{"id":4551,"date":"2013-11-03T10:51:46","date_gmt":"2013-11-03T10:51:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=4551"},"modified":"2014-04-30T14:55:29","modified_gmt":"2014-04-30T14:55:29","slug":"netze-am-limit-das-risiko-waechst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=4551","title":{"rendered":"Netze am Limit \u2013 das Risiko w\u00e4chst"},"content":{"rendered":"<h2>Mit jedem Windrad nehmen die Probleme zu<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4552 alignleft\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller2.gif\" alt=\"fredfmueller2\" width=\"290\" height=\"194\" \/>Die Aufgabe, ein elektrisches Versorgungsnetz stabil zu halten, \u00e4hnelt ein wenig derjenigen eines Jongleurs, der zahlreiche B\u00e4lle st\u00e4ndig in einem exakt definierten Rhythmus abfangen und wieder hochwerfen muss. Kommt er auch nur kurz aus dem Takt, so ger\u00e4t das dynamische Gleichgewicht des rotierenden Musters durcheinander. Schafft er es dann nicht, den gest\u00f6rten Takt innerhalb von Sekundenbruchteilen wiederherzustellen, so verliert er die Kontrolle \u00fcber den gesamten Vorgang und alle Kugeln fallen zu Boden. \u00c4hnlich anspruchsvoll ist auch die Aufgabe der Spezialisten in den Netzleitstellen, denn sie m\u00fcssen zahlreiche gro\u00dfe und kleine Stromversorger so koordinieren, dass in das Stromnetz immer exakt so viel Strom eingespeist wird, wie die Verbraucher daraus auch entnehmen. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schafft die Leitstelle dies nicht, so ger\u00e4t das Netz innerhalb von Sekundenbruchteilen aus dem Takt. Grundlage des Problems ist die Tatsache, dass unsere Stromversorgung mit Wechselstrom arbeitet. Jeder Erzeuger, der in ein Verbundnetz einspeist, muss dies nicht nur mit der exakt gleichen Frequenz tun wie alle anderen Generatoren, sondern auch mit genau synchronem Verlauf der positiven und negativen Halbwellen. Anders ausgedr\u00fcckt darf das eine Kraftwerk nicht gerade in dem Moment mit negativer Spannung einspeisen, wenn das andere gerade eine positive Spannung erzeugt, denn diese unterschiedlichen Polungen w\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass die Generatoren gegeneinander statt miteinander arbeiten w\u00fcrden, <b>Bild 1<\/b>. Statt gemeinsam Strom ins Netz zu liefern, w\u00fcrden sie sich gegenseitig innerhalb von wenigen Sekunden zerst\u00f6ren, weil die Wicklungen der Generatoren ausbrennen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4556\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller3.jpg\" alt=\"fredfmueller3\" width=\"218\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller3.jpg 605w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller3-140x150.jpg 140w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller3-280x300.jpg 280w\" sizes=\"auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><em>Bild 1.<\/em><\/b><em> W\u00fcrden zwei Generatoren mit derartiger Phasenverschiebung gleichzeitig ins Netz einspeisen, so w\u00fcrden sie sich gegenseitig besch\u00e4digen (Grafik: Saure, Wikipedia Creative Commons)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der wichtigsten Aufgaben der Netzleitstellen besteht daher darin, die Netzfrequenz zu \u00fcberwachen und innerhalb extrem enger Grenzen stabil zu halten, damit die mehr als eine Million Teilnehmer, die allein in das deutsche Verbundnetz einspeisen, stets synchron und mit exakt gleicher Phasenlage einspeisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Zusammenhang von Frequenz und Netzlast<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Netzfrequenz h\u00e4ngt wiederum direkt von Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch ab. Je h\u00f6her der Verbrauch, desto gr\u00f6\u00dfer ist auch das von der Turbine aufzubringende Drehmoment, damit der Generator seine exakt vorgeschriebene Drehzahl halten kann. Last\u00e4nderungen wirken sich daher sofort auf seine Drehzahl und damit auf die Frequenz des erzeugten Wechselstroms aus. Das Kraftwerk \u00fcberwacht deshalb die Frequenz und versucht, diese stabil zu halten, indem es mehr oder weniger Dampf auf die Turbine leitet. Im Verbundnetz muss dies stets von allen einspeisenden Generatoren synchron nachvollzogen werden, um das dynamische Gleichgewicht von Erzeugung, Verbrauch und Netzfrequenz innerhalb der f\u00fcr den stabilen Netzbetrieb erforderlichen Sicherheitsmargen zu halten. Voraussetzung hierf\u00fcr ist die F\u00e4higkeit der einspeisenden Kraftwerke, ihre Energieerzeugung bedarfsgerecht entweder zu steigern oder zu drosseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solar- und Windenergieanlagen k\u00f6nnen solche gezielten Leistungsanpassungen prinzipbedingt nicht in nutzbarem Umfang erbringen und sind daher au\u00dferstande, das Netz zu stabilisieren. Im Gegenteil, ihre nur von den Zuf\u00e4llen von Wind und Wetter abh\u00e4ngige Einspeisung, die von den Netzbetreibern aufgrund gesetzlicher Vorgaben zwangsl\u00e4ufig abgenommen werden muss, erschwert den restlichen Kraftwerken die sowieso schon anspruchsvolle Aufgabe, das Netz auch im Falle unvorhersehbarer St\u00f6rungen st\u00e4ndig im Gleichgewicht zu halten.<\/p>\n<h2>Reaktion auf Netzst\u00f6rungen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Netz treten unabl\u00e4ssig \u00c4nderungen der Belastung auf, die durch st\u00e4ndige Anpassung der Erzeugung aufgefangen werden m\u00fcssen. Viele dieser \u00c4nderungen sind mit einer gewissen Zuverl\u00e4ssigkeit vorhersehbar \u2013 beispielsweise das Einschalten zahlloser Fernseher p\u00fcnktlich zum Beginn eines Bundeligaspiels oder das morgendliche Duschen vor der Arbeit &#8211; und k\u00f6nnen daher in den Tagesfahrpl\u00e4nen der Kraftwerke ber\u00fccksichtigt werden. Andere Ereignisse sind jedoch nicht planbar, zum Beispiel Leitungsausf\u00e4lle, Trafo- oder Kraftwerksst\u00f6rungen oder Blitzeinschl\u00e4ge, die zu Kurzschl\u00fcssen und damit zu gr\u00f6\u00dferen Ausf\u00e4llen im Stromnetz f\u00fchren k\u00f6nnen. Erschwerend kommt hinzu, dass solche Ereignisse oft in Sekundenbruchteilen eintreten, viel schneller, als jeder Mensch reagieren k\u00f6nnte. Erste Sicherheitsreserve im Netz sind deshalb die riesigen Schwungr\u00e4der, als die in solchen F\u00e4llen die rotierenden Turbinen und Generatoren fungieren. In diesen rotierenden Massen (<b>Bild 2<\/b>) sind enorme Energiemengen gespeichert, die sofort zur Verf\u00fcgung steht. Gro\u00dfe Turbinen und Generatoren wiegen hunderte von Tonnen und rotieren mit hohen Drehzahlen, typischerweise 1500 oder 3000 Umdrehungen pro Minute.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-4558\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller4-1024x479.gif\" alt=\"fredfmueller4\" width=\"520\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller4-1024x479.gif 1024w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller4-150x70.gif 150w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller4-300x140.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><em>Bild 2.<\/em><\/b><em> Solche Wellen f\u00fcr Kraftwerke wiegen oft mehr als 100 Tonnen und rotieren mit bis zu 3000 Umdrehungen pro Minute. Sie speichern daher gro\u00dfe Energiemengen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist die darin gespeicherte, sofort ohne jede Verz\u00f6gerung verf\u00fcgbare Energie, welche in den ersten Sekunden einer gr\u00f6\u00dferen St\u00f6rung die Netzfrequenz und damit die Netzstabilit\u00e4t innerhalb der zul\u00e4ssigen Grenzen h\u00e4lt. Unmittelbar darauf reagieren die Dampfventile der f\u00fcr die Notversorgung herangezogenen Kraftwerke und sorgen beispielsweise daf\u00fcr, dass mehr Dampf auf die Turbine geleitet wird. Damit wird die zweite Verteidigungslinie der Netzstabilisierung aktiviert, die gro\u00dfen Energiereserven, die in den vielen tausend Tonnen extrem hoch erhitzten und komprimierten Dampfs gespeichert sind, welchen die riesigen Dampfkessel fossiler Kraftwerke st\u00e4ndig vorr\u00e4tig halten. Diese extrem schnelle und in Sekunden verf\u00fcgbare Stabilisierung kann nur von dampfbetriebenen Fossil- und Kernkraftwerken mit massiven, schnell rotierenden Generatoren gew\u00e4hrleistet werden. Einen gewissen Beitrag k\u00f6nnen auch Wasserkraftwerke leisten. Solar- und Windenergie sind hierzu dagegen au\u00dferstande. Vor diesem Hintergrund lassen Behauptungen, eine 100prozentige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien ohne konventionelle Kraftwerke sei m\u00f6glich, doch erhebliche Zweifel daran aufkommen, ob die Betreffenden \u00fcberhaupt wissen, wovon sie reden.<\/p>\n<h2>Worst Case: Ein Kraftwerks-Totalausfall<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der kritischsten Situationen, auf die eine Netzleitstelle st\u00e4ndig vorbereitet sein muss, ist der Totalausfall des gr\u00f6\u00dften derzeit am Netz befindlichen Kraftwerks oder einer sonstigen leistungsbestimmenden Komponente wie einer gro\u00dfen Fernleitung. Die im Netz vorgehaltenen Leistungsreserven m\u00fcssen selbst in einem solchen Fall ausreichen, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Daf\u00fcr muss die ausgefallene Leistung innerhalb von Sekundenbruchteilen ersetzt werden. Um das zu erreichen, muss die Leitstelle daf\u00fcr sorgen, dass automatisch gen\u00fcgend Zusatzleistung von den anderen mit dem Netz verbundenen Gro\u00dfkraftwerken bereitgestellt wird. Da einige wenige Kraftwerke einen solchen pl\u00f6tzlichen Mehrbedarf gar nicht stemmen k\u00f6nnten, wird die ben\u00f6tigte Ersatzleistung in vielen Teilbetr\u00e4gen auf zahlreiche Kraftwerke aufgeteilt. Die einzelnen Beitr\u00e4ge sind dabei so klein, dass die jeweiligen Kraftwerke damit noch problemlos zurechtkommen. In der Regel sind dies 2,5 % der jeweils m\u00f6glichen Erzeugungsleistung. Diese Reserve muss zur H\u00e4lfte innerhalb von 5 Sekunden und insgesamt innerhalb von 30 Sekunden bereitgestellt werden [PRIM]. Im Rahmen ihrer st\u00e4ndigen Notfallbereitschaftsplanung f\u00fchrt die Netzleitstelle eine st\u00e4ndig aktualisierte Liste mit denjenigen Kraftwerken, die zurzeit am Netz sind und \u00fcber die F\u00e4higkeit verf\u00fcgen, diese Systemdienstleistung zu erbringen. Die Leistungsregler dieser Kraftwerke m\u00fcssen hierf\u00fcr st\u00e4ndig direkt von der Leitstelle aus ansteuerbar sein und werden von dort im Notfall dann aufgefahren. Dies erfolgt vollautomatisch computergesteuert innerhalb von Sekundenbruchteilen, viel schneller als ein Mensch reagieren k\u00f6nnte. Da Deutschland im Rahmen des europ\u00e4ischen Verbundnetzes im Notfall auch auf Hilfe aus dem Ausland z\u00e4hlen kann, liegt der Umfang dieser Leistungsreserve, die jederzeit abrufbereit zur Verf\u00fcgung stehen muss, bei 700 MW [PRIM]. Aus beiden Angaben l\u00e4sst sich leicht ausrechnen, dass zur Aufrechterhaltung der Netzsicherheit jederzeit 28000 MW an prim\u00e4rregelf\u00e4higer Kraftwerksleistung am Netz sein m\u00fcssen \u2013 was inzwischen jedoch aufgrund des st\u00e4ndig wachsenden Aufkommens an Solar- und Windstrom im Netz nicht mehr st\u00e4ndig der Fall ist, <b>Bild 3<\/b>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4560\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller5.jpg\" alt=\"fredfmueller5\" width=\"725\" height=\"587\" srcset=\"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller5.jpg 725w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller5-150x121.jpg 150w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller5-300x242.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/>Bild 3. Als am 27.10. 2013 \u2013 einem Sonntag mit geringer Netzlast \u2013 ein Sturm \u00fcber Deutschland hinwegfegte, war das Aufkommen an zwangseingespeistem Wind- und Solarstrom so hoch, dass der Beitrag konventioneller Kraftwerke unter die kritische Marke von ca. 28.000 MW gedr\u00fcckt wurde (Daten: Stromb\u00f6rse EEX)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wird diese kritische untere Grenze unterschritten, so ger\u00e4t das Netz in Gefahr. Zwar kann man in solchen F\u00e4llen \u00fcber das europ\u00e4ische Verbundnetz Hilfe von den Nachbarn erhalten, doch erwarten diese im umgekehrten Falle nat\u00fcrlich gleichwertige Dienste auch von Deutschland, so dass die st\u00e4ndig vorzuhaltende Leistung in der Summe letztlich gleich bleibt.<\/p>\n<h2>Die erste Regelebene ist entscheidend<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben den ersten beiden Regelebenen \u2013 der Tr\u00e4gheitsreserve und der Sekundenregelung \u2013 verf\u00fcgt die Leitstelle noch \u00fcber eine Sekund\u00e4r und Terti\u00e4rebene [WIKI], die innerhalb von 30 s bis 5 min bzw. innerhalb von 5 bis 15 min zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcssen. Aus diesem Grund bezeichnet man die zweite Ebene als Sekundenreserve und die dritte Ebene als Minutenreserve. Zur Sekundenreserve geh\u00f6ren vor allem schnellstartf\u00e4hige Kraftwerke wie Gaskraftwerke, die innerhalb k\u00fcrzester Zeit von Null auf Vollleistung gehen k\u00f6nnen, sowie Speicher-Wasserkraftwerke, die nur die Regelventile weiter zu \u00f6ffnen brauchen. Die Sekund\u00e4rregelung hat vor allem die Aufgabe, den Abfall der Netzfrequenz aufzufangen und damit die \u201erotierende Reserve\u201c zu entlasten, so dass sie f\u00fcr eventuelle weitere Notf\u00e4lle wieder voll verf\u00fcgbar wird. \u00dcberlappend hierzu werden auch die anderen Regelebenen aktiviert, indem zun\u00e4chst Pumpspeicher- oder Gasturbinenkraftwerke \u2013 die auch die Sekund\u00e4rregelung besorgen \u2013 und mit entsprechender Zeitverz\u00f6gerung auch Gro\u00dfkraftwerke auf h\u00f6here Leistung gefahren werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeachtet der Feinheiten des Zusammenspiels verschiedener Regelebenen muss man sich jedoch dar\u00fcber im Klaren sein, dass die ersten Sekundenbruchteile einer gr\u00f6\u00dferen St\u00f6rung entscheidend sind. Gelingt es nicht, das Netz innerhalb dieser ersten \u201eFlackersekunden\u201c zu stabilisieren, so reicht selbst eine noch so gro\u00dfe, aber eben erst nach 30 s verf\u00fcgbare Zusatzleistung nicht aus, um einen Zusammenbruch zu verhindern: Dann geht es, bildlich gesprochen, nicht mehr um Therapie, sondern um Autopsie, denn die unterbrechungsfreie Stromversorgung ist dann nicht mehr m\u00f6glich, es m\u00fcssen Netze und\/ oder Verbraucher abgeworfen und sp\u00e4ter mit hohen Kosten wieder hochgefahren werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und bei der Betrachtung der zur Verf\u00fcgung stehenden Rotationsenergie zeigt sich, dass die oft als \u201eDinosaurier\u201c geschm\u00e4hten Gro\u00dfkraftwerke (<b>Bild 4<\/b>) hier einen entscheidenden Vorteil gegen\u00fcber kleineren Einheiten haben, denn ihre riesigen Turbinen-Rotor-Einheiten k\u00f6nnen erheblich mehr Energie speichern als kleinere Systeme, weil die Energie eines Schwungrads mit dem Quadrat des Durchmessers zunimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4562\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller6.gif\" alt=\"fredfmueller6\" width=\"845\" height=\"559\" \/>Bild 4. Die oft als Dinosaurier geschm\u00e4hten gro\u00dfen Dampfkraftwerke \u2013 hier das Kraftwerk Neurath \u2013 sind f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Netzstabilit\u00e4t ganz einfach unersetzlich (Foto: Kohlekraftwerke.de)<\/em><\/p>\n<h2>Enorme Risiken<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund versteht man schnell, dass die \u201eEnergiewende\u201c mit der ins Auge gefassten Steigerung der Kapazit\u00e4ten an Wind- und Solarstromerzeugung so nicht funktionieren kann, ohne die Netzstabilit\u00e4t zu opfern. Zur Zeit sind 32000 MW Windleistung und 34000 MW Solarleistung am deutschen Netz [EEX]. Sie tragen kumuliert jedoch nur etwa 12 % zur Gesamtstromerzeugung bei. Um die ca. 64 % zu erreichen, die nach EEG-Planung bis 2050 erreicht werden sollen (Annahme: 80 % Wind- und Solaranteil an insgesamt 80 % EE-Erzeugung), m\u00fcssten bei gleichbleibendem Verbrauch noch f\u00fcnfmal so viele Windr\u00e4der und Solaranlagen wie aktuell verf\u00fcgbar aufgestellt werden. Damit w\u00fcrden die konventionellen Anlagen endg\u00fcltig aus dem Markt gedr\u00e4ngt, obwohl sie bei Flaute und fehlendem Sonnenschein dennoch gebraucht werden. Das ist v\u00f6llig unrealistisch, kann doch die Lage in den deutschen Netzen bereits jetzt als kritisch bezeichnet werden [FOCU, RWE]. So sagte der Tennet-Chef einem Bericht in den VDI-Nachrichten vom 4.10.2013 zufolge:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWir haben heute im Schnitt drei Eingriffe ins Stromnetz am Tag. Vor zehn Jahren waren es drei im gesamten Jahr\u201d [EIKE].<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnliche Meldungen gibt es auch von den anderen deutschen Netzbetreibern. Falls nicht bald gegengesteuert wird, drohen im Falle von Blackouts insbesondere in modernen Industrien (<b>Bild 5<\/b>) mit ihren fein austarierten Hochleistungsprozessen oft enorme Sch\u00e4den [BER].<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4563\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller7.gif\" alt=\"fredfmueller7\" width=\"748\" height=\"774\" \/>Bild 5.<\/b> Stromausf\u00e4lle legen die in jedem modernen Betrieb unentbehrlichen Computer lahm. Das kann zu erheblichen Ausf\u00e4llen und sogar Anlagensch\u00e4den f\u00fchren<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon eine einzige Stunde Blackout in Deutschland kann Sch\u00e4den von bis zu 600 Mio. \u20ac verursachen [WEWO]. H\u00e4lt man sich diese Tatsachen vor Augen, so wei\u00df man angesichts von Berichten wie dem des Spiegel-Journalisten Stefan Schultz [SPON], der behauptet, die Stromversorgung lasse sich auf absehbare Zeit auch mit den bestehenden Mitteln ohne die Gefahr von Blackouts sichern, wirklich nicht mehr, ob man nun lachen oder weinen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund sind die j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen von RWE-Chef Peter Terium, dass sein Unternehmen aus den Planungen zum Bau konventioneller Kraftwerke komplett aussteigen will [RWE2], im Prinzip als Resignation zu werten. Im Bereich der Stromversorger scheint man offensichtlich die Hoffnung aufgegeben zu haben, dass die deutsche Politik in absehbarer Zukunft wieder zur Vernunft findet. Frau Merkel und ihre neue Regierung haben damit ein im Prinzip unl\u00f6sbares Problem am Hals, noch bevor die Koalition auch nur steht. Auf Deutschland d\u00fcrften somit im Sinne des Wortes d\u00fcstere Zeiten zukommen.<\/p>\n<h2><b>Quellen<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[BER] Bericht \u201cGef\u00e4hrdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften \u2013 am Beispiel eines gro\u00dfr\u00e4umigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung\u201d, Ausschuss f\u00fcr Bildung, Forschung und Technikfolgenabsch\u00e4tzung des Deutschen Bundestags (04\/2011)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[EEX] http:\/\/www.transparency.eex.com\/de<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[PRIM] http:\/\/www.udo-leuschner.de\/basiswissen\/SB124-03.htm<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[EIKE] http:\/\/www.eike-klima-energie.eu\/news-cache\/deutscher-journalismus-kommmir-nicht-mit-fakten-meine-meinung-steht\/<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[FOCU] http:\/\/www.focus.de\/immobilien\/energiesparen\/bedrohliche-energiewende-502-stoerfaelle-im-ersten-halbjahr-stromnetz-steht-vor-kollaps_aid_1089770.html<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[RWE] http:\/\/de.nachrichten.yahoo.com\/rwe-chef-warnt-strom-engp%C3%A4ssen-080510591&#8211;finance.html<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[RWE2] http:\/\/de.nachrichten.yahoo.com\/rwe-chef-warnt-strom-engp%C3%A4ssen-080510591&#8211;finance.html<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[SPON] http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/kraftwerke-darum-braucht-deutschland-keinen-teuren-reservemarkt-a-929302.html<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[WEWI] http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article121265359\/Jede-Stunde-Blackout-kostet-600-Millionen-Euro.html<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">[WIKI] http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Regelleistung_(Stromnetz)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit jedem Windrad nehmen die Probleme zu Die Aufgabe, ein elektrisches Versorgungsnetz stabil zu halten, \u00e4hnelt ein wenig derjenigen eines Jongleurs, der zahlreiche B\u00e4lle st\u00e4ndig in einem exakt definierten Rhythmus abfangen und wieder hochwerfen muss. 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