{"id":5187,"date":"2016-07-14T15:53:24","date_gmt":"2016-07-14T15:53:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=5187"},"modified":"2016-07-14T16:06:20","modified_gmt":"2016-07-14T16:06:20","slug":"der-osten-europas-setzt-auf-kernkraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=5187","title":{"rendered":"Der Osten Europas setzt auf Kernkraft"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Kernenergie-Technologie: Russland h\u00e4ngt den Westen ab<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Deutschland ist mit einer Regierung gesegnet, die dem dubiosen Ziel einer \u201eRettung des Klimas\u201c weit h\u00f6heren Wert beimisst als dem Wohlergehen der eigenen Bev\u00f6lkerung. Dies manifestiert sich in EEG und \u201eKlimaschutzplan 2050\u201c, in der begonnenen Vernichtung der Automobilindustrie und der Vertreibung energieintensiver Industrien au\u00dfer Landes. Dem Ziel der \u201eDekarbonisierung\u201c der Gesellschaft wird alles andere untergeordnet. Gleichzeitig wird die Kernkraft als einzige zuverl\u00e4ssig funktionierende CO<sub>2<\/sub>-arme Stromerzeugungstechnologie nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch in europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern mit aller Macht bek\u00e4mpft. Die Situation und den dadurch angerichteten Schaden analysiert die Historikerin Dr. Anna Veronika Wendland vom Herder-Institut in Marburg in einem hervorragend geschriebenen Beitrag in der FAZ vom 7. Juli [FAZ]. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihrem unter dem Titel \u201eAtomenergie in Osteuropa Nicht ohne mein Kernkraftwerk\u201c erschienenen Artikel beweist die Historikerin umfassende technische Kenntnisse beim Vergleich des Standes der Kernkrafttechnologie in Russland und im Westen. Mit der im Mai erfolgten Inbetriebnahme des VVER-1200\/392M im russischen Kernkraftwerk Nowoworonesch II sei erstmals in Europa ein Druckwasserreaktor der sogenannten Generation III+ in Betrieb genommen worden, dessen Sicherheitscharakteristika die der Anlagen im westlichen Teil des Kontinents \u00fcbertreffen \u2013 auch die der deutschen. Merkmal dieser Reaktorgeneration der russischen Familie \u201eAES-2006\u201c seien neben ihrer h\u00f6heren Wirtschaftlichkeit vor allem die Sicherheitssysteme, die den neuesten EU-Anforderungen f\u00fcr Neuanlagen entsprechen m\u00fcssen. Diese sind so ausgelegt, dass sie auch im \u201eFukushima-Fall\u201c &#8211; dem Totalausfall jeglicher internen wie externen Stromversorgung &#8211; eine sichere Abfuhr der Nachzerfallsw\u00e4rme aus einem Kernreaktor gew\u00e4hrleisten sollen. Hierbei kommen passive Systeme zum Einsatz, die ohne elektrisch betriebene Komponenten arbeiten. Dazu wird der im Dampferzeuger entstehende Dampf nicht im \u00fcblichen Wasser-Dampf-Kreislauf kondensiert und mittels Kondensat- und Speisewasserpumpen wieder in den Dampferzeuger zur\u00fcckbef\u00f6rdert, sondern \u00fcber ein au\u00dfenluftgek\u00fchltes System kondensiert, und das Kondensat wird per Naturumlauf, ohne \u201eaktive\u201c Pumpen, wieder dem Dampferzeuger zugef\u00fchrt. Damit entspricht die Sicherheitsstufe des russischen Systems dem des franz\u00f6sisch-deutschen EPR-Reaktors und ist den aktuell in Deutschland laufenden Vorkonvoi- und Konvoi-Anlagen von Siemens-KWU weit voraus. Allerdings ist der europ\u00e4ische EPR noch l\u00e4ngst nicht in Betrieb, weil die EPR-Projekte in Frankreich, Finnland und China unter gro\u00dfen Anlaufschwierigkeiten durch Kostenexplosionen, Skandale, Rechtsstreitigkeiten und Bauverz\u00f6gerungen leiden, w\u00e4hrend der russische Reaktor bereits l\u00e4uft [ROSA]. Dr. Wendland hebt insbesondere die Effizienz in der Umsetzung hervor: Die russischen Reaktorbauer wickelten ihre nuklearen Gro\u00dfprojekte wesentlich kosteng\u00fcnstiger und z\u00fcgiger ab als die Europ\u00e4er, aber auch als Amerikaner und Japaner. In Russland, China, Indien und demn\u00e4chst auch Finnland errichteten sie ihre Anlagen mit stoischer Routine und hoher Professionalit\u00e4t, scheinbar ohne durch die \u201eklassischen\u201c russischen Probleme \u2013 Korruption, darniederliegende Infrastruktur, Bildungsmisere, fehlende Rechtssicherheit \u2013 beeintr\u00e4chtigt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Geheimnis sei nicht nur die Erfahrung, sondern auch die besondere Organisationsform ihrer Staats-Kerntechnik, die L\u00f6sungen aus einer Hand anbiete und keine komplexen Subunternehmensgeflechte an den Baustellen kenne. Gerade Auftraggeber aus Schwellenl\u00e4ndern, die auf das Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis schauen, bevorzugten daher russische Anlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5188\" src=\"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/mue-1.png\" alt=\"mue-1\" width=\"757\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/mue-1.png 757w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/mue-1-150x99.png 150w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/mue-1-300x198.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 757px) 100vw, 757px\" \/>Grafische Darstellung des modernen russischen Kernkraftwerks der Generation 3+ in Nowoworonesch (<a href=\"http:\/\/www.rosenergoatom.ru\/wps\/wcm\/connect\/rosenergoatom_copy\/site_en\/\">http:\/\/www.rosenergoatom.ru\/wps\/wcm\/connect\/rosenergoatom_copy\/site_en\/<\/a> ) Original uploader was <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/User:TZV\">TZV<\/a> at <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/\">de.wikipedia<\/a>)<\/em><\/p>\n<h3><strong>Historischer Wechsel der Technologief\u00fchrerschaft<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland, so Dr. Wendland, habe mit der Aufgabe seiner fr\u00fcheren Spitzenposition im kerntechnischen Anlagenbau einen gro\u00dfen Fehler insbesondere mit Blick auf Osteuropa begangen. Dort staune man \u00fcber die deutsche Selbstdemontage, habe man deutsche Kernkraftwerke dort doch lange als Goldstandard f\u00fcr kerntechnische Sicherheit angesehen. Vor drei Jahrzehnten, als die damals noch sowjetische zivile Kerntechnik in Tschernobyl in Tr\u00fcmmern lag, h\u00e4tte niemand die Vorhersage gewagt, dass sich Osteurop\u00e4er einmal an die Spitze der Entwicklung setzen w\u00fcrden. Doch w\u00e4hrend Tschernobyl und Fukushima in Deutschland einen Stimmungsumschwung gegen Kernkraft bewirkten, habe man in Russland, der Ukraine und den L\u00e4nder Ostmitteleuropas die Atomangst \u00fcberwunden und die Krise als Chance genutzt. Weder in der Ukraine noch in Russland, weder in Tschechien, Polen, der Slowakei oder Ungarn gebe es starke Anti-Atom-Bewegungen. Dabei habe man in den nichtrussischen L\u00e4ndern Osteuropas aufgrund der sich versch\u00e4rfenden politischen Differenzen teilweise L\u00f6sungen gefunden, die sowohl auf russischer als auch auf westlicher Technologie beruhten.<\/p>\n<h3>Die Bundesregierung \u201efordert in harschem Ton Gefolgschaft\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenig Gegenliebe findet die deutsche Energiepolitik nach Erkenntnissen von Dr. Wendland auch wegen ihrer Intoleranz und dem damit gepaarten Machtanspruch. Trotz unterschiedlicher Motive und politischer Pr\u00e4ferenzen \u2013 Polen und die Ukraine setzten auf westliche Partner, Tschechen und Ungarn auf russische \u2013 seien sich die \u00f6stlichen Nachbarn in ihrem Unmut \u00fcber den deutschen Energiewende-Alleingang einig. In Windspitzenzeiten destabilisiere nicht gebrauchter deutscher Strom die Netze in Polen und Tschechien. Die Ostmitteleurop\u00e4er unterst\u00fctzten EU-Initiativen zu innovativer Kernforschung, w\u00e4hrend Berlin dieselben als \u201er\u00fcckw\u00e4rtsgewandt\u201c abkanzele und in Br\u00fcssel sogar Druck mache, um sie zu stoppen. Deutschland fordere in harschem Ton Gefolgschaft, zuletzt mit einem Einmischungsversuch in Belange der belgischen Atomaufsicht. Die \u00f6stlichen Nachbarn reagierten darauf zunehmend ver\u00e4rgert und stellten die Frage, warum\u00a0 Berlin europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t f\u00fcr seine stockende Energiewende einfordere, wenn es sich bei der entsprechenden Beschlussfassung nicht mit seinen Nachbarn beraten habe? Auch missfalle den Osteurop\u00e4ern der \u201emoralische Imperialismus\u201c in den deutschen Aussagen. So handele man ohne Konsultation Polens eine f\u00fcr die Sicherheit Europas sensible russisch-deutsche Gastrasse aus, weil dies dem Frieden und der Entwicklungspartnerschaft diene. Man tadele die Polen, Tschechen und Ungarn f\u00fcr ihre Kernenergiepl\u00e4ne und behaupte, diese Kritik erfolge im Interesse des \u00dcberlebens der Menschheit. So ert\u00f6nt in ganz Europa das Berliner Gerassel, und ungern h\u00f6rt man dies.<\/p>\n<h3>Hoffnung f\u00fcr Deutschland<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bemerkenswerte an diesem Beitrag von Dr. Wendland ist, dass er Hoffnung macht. Noch scheint es in Deutschland unabh\u00e4ngige und ernstzunehmende Wissenschaftler zu geben, die sowohl Sachkunde als auch den Mut mitbringen, dem gr\u00fcnen Mainstream nicht nach dem Mund zu reden. Wenn der \u201eDekarbonisierungs\u201c-Alptraum irgendwann hoffentlich vorbei ist, sollte man sich an solche Namen erinnern und daf\u00fcr sorgen, dass das ganze speichelleckende V\u00f6lkchen, das eine tonangebende Predigertochter als \u201eBerater\u201c der deutschen Regierung in Sachen Energie- und Klimapolitik in den verschiedensten Gremien wie Ethikkommission, Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen etc. pp. installiert hat, in die W\u00fcste geschickt und durch wirklich kompetente Leute ersetzt wird. Womit man gleichzeitig auch noch einen Beitrag dazu leisten k\u00f6nnte, das Verh\u00e4ltnis zu unserem gr\u00f6\u00dften Nachbarn im Osten zu entkrampfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russland hat jedenfalls durch die erfolgreiche Inbetriebnahme in Nowoworonesch seine Bedeutung als weltweit ernstzunehmende Techniknation best\u00e4tigt, auf die bereits Mitte Mai in einem Artikel bei EIKE hingewiesen wurde [MUEL]. Immerhin sind weltweit \u00fcber 570 Kernkraftwerke entweder im Bau, in der Planungsphase oder zumindest in der Diskussion, und mit diesem Erfolg hat es seine Chancen, an diesem Riesenmarkt zu partizipieren, deutlich verbessert.\u00a0<\/p>\n<p><em>Fred F. Mueller<\/em><\/p>\n<h3><strong>Quellen<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>[FAZ] http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/atomenergie-in-osteuropa-nicht-ohne-mein-kernkraftwerk-14311657.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2<\/li>\n<li>[MUEL] http:\/\/www.eike-klima-energie.eu\/news-cache\/fakten-die-man-nicht-ignorieren-sollte-russland-ein-kommender-globaler-energieriese\/<\/li>\n<li>[ROSA] http:\/\/wirtschaftsblatt.at\/home\/nachrichten\/europa_cee\/4981378\/AtomExport_Rosatom-sieht-sich-technologisch-an-der-Weltspitze<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kernenergie-Technologie: Russland h\u00e4ngt den Westen ab Deutschland ist mit einer Regierung gesegnet, die dem dubiosen Ziel einer \u201eRettung des Klimas\u201c weit h\u00f6heren Wert beimisst als dem Wohlergehen der eigenen Bev\u00f6lkerung. 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