{"id":700,"date":"2010-03-12T17:05:08","date_gmt":"2010-03-12T17:05:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=700"},"modified":"2010-07-06T21:33:59","modified_gmt":"2010-07-06T21:33:59","slug":"der-besuch-der-alten-dame-adev-in-saint-brais","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=700","title":{"rendered":"Der Besuch der alten Dame ADEV in Saint-Brais"},"content":{"rendered":"<p><em>17.12.2009 &#8211; Le Temps, \u00dcbersetzung ins Deutsche durch Christof Merkli, 12. M\u00e4rz 2010<\/em><\/p>\n<h3>Der Wind f\u00fcttert die Gemeinde und den Groll<\/h3>\n<p>ST. BRAIS &#8211; Zwei Windkraftanlagen wurden am Rand des Dorfes St.Brais gebaut. Die Gemeinde kassiert daf\u00fcr Geld, aber einige Anwohner beschweren sich.<\/p>\n<p>Am Eingang zu den Freibergen, im Norden der Schweiz. Nachdem man 500 bis 1000 H\u00f6henmeter \u00fcberwunden hat, f\u00fchrt der Weg durch eine Felspforte. Auf der anderen Seite \u00fcber den B\u00e4umen erscheinen auf einer Anh\u00f6he zwei riesige Maschinen mit Rotoren, das Dorf Saint-Brais dominierend. \u00abDas erste Mal, wenn man sie sieht, ist das schon ein eindr\u00fcckliches Erlebnis\u00bb Sagt der Maire, Fr\u00e9dy Froidevaux.<\/p>\n<p>Im Oktober 2009 wurden durch die ADEV aus Liestal zwei Windkraftwerke in Betrieb genommen. Die Turbinen verf\u00fcgen \u00fcber eine Leistung von je 2 Megawatt und einem Rotordurchmesser von \u00fcber 80 Metern.\u00a0 \u00abUnd einer Gesamth\u00f6he von 119 Metern\u00bb, pr\u00e4zisiert der Maire. \u00abWir haben auf einer Weide gebaut, durch die der Wind fegt und wo der Wald nicht mehr st\u00f6rt\u00bb. Die erste Windkraftanlage steht 300 Meter vom Dorf entfernt, die Zweite gerade dahinter.<\/p>\n<p>\u00abDiese Monster sind ein h\u00e4sslicher Schandfleck in der Landschaft und erzeugen einen unertr\u00e4glichen L\u00e4rm\u00bb, erz\u00e4hlt Pascale Hoffmeyer Queloz, die in Saint-Brais wohnt, eine Gemeinde mit 220 Einwohnern wovon etwa 100 auf abgelegenen H\u00f6fen leben. W\u00e4hrend sie gut akzeptiert auf den Kreten des Mont Crosin im Berner Jura stehen, wo sie sich eher diskret zwischen B\u00e4umen und isolierten H\u00f6fen verstecken, erzeugen die Windkraftanlagen von Saint-Brais eine breite Debatte.<\/p>\n<p>Nach achtj\u00e4hriger Planungszeit sind sie endlich am 31 Oktober 2009 in Betrieb genommen worden. \u00abEs war die H\u00f6lle am Wochenende von Allerheiligen\u00bb, sagt Fr\u00e9dy Froidevaux ironisch. Ein Krach \u00abvergleichbar mit dem L\u00e4rm eines Flugzeuges in der Anflugsschneise eines Flughafens, hier allerdings kontinuierlich\u00bb, best\u00e4tigt Pascale Hoffmeyer. \u00abDas ist abh\u00e4ngig davon, woher der Wind weht und wie die Windr\u00e4der ausgerichtet sind\u00bb, erkl\u00e4rt Sandrine Girardin, Finanzverwalterin der Gemeinde. \u00abDer Wind von S\u00fcdwest macht Probleme\u00bb. \u00abWir haben gewusst, dass man die Regelung noch optimieren muss\u00bb, best\u00e4tigt auch der Maire. \u00abDie Mehrheit der Einwohner wissen das und tragen ihr Schicksal mit Geduld. Die Situation hat sich verbessert. Wenn man die Ohren spitzt, h\u00f6rt man das Fl\u00fcstern der Windr\u00e4der. Aber in der Praxis st\u00f6rt mich das nicht. Ich bin derjenige, der den Windr\u00e4dern am n\u00e4chsten wohnt\u00bb.<\/p>\n<p>Um das Dorf zu bes\u00e4nftigen, wurde die Drehzahl der Propeller durch die Nacht ein Drittel reduziert. \u00abDas \u00e4ndert nichts, der L\u00e4rm bleibt stechend\u00bb, sagt Pascale Hoffmeyer dazu. Wir wohnen in Saint-Brais, weil wir die Natur und die Stille hier sch\u00e4tzen\u00bb. Hier n\u00e4hert man sich den akustischen Unbilden des Dorfes. \u00abWir werden nie mehr zur urspr\u00fcnglichen Ruhe zur\u00fcckfinden.\u00bb Sie verlangt die Demontage der Turbinen. \u00abWir haben f\u00fcr dreissig Jahre unterschrieben\u00bb, antwortet der Maire.<\/p>\n<h3>\u00abGrosser \u00f6kologischer Betrug\u00bb<\/h3>\n<p>Mit zwei weiteren Familien \u00abWiderst\u00e4ndler f\u00fcr die privaten Interessen\u00bb, gem\u00e4ss dem Maire, bezeichnent Pascale Hoffmeyer Queloz das Ganze als \u00abGrossen \u00f6kologischen Betrug\u00bb. \u00abWenn diese Windr\u00e4der den Energiekonsum der Gemeinde und der Region abdecken w\u00fcrden, w\u00e4re das besser zu akzeptieren. Aber man hat diese Monster bei uns hingepflanzt um den Genfern und Z\u00fcrchern ein gutes Gewissen zu erm\u00f6glichen. Wir d\u00fcrfen unseren Energiebedarf nicht mit einer solchen Umweltverschmutzung erzeugen. Es ist viel Geld im Spiel aber zu wenig Diskussion um die dadurch erzeugten Probleme.\u00bb<\/p>\n<p>Der Rest der Bev\u00f6lkerung scheint weniger kritisch zu sein. Das ist wohl deshalb, weil die Rotoren momentan im Leerlauf drehen. Ohne L\u00e4rm. \u00abMein Keramikatelier ist 300 Meter entfernt, das raubt mir den Schlaf nicht\u00bb, sagt Alfred Messerli. \u00abUnsere Landschaft ver\u00e4ndert sich. Das ist nun mal so. Man muss mit der Zeit gehen und die Nachteile der Konsumgesellschaft akzeptieren\u00bb, erg\u00e4nzt ein Bauer.<\/p>\n<p>F\u00fcr Saint-Brais, das nur \u00fcber eine Dreherei und keine Beiz mehr verf\u00fcgt, deren Poststelle in Gefahr ist, abgebaut zu werden und die Bauzonen f\u00fcr 5 Franken den Quadratmeter anbietet, sind die Windr\u00e4der eine gute Sache.<\/p>\n<h3>Die Kompensation daf\u00fcr<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend mehreren Jahren kassiert die Gemeinde j\u00e4hrlich 5&#8217;000 Franken pro Windkraftanlage und Jahr und liefert 2% des Stromverbrauchs von Z\u00fcrich. \u00abMan sch\u00e4tzt dieses Einkommen von 40&#8217;000 Franken\u00bb, stellt der Maire fest. Dies entspricht dem operativen Defizit der Gemeinde. Die drei Landwirte, deren Rinder auf den Wiesen der Windm\u00fchlen grasen, erhalten 1&#8217;500 Franken pro Jahr. \u00abDas ist weit unter dem Betrag, den wir f\u00fcr neue Projekte zugesagt haben\u00bb, stellt Sandrine Girardin fest. Die ADEV hat der Gemeinde Saint-Brais zus\u00e4tzlich 20&#8217;000 Franken an die Abfallentsorgung und die Einz\u00e4unung der Weidefl\u00e4che bezahlt. Hat man sich bestechen lassen? \u00abAbsolut nicht\u00bb, erwidert der Maire. Das erm\u00f6glicht uns zu investieren.\u00bb<\/p>\n<p>Er sieht vor noch weitere zwei bis drei Windkraftanlagen zu bauen. In einem anderen Abschnitt der Gemeinde.\u00a0 \u00abWir hatten sieben Angebote f\u00fcr den Bau und wir haben SIG (Services industriels de Gen\u00e8ve) gew\u00e4hlt\u00bb, pr\u00e4zisiert Fr\u00e9dy Froidevaux.<\/p>\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt der Kontroverse um die Bel\u00e4stigung hat die Gemeindeversammlung das Projekt mit 21 Stimmen gegen 13 angenommen. Der Maire rechnet mit der Realisierung bis 2012. \u00abFinanziell wird es das Doppelte bringen\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" width=\"425\" height=\"344\" codebase=\"http:\/\/download.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=6,0,40,0\"><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\" \/><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"always\" \/><param name=\"src\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/K3uIFAbJn94&amp;rel=0&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xcfcfcf&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1\" \/><param name=\"allowfullscreen\" value=\"true\" \/><embed type=\"application\/x-shockwave-flash\" width=\"425\" height=\"344\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/K3uIFAbJn94&amp;rel=0&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xcfcfcf&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\"><\/embed><\/object><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.12.2009 &#8211; Le Temps, \u00dcbersetzung ins Deutsche durch Christof Merkli, 12. 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