{"id":3939,"date":"2013-04-13T08:34:19","date_gmt":"2013-04-13T08:34:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=3939"},"modified":"2014-04-03T11:01:57","modified_gmt":"2014-04-03T11:01:57","slug":"ausgereifte-nuklear-endlagerung-direkt-beim-nachbarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=3939","title":{"rendered":"Ausgereifte Nuklear-Endlagerung \u2013 direkt beim Nachbarn"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3940\" alt=\"fredfmueller50\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller50.gif\" width=\"500\" height=\"279\" \/>Schema des Endlagers f\u00fcr hoch radioaktive Brennelemente im schwedischen Forsmark (Grafik: SKB)<\/em><\/p>\n<h2>Wenn Blinde nicht sehen wollen\u2026<\/h2>\n<p><i>Soeben hat die deutsche Politik beschlossen, ein seit Jahrzehnten mit hohen Kosten vorangetriebenes Endlagerprojekt aufzugeben und f\u00fcr weitere 2 Mrd. \u20ac die \u201eergebnisoffene\u201c Suche nach einem Endlager neu zu beginnen. Wer das bisherige Gehampel in dieser Frage verfolgt hat, dem ist klar, dass man hier lediglich das Problem mit enormen Kosten erneut auf die lange Bank schiebt. Bezahlen sollen dies die angeblich Schuldigen, n\u00e4mlich die KKW-Betreiber. In Wirklichkeit landet die Rechnung jedoch ausschlie\u03b2lich beim B\u00fcrger, weil diese Kosten \u00fcber den Strompreis weitergegeben werden. Dabei gibt es fertig ausgereifte und sehr \u00fcberzeugende Endlagerkonzepte schon seit langem sozusagen direkt vor unserer T\u00fcr \u00a0\u2013 in Schweden und Finnland. In Finnland ist man bereits so weit, dass mit ersten Einlagerungen m\u00f6glicherweise schon 2022 begonnen werden k\u00f6nnte. <\/i><\/p>\n<p>W\u00e4hrend im deutschen Sprachraum Vertreter der \u00d6ko-Milliard\u00e4re und ihre Lobbyisten mit erstaunlicher Unverfrorenheit behaupten, es gebe nirgendwo auf der Welt ausgereifte Endlagerkonzepte, ist man nur einige Kilometer weiter n\u00f6rdlich bereits tatkr\u00e4ftig dabei, die letzten Schritte f\u00fcr die Realisierung eines seit Jahrzehnten sorgf\u00e4ltig ausgetesteten und wissenschaftlich abgesicherten Endlagerkonzepts f\u00fcr hoch radioaktive Abf\u00e4lle zu gehen. In enger Kooperation haben Schwedens Svensk K\u00e4rnbr\u00e4nslehantering AB (SKB) und Finnlands Posiva Oy inzwischen ihr Konzept soweit ausentwickelt, dass bereits konkrete Zeitvorstellungen f\u00fcr die Realisierung ins Auge gefasst werden. In Finnland k\u00f6nnte man bereits in neun Jahren erste Abf\u00e4lle einlagern, und in Schweden ist das Projekt inzwischen in der Genehmigungsphase.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3941\" alt=\"fredfmueller51\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller51.gif\" width=\"394\" height=\"191\" \/>Bild 1. Der 4 Meter lange Brennstab f\u00fcr einen Kernreaktor besteht aus einem B\u00fcndel d\u00fcnner Rohre, in denen sich tausende kleiner Urantabletten befinden<\/em><\/p>\n<h2>Konsens statt Konfrontation<\/h2>\n<p>Weder den Schweden noch Finnland kann man vorwerfen, ihre Regierungen w\u00fcrden ihre Verantwortung gegen\u00fcber Bev\u00f6lkerung und Umwelt auf die leichte Schulter nehmen. Der hoch entwickelte Industriestaat Schweden mit seinen rund 9 Millionen Einwohnern betreibt zehn Kernreaktoren, deren Anteil an der Stromerzeugung bei 35-40 % liegt. Von diesem Nuklearpotenzial profitiert auch der Nachbarstaat Norwegen, der gerne auf diese sicheren Reserven zur\u00fcckgreift, wenn den dortigen Wasserkraftwerken im Winter die Zufl\u00fcsse einfrieren. In Schweden haben Staat, Industrie und Parteien im Konsens ein umfangreiches, langfristig angelegtes Forschungsprogramm f\u00fcr die Entwicklung eines verantwortbaren Endlagerkonzepts f\u00fcr die ausgebrannten Kernbrennelemente aufgelegt. Die Verantwortung hierf\u00fcr obliegt der Firma SKB, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der schwedischen Erzeuger von Kernenergie. Finanziert werden die Aktivit\u00e4ten durch eine Abgabe in H\u00f6he von 0,01 SEK (=1 \u00d6re) auf jede nuklear erzeugte Kilowattstunde. Bemerkenswert ist die gro\u00dfe Offenheit der Schweden und Finnen, die sehr darauf achten, dass die Bev\u00f6lkerung zu allen mit der Lagerung von radioaktivem Material verkn\u00fcpften Informationen Zugang hat und Bedenken bez\u00fcglich m\u00f6glicher Probleme sehr sorgf\u00e4ltig nachgegangen wird. \u201eLohn\u201c dieser M\u00fche ist der bereits erw\u00e4hnte au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Grad an gesellschaftlichem Konsens.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"left\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3942\" alt=\"fredfmueller52\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller52.png\" width=\"499\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller52.png 499w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller52-150x100.png 150w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller52-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 499px) 100vw, 499px\" \/>Bild 2. Blick in einen der Tunnel, die viele hundert Meter tief in den harten Granit getrieben wurden<\/em><\/p>\n<h2>Eine Aufgabe\u2026<\/h2>\n<p align=\"left\">Ausgelegt ist das Endlager prim\u00e4r f\u00fcr ausgebrannte Kernbrennst\u00e4be. Dies sind schlanke, rechteckige Rohrb\u00fcndel von ca. 4 Metern L\u00e4nge, die viele Tausend einzelne Urantabletten enthalten. Nach Ende des aktiven Einsatzes sind diese Elemente \u201ehei\u03b2\u201c, weil in ihnen zahlreiche Zerfallsreaktionen der im Kernkraftwerk gebildeten Spaltprodukte ablaufen. Sie wandern daher zun\u00e4chst f\u00fcr mehrere Jahrzehnte in Abklingbecken, bis die kurzlebigeren Isotope zerfallen sind und Radioaktivit\u00e4t sowie Temperatur auf ein vertretbares Ma\u03b2 gesunken sind. Erst dann ist<\/p>\n<p align=\"left\">ein Verkapseln und Endlagern m\u00f6glich. In Schweden erfolgt die Aufbewahrung in zwei riesigen Kavernen, die rund 40 m tief ins Grundgestein getrieben wurden. In tiefen Wasserbecken lagern hier mehr als 10.000 ausgebrannte Brennelemente.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"left\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3943\" alt=\"fredfmueller53\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller53.gif\" width=\"499\" height=\"333\" \/>Bild 3. Eines der beiden riesigen Abklingbecken, in denen abgebrannte Brennelemente gelagert werden<\/em><\/p>\n<h2 align=\"left\"><b>f\u00fcr die \u201eEwigkeit\u201c<\/b><\/h2>\n<p align=\"left\">W\u00e4hrend in Deutschland und der Schweiz Berufs-Panikmacher dem Volk einreden, bei der Endlagerung gehe es um Jahrmillionen, hat man in Skandinavien lieber Wissenschaftler gefragt und rechnet daher mit 100.000 Jahren. Auch das ist noch eine ungeheure Zeitspanne, denn der sichere Einschluss muss selbst dann gew\u00e4hrleistet sein, wenn eine neue Eiszeit die Lagerst\u00e4tte unter einem Eispanzer von 3 km Dicke begraben w\u00fcrde.<\/p>\n<p align=\"left\">Um die tats\u00e4chliche Gr\u00f6\u00dfenordnung der Aufgabe zu verstehen, muss man sich vergegenw\u00e4rtigen, dass es bisher keine vom Menschen errichteten Bauwerke oder Technologien gibt, die mehr als ein paar tausend Jahre \u00fcberdauert haben. Zudem zeigt die Erfahrung, dass moderne Konstruktionen in aller Regel sogar noch viel kurzlebiger ausgelegt sind als antike Bauwerke wie z.B. die Pyramiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"left\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3945\" alt=\"fredfmueller54\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller54.gif\" width=\"406\" height=\"588\" \/>Bild 4. Das in Schweden entwickelte Endlagerkonzept f\u00fcr nukleare Abf\u00e4lle (Grafik: SKB)<\/em><\/p>\n<h2 align=\"left\"><b>Kupfer, Granit und Bentonit<\/b><\/h2>\n<p align=\"left\">Deshalb dachte man gar nicht erst \u00fcber Bauwerke nach, sondern konzentrierte sich vor allem darauf, nat\u00fcrliche Materialien und Strukturen zu finden, die ihre F\u00e4higkeit zum sicheren langzeitigen Einschluss von Substanzen auch unter rauesten Umgebungsbedingungen schon unter Beweis gestellt hatten. Die letztlich gefundene L\u00f6sung beruht auf der Kombination von drei Materialien, von denen jedes f\u00fcr sich schon f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufgabenstellung geeignet w\u00e4re. Entworfen wurde ein dreifacher Einschluss: Tief in massives Granitgestein getriebene Bohrungen umschlie\u00dfen und sch\u00fctzen dicht verschwei\u00dfte Kupferzylinder, die ihrerseits von einer dicken Packung wasserdichten Bentonits \u2013 einem speziellen Lehm \u2013 umgeben sind. Das f\u00fcr die Anlage des Endlagers ins Auge gefasste Grundgestein, eine Granitformation mit der Bezeichnung \u201e\u00c4sp\u00f6diorit\u201d, liegt seit 1,8 Mrd. Jahren unver\u00e4ndert an Ort und Stelle und geh\u00f6rt damit zu den \u00e4ltesten geologischen Formationen auf unserem Kontinent. Solches Grundgestein hat, wie Wissenschaftler aus Funden in Afrika ermittelten, die \u00dcberreste \u201enat\u00fcrlicher\u201c Kernreaktoren, die dort vor rund 2 Mrd. Jahren existierten, mit gro\u00dfer Effizienz eingeschlossen. Selbst Plutonium wurde ausgefiltert und an Mineralk\u00f6rner in Gesteinsritzen gebunden. Der Bentonitlehm, der die Kupferbeh\u00e4lter in ihren Gesteinsnischen umh\u00fcllen und u.a. vor Besch\u00e4digung durch Gesteinstr\u00fcmmer sch\u00fctzen soll, ist wasserdicht und hat dar\u00fcber hinaus hervorragende Absorptionseigenschaften. Im \u00c4sp\u00f6-Hartgesteinslabor in Oskarshamn wird ein St\u00fcck Holz ausgestellt, das nach zwei Millionen Jahre Einschluss in Bentonit noch perfekt erhalten ist. Was das Kupfer angeht, so handelt es sich um ein sogenanntes halbedles Metall. Die Korrosionsbest\u00e4ndigkeit der metallischen H\u00fclle der Beh\u00e4lter ist unter den vorgesehenen Umgebungsbedingungen so gut, dass die Dichtheit der Beh\u00e4lter f\u00fcr weit mehr als die vorgesehene Zeitdauer gew\u00e4hrleistet sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p align=\"left\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3946\" alt=\"fredfmueller55\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller55.jpg\" width=\"501\" height=\"255\" srcset=\"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller55.jpg 823w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller55-150x76.jpg 150w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller55-300x153.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"left\"><em>Bild 5. Die abgebrannten Elemente werden in dickwandigen Kupferzylindern versiegelt und in einer isolierenden Bentonitpackung in gro\u03b2er Tiefe in Granitkavernen eingelagert (Grafik: SKB)<\/em><\/p>\n<h2 align=\"left\"><b>Beh\u00e4lter: Aufbau und Verschluss<\/b><\/h2>\n<p align=\"left\">Der Kupferbeh\u00e4lter dient im Prinzip als gasdichte, korrosionsbest\u00e4ndige Kapsel, die das Entweichen von Inhaltsstoffen in die umliegenden Schichten verhindert. Die Wanddicke liegt bei 50 mm. Den Innenraum f\u00fcllt ein massiver Kern aus duktilem Gusseisen mit einer Anzahl wabenartiger Aussparungen f\u00fcr die Aufnahme der einzelnen Brennst\u00e4be. Dieser Kerns soll zum einen die einzelnen Brennst\u00e4be sicher in ihren Positionen fixieren. Dar\u00fcber hinaus verhindert seine hohe Festigkeit ein Zerdr\u00fccken des Beh\u00e4lters selbst bei extremem Gesteinsdruck. Vor dem Einsatz wird jeder einzelne Beh\u00e4lter einer gr\u00fcndlichen Qualit\u00e4tskontrolle unterzogen. Beladen werden sie in einer speziell hierf\u00fcr vorgesehenen Anlage direkt am Zwischenlager. Nach der Beladung wird ein massiver Deckel aufgesetzt und danach dicht verschwei\u00dft. Diese Arbeiten werden \u2013 unter Beachtung aller f\u00fcr den Umgang mit radioaktivem Material geltenden Vorschriften \u2013 mannlos von hoch automatisierten, ferngesteuerten Anlagen durchgef\u00fchrt. Anschlie\u00dfend werden die fertigen Beh\u00e4lter zum Endlager in 500-700 Meter Tiefe verbracht und in vorbereitete Aussparungen eingesetzt. Der Zwischenraum zwischen Beh\u00e4lter und Wand wird mit Bentonitlehm aufgef\u00fcllt. Wenn alle Nischen eines Tunnels belegt sind, wird er mit einer Mischung aus Gesteinstr\u00fcmmern und Bentonit verf\u00fcllt und durch einen massiven Betonpfropfen versiegelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3948\" alt=\"fredfmueller56\" src=\"http:\/\/windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller56.png\" width=\"384\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller56.png 384w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller56-150x119.png 150w, https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/fredfmueller56-300x239.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/>Bild 6. Im Inneren des Kupferzylinders befindet sich ein stabiler Gussk\u00f6rper, in dessen Aussparungen dann die Brennelemente geschoben werden<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schema des Endlagers f\u00fcr hoch radioaktive Brennelemente im schwedischen Forsmark (Grafik: SKB) Wenn Blinde nicht sehen wollen\u2026 Soeben hat die deutsche Politik beschlossen, ein seit Jahrzehnten mit hohen Kosten vorangetriebenes Endlagerprojekt aufzugeben und f\u00fcr weitere 2 Mrd. \u20ac die \u201eergebnisoffene\u201c Suche nach einem Endlager neu zu beginnen. 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