{"id":1996,"date":"2011-04-21T08:33:04","date_gmt":"2011-04-21T08:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=1996"},"modified":"2011-04-26T06:43:14","modified_gmt":"2011-04-26T06:43:14","slug":"der-patient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=1996","title":{"rendered":"Der Patient"},"content":{"rendered":"<p>Unsere globalisierte Kultur ist schwer krank. Die Krankheit wird erst unter Fachleuten fundiert diskutiert &#8211; aber sp\u00fcren tut es jeder Bewohner der ersten Welt. Nennen wir diese Krankheit einfach mal &#8222;<em>Morbus energeticus<\/em>&#8222;. Das bedeutet in etwa so viel wie &#8222;<em>Energiekrankheit<\/em>&#8222;. Auf jeden Fall passt diese Bezeichnung genau zur Krankheitsursache, n\u00e4mlich dem \u00fcberm\u00e4ssigen Genuss von Energie. Es ist eine reine Suchtkrankheit.<\/p>\n<p>Lasst uns dieses Thema nun frisch aufrollen. Nehmen wir zur Abwechslung mal andere Beispiele und bessere Gr\u00fcnde, um das Thema zu beschreiben. Es soll auf keinen Fall wissenschaftlich daherkommen! Aber trotzdem so genau wie m\u00f6glich beschreiben, was dem Patienten denn fehlt. Also nicht weniger als die <em>Quadratur des Kreises<\/em>:<\/p>\n<p>Nennen wir den Patienten zum besseren Verst\u00e4ndnis einfach <em>Esmeraldo Globales<\/em>, ein rein zuf\u00e4llig gew\u00e4hlter Name, der die Menschheit repr\u00e4sentieren soll. Ja, nur die Menschheit, denn interessanterweise haben niedere Gesch\u00f6pfe mit Energie keinerlei Probleme. Ausgenommen vielleicht, wenn sie sich unerwartet in einem Kochtopf wiederfinden oder gerade als Gem\u00fcse ged\u00fcnstet werden. F\u00fcr Gem\u00fcse ist das kein echtes Problem, weil Gem\u00fcse ja kaum etwas daran auszusetzen hat und wir annehmen, dass die fleischlichen Gesch\u00f6pfe schon vor l\u00e4ngerer Zeit das Zeitliche gesegnet haben.<\/p>\n<p>Dieser Vergleich f\u00fchrt mich zum eigentlichen Problem des Patienten <em>Esmeraldo Globales<\/em>. Seit \u00fcber 150 Jahren ern\u00e4hrt sich dieser ungesunde Mensch mit 70% fossilem Schlamm und Staub\u00a0 aber lediglich mit 30% feinem, gr\u00fcnem, nachwachsendem Kraut. Selbst das nachwachsende Kraut stammt zu einem grossen Teil aus schlamm- und pulverbefeuerten Anlagen der Gem\u00fcsebranche. Das musste einfach zu gesundheitlichen Problemen f\u00fchren: Schw\u00e4rende, triefende, offene Wunden, \u00fcberhitzter Kreislauf und ein Gemeinzustand, der sich dauernd um den Kollaps bewegt. Seit einem Erdbeben ist es noch schlimmer geworden: Jetzt hat er auch noch Angst vor unbekannten drohenden Gefahren. Ein psychisches Problem ist die typische Begleiterscheinung und hat erwartungsgem\u00e4ss panische und unpraktische Reaktionen zur Folge. Auch beim pflegenden Personal.<\/p>\n<p>Es reicht nicht, dass es unserem Patienten k\u00f6rperlich und psychisch sehr schlecht geht. Er wird auch noch v\u00f6llig falsch behandelt. Nennen wir die pflegende Schwester der Anonymit\u00e4t halber <em>Visiona Verte<\/em>. Sie ist eine \u00e4usserst liebensw\u00fcrdige und sympathische Person. Aber leider hat sie bei der Ausbildung vor allem die sch\u00f6nen, erfolgreichen Jung\u00e4rzte bewundert und beim Thema Wundpflege sass sie gerade hinter der S\u00e4ule.<\/p>\n<p>Die gutm\u00fctige <em>Visiona Verte<\/em> kommt also ins Zimmer des Patienten (sie ist momentan omnipr\u00e4sent ) und setzt zur ersten notfallm\u00e4ssigen Behandlung an. Auf die offene Wunde mit pulsierend spritzendem Blut klebt sie ein kleines gr\u00fcnes Windradpfl\u00e4sterchen, das gerade mal den hundertsten Teil der Wunde abdeckt und schmiert eine Fingerspitze voll photovoltaische Salbe darum herum. Gegen die schw\u00e4rende, eiternde Wunde m\u00f6chte sie ein paar Liter Zeichen und Symbole auftragen. Diese Arznei ist aber dermassen fl\u00fcchtig, dass sie sich noch vor der Behandlung in Luft aufgel\u00f6st hat. Sie behilft sich mit einem intelligenten aber \u00e4usserst teueren Netz. Damit kann Visiona Verte lediglich einen kleinen Teil des K\u00f6rpers abdecken. Der Rest kommt mit der Hauptlieferung in ca. 30 Jahren.<\/p>\n<p>Der Gesamtzustand des Patienten kann nur deshalb stabil gehalten werden, weil die Herz-Lungen-Maschine einen einwandfreien Dienst verrichtet. Der Patient w\u00fcrde mit der Abschaltung der Maschine sofort wegsterben. Da kommt der Spitaldirektor angerannt und teilt dem Pflegepersonal entsetzt mit, dass der Hauptgenerator des Spitals gef\u00e4hrliche Risse aufweise und im 9&#8217;000 Km entfernten Schwesterspital gerade die Keilriemen durch die Luft geflogen seien. Er empfielt dringend den eigenen Generator SOFORT abzuschalten. Man habe zwar keinerlei Keilriemen im eigenen System. Aber handeln sei ein Gebot der Situation. Der Generator unterstehe sowieso einem Generalverdacht und man habe ja genug gr\u00fcne Salben und Pflaster an Lager. Man m\u00fcsse sie nur endlich aus dem Keller heraufholen. Wichtig sei allerdings die h\u00f6chst effiziente Anwendung dieser Pflaster. Dann w\u00fcrde man den ausgefallenen Generator mit links ersetzen k\u00f6nnen. Es sei alles da, was man brauche!<\/p>\n<p>Der Haustechniker des Spitals, der nat\u00fcrlich genau weiss, dass das Abschalten des Generators den Kollaps einiger Patienten zur Folge haben w\u00fcrde, nimmt die Anweisung zum Abschalten entgegen und l\u00e4sst sich viel Zeit dazu. &#8222;Suppen werden nie so heiss gegessen, wie sie gekocht wurden&#8220;, pflegt er sich in solchen Situationen zu sagen.<\/p>\n<p>Der Pflegebetrieb nimmt also seinen gewohnten Lauf, der Generator l\u00e4uft weiter und alle sind zufrieden. Da beginnt eine kleine Gruppe von Patienten, die von den weit entfernten problematischen Keilriemen gelesen hat, zu revoltieren. &#8222;Wir bestehen darauf, dass nun sofort jeder Generator abgeschaltet wird&#8220;. &#8222;Das sind alles Schrottgeneratoren, auch diejenigen ohne Keilriemen!&#8220; Sie beginnen auf allen G\u00e4ngen und Treppenh\u00e4usern damit, eilends geschriebene Flugbl\u00e4tter zu verteilen und stacheln die anderen\u00a0 Patienten dazu an, die gleichen Forderungen zu stellen. &#8222;Wir wollen keine \u00c4rzte mehr, die mit Generatoren arbeiten, wir wollen \u00c4rzte, die mit gr\u00fcnen Pflastern und Salben und intelligenten Netzen behandeln!&#8220;, rufen sie nun alle im Chor.<\/p>\n<p>Die \u00c4rzte, um ihre Vormachtstellung im Spital besorgt, beruhigen die revoltierenden Patienten und versprechen ihnen, so bald wie m\u00f6glich auf alle Generatoren zu verzichten. Nat\u00fcrlich wissen auch sie ganz genau, dass ohne die Generatoren im Spital praktisch nichts l\u00e4uft. Aber das trauen sie sich nicht den Patienten zu sagen, denn einzelne Patienten haben damit begonnen, den generatorfreundlichen \u00c4rzten kleine Briefbomben nach Hause zu senden.<\/p>\n<p>Es bleibt den \u00c4rzten wohl nichts anderes \u00fcbrig, als die Lieferung der intelligenten Netze und der gr\u00fcnen Windradpfl\u00e4sterchen beim Lieferanten zu reklamieren. Damit in Zukunft wenigstens die R\u00e4nder der offenen Wunden behandelt werden k\u00f6nnen. Das Problem wird sich auf alle F\u00e4lle irgendwie l\u00f6sen. Man munkelt, dass beim Abschalten der Generatoren ja auch schlagartig weniger Patienten da seien. Das hat doch etwas Wahres &#8211; oder etwa nicht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere globalisierte Kultur ist schwer krank. Die Krankheit wird erst unter Fachleuten fundiert diskutiert &#8211; aber sp\u00fcren tut es jeder Bewohner der ersten Welt. Nennen wir diese Krankheit einfach mal &#8222;Morbus energeticus&#8222;. Das bedeutet in etwa so viel wie &#8222;Energiekrankheit&#8222;. Auf jeden Fall passt diese Bezeichnung genau zur Krankheitsursache, n\u00e4mlich dem \u00fcberm\u00e4ssigen Genuss von Energie. 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