcberhaupt etwas Wind auffangen zu k\u00f6nnen, vor allem auf die H\u00fcgel des Jura und der Voralpen gestellt werden m\u00fcssen, und deshalb von weither sichtbar sind. Sie beeintr\u00e4chtigen daher das Landschaftsbild in noch wesentlich h\u00f6herem Ausmass als die WEA in Deutschland, wo sie zu einem grossen Teil auf ebenen Fl\u00e4chen errichtet werden k\u00f6nnen. Die Beeinflussung des Landschaftsbildes k\u00f6nne allerdings &#8211; so heisst es im Aargauer Kommentar &#8211; je nach subjektivem Empfinden als Beeintr\u00e4chtigung oder als Bereicherung empfunden werden. Sie scheint daher nur eine Geschmacksache zu sein. Dies kann man aber so nicht gelten lassen. Es ist zwar verst\u00e4ndlich, dass Windenergie-Fans \u00fcber jede WEA, die sie erblicken, begeistert sind. Aber dass das Landschaftsbild durch die Windt\u00fcrme beeintr\u00e4chtigt wird, ist evident. Die WEA sind technische Konstrukte, Maschinen, die sich vor die Natur stellen und zudem, wenn die Rotoren drehen, das Auge auf sich und von der Landschaft abziehen. Einzelne mittelhohe Anlagen k\u00f6nnen zwar geeignete Akzente in die Landschaft setzen. Eine Massierung von Anlagen, aber auch einzelne hohe Windenergiet\u00fcrme, zerst\u00f6ren jedoch das Landschaftsbild grundlegend. In der &#8222;Empfehlung zur Planung von Windenergieanlagen&#8220; des Bundesamts f\u00fcr Energie wird daher richtigerweise gerade dem Schutz der Landschaft besondere Bedeutung beigemessen. Es heisst dort ausdr\u00fccklich unter Punkt 1.6: &#8222;Die Nutzung der Windenergie und der Landschaftsschutz stehen \u2026 oft in Konflikt zueinander.&#8220; Unter dem Punkt 4.1 ist zudem die Rede von der &#8222;Sch\u00f6nheit und Empfindlichkeit der betroffenen Landschaft sowie der sch\u00fctzenswerten Natur- und Kulturwerke.&#8220; Die Bedeutung der Erhaltung der f\u00fcr unser Land charakteristischen Kulturlandschaft m\u00f6chte ich mit einem Hinweis auf das Buch &#8222;Die ausgewechselte Landschaft&#8220; vom K.C. Ewald unterstreichen, das im j\u00fcngsten Informationsblatt der Eidgen\u00f6ssischen Forschungsanstalt WSL sehr positiv besprochen worden ist. Hier ist die Rede von den vielfachen Verfehlungen und Vers\u00e4umnissen &#8211; Ewald spricht sogar von Verbrechen &#8211; an der schweizerischen Kulturlandschaft in verschiedenen Dimensionen. Umso dringlicher stellt sich die Frage, ob bzw. inwieweit diesen noch die Dimension &#8222;Windenergie&#8220; hinzugef\u00fcgt werden darf.<\/p>\n<p>Den negativen Effekten der Windenergie in der Schweiz steht als positiver Effekt eigentlich nur der Symbolwert der Windenergie gegen\u00fcber, der sich vor allem daraus ergibt, dass es die einzige erneuerbare Energie ist, die sich gut fotografieren l\u00e4sst. Daher wird fast \u00fcberall, wo von erneuerbaren Energien die Rede ist, zur Illustration ein Bild mit Windkraftanlagen hinzu gestellt. In der bereits erw\u00e4hnten &#8222;Empfehlung&#8220; des Bundesamtes f\u00fcr Energie wird der Symbolwert der WEA pr\u00e4zisiert. Es heisst unter Punkt 3.2: Windenergieprojekte k\u00f6nnten an geeigneten Standorten &#8222;die Gelegenheit geben, eine neue regionale Identit\u00e4t zu definieren. Zudem machen Windenergieanlagen die nat\u00fcrliche Energieform Wind und deren Nutzung zur Stromproduktion sichtbar und k\u00f6nnen somit generelle \u00dcberlegungen zur Nachhaltigkeit der Energieproduktion anregen.&#8220; Damit d\u00fcrfte &#8211; es liegt nahe, dies zu vermuten &#8211; vor allem die Windparks auf dem Mont Crosin\/Mont Soleil gemeint sein. Lassen wir dies gelten!<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Welches Fazit ist nun aus all diesen \u00dcberlegungen f\u00fcr die kantonale Planung von Windenergie zu ziehen? Ich meine: Angesichts der praktischen Bedeutungslosigkeit der Windenergie f\u00fcr die Erreichung der beiden Ziele einer nachhaltigen Energiepolitik, der Minderung der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und der Sicherung der Energieversorgung \u00a0&#8211; aber auch f\u00fcr einen allf\u00e4lligen Ersatz von Atomenergie wegen ihrer nur sporadischen Stromlieferung &#8211; ist in der Schweiz den Nutzungsinteressen nur eine untergeordnete Bedeutung beizumessen. Umso h\u00f6her m\u00fcssen die Schutzinteressen gewichtet werden. Dies sollte auch in der kantonalen Planung zur Geltung kommen. Dabei ist hervorzuheben, dass in der &#8222;Empfehlung&#8220; des Bundesamtes f\u00fcr Energie &#8211; ich beziehe mich auf Punkt 4.2.1. &#8211; den Kantonen ein relativ grosser Spielraum gelassen wird, nicht nur f\u00fcr die kantonalen Gesetzgebung, sondern auch &#8211; wie es in der endg\u00fcltigen Fassung der &#8222;Empfehlung&#8220; ausdr\u00fccklich heisst &#8211; &#8222;f\u00fcr die kantonale Planung&#8220;.<\/p>\n<p>Ich schlage f\u00fcr den Kanton Aargau vor: Erstens sollten <strong>alle<\/strong> Ausschlussgebiete, also alle Gebiete, wo der Bau von WEA im Prinzip ausgeschlossen ist, <strong>ohne<\/strong> Ausnahmen f\u00fcr den Bau von WEA tabu sein. Entscheidend ist ausserdem, dass in die \u00a0kantonale Planung nicht nur alle in der &#8222;Empfehlung&#8220; des Bundesamtes f\u00fcr Energie genannten Kriterien f\u00fcr den Ausschluss aufgenommen werden, sondern weitere Kriterien, die in der &#8222;Empfehlung&#8220; nur als Vorbehaltskriterien genannt sind, so insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li>kantonale Biotopinventare und Schutzgebiete<\/li>\n<li>Schutzgebiete und Objekte von regionaler und lokaler Bedeutung<\/li>\n<li>pr\u00e4gende Landschaftsbereiche und -elemente (z.B. gut sichtbare Kreten)<\/li>\n<li>regionale Naturp\u00e4rke<\/li>\n<li>Gebiete mit Konzentration von ziehenden, rastenden und n\u00e4chtigenden V\u00f6geln (Zugkorridore, Zugvogelkonzentration, Rast- und Ruhepl\u00e4tze)<\/li>\n<li>L\u00e4rmemissionen auf bewohnte Gebiete, wobei, wie ich hinzuf\u00fcgen m\u00f6chte, der L\u00e4rm der Rotoren \u00fcber 1 km Entfernung st\u00f6rend sein kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das heisst: Alle Standorte, f\u00fcr die diese Kriterien massgebend sind, sollten <strong>zus\u00e4tzlich <\/strong>als Ausschlussgebiete gelten.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die vielfach geforderte Vereinfachung des Bewilligungsverfahrens nicht nur dadurch realisiert werden kann, dass der eine oder andere bisher vorgesehene Zwischenschritt ausgelassen und so die Bewilligung erleichtert wird, sondern auch, dass von vornherein klargestellt wird, wo eine Bewilligung <strong>nicht<\/strong> in Frage kommt, und so potentzielle Gesuchsteller gar nicht veranlasst werden, sich auf ein langwieriges Verfahren einzulassen.<\/p>\n<p>Zweitens sollte unterschieden werden zwischen Standorten, auf denen sich die Installierung von WEA auch bei einer Einspeiseverg\u00fctung lohnt, wie sie in Deutschland &#8211; und \u00e4hnlich in den \u00fcbrigen Nachbarl\u00e4ndern &#8211; gilt, n\u00e4mlich bei 14 Rp.\/kwh, und den Standorten, auf denen bei dieser Einspeiseverg\u00fctung wegen der geringeren Windst\u00e4rke in der Schweiz gar keine WEA gebaut w\u00fcrden. Die 14 Rp.-Grenze d\u00fcrfte meiner Sch\u00e4tzung nach bei 6 m\/sek auf 50 m \u00fcber Grund liegen. Ich st\u00fctze mich dabei auf die Berechnung des Referenzertrags in den deutschen &#8222;Technischen Richtlinien f\u00fcr Windenergieanlagen&#8220;, die sich auf dem Beispiel einer WEA beziehen, deren Nabenh\u00f6he 52 m betr\u00e4gt und sich auf einem Referenzstandort befindet, wo die mittlere Jahresgeschwindigkeit 6,03 m\/sek. f\u00fcr die WEA gemessen wurden. Ich postuliere darum, dass im Aargau f\u00fcr alle Standorte mit einer geringeren Windgeschwindigkeit als 6m\/sek auf 50 m \u00fcber Grund die Schutzinteressen, soweit sie nicht schon zum generellen Ausschluss von WEA gef\u00fchrt haben, ein st\u00e4rkeres Gewicht erhalten, indem nicht der Schutzwert, sondern das Nicht-Vorhandensein eines Schutzwerts belegt werden muss, damit eine Bewilligung erteilt wird. Nur in den Standorten mit einer Windst\u00e4rke von 6 m\/sek. und mehr auf 50 m \u00fcber Grund w\u00e4ren Schutz- und Nutzungsinteressen zun\u00e4chst als gleichwertig zu betrachten. Damit dieser Unterscheidung Rechnung getragen werden kann, schlage ich vor, \u00a0im Aargau eine zus\u00e4tzliche Karte der Windpotenzialgebiete zu erstellen, in der die Standorte mit einer Windst\u00e4rke von \u00a06 m\/sek. und mehr auf 50 m \u00fcber Grund ausgewiesen sind.<\/p>\n<p>Bei dieser Gelegenheit m\u00f6chte ich auf das Verwirrspiel aufmerksam machen, das mit den Angabe \u00fcber die Windst\u00e4rke auf verschiedenen H\u00f6hen \u00fcber Grund getrieben wird. Diese Angabe ist von grosser Bedeutung, denn bekanntlich nimmt die Windst\u00e4rke und mit der Windst\u00e4rke die Potenz des Windes mit der H\u00f6he \u00fcber Grund stark zu. Urspr\u00fcnglich hat man die Windst\u00e4rke auf einer H\u00f6he von 10 m \u00fcber Grund gemessen. In der &#8222;Empfehlung&#8220; des Bundesamtes f\u00fcr Energie werden im Entwurf vom August 2009 die Gebiete mit den unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten auf 70 m \u00fcber Grund, in der endg\u00fcltigen Fassung die Gebiete mit den Windgeschwindigkeiten von 100 m \u00fcber Grund ausgewiesen. Der Aargauer Richtplan stellt ab auf die Windst\u00e4rke auf 50 m \u00fcber Grund. Dies muss beachtet werden!<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>Die Planung der Windenergie ist f\u00fcr die vielgestaltige schweizerische Landschaft und grossen Bev\u00f6lkerungsdichte von gr\u00f6sster Bedeutung, noch wesentlich gr\u00f6sser als f\u00fcr andere L\u00e4nder, auch gr\u00f6sser als f\u00fcr unsere Nachbarl\u00e4nder, welche noch \u00fcber umfassendere Freir\u00e4ume verf\u00fcgen. Sie muss daher in der Schweiz mit noch gr\u00f6sserer Sorgfalt &#8211; und das bedeutet auch in einem restriktiveren Sinne &#8211; vorgenommen werden. Die Einsicht in die physische und damit auch \u00f6konomische Ineffizienz der Windenergie in unserem Land sollte dies erleichtern.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass ich mit meinen Ausf\u00fchrungen nun gen\u00fcgend Stoff zur Diskussion geliefert habe und m\u00f6chte daher jetzt den Diskutanten das Wort \u00fcberlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Windenergie Aargau Aarau, 27. 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