{"id":1339,"date":"2010-09-02T07:58:15","date_gmt":"2010-09-02T07:58:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=1339"},"modified":"2011-03-17T06:51:54","modified_gmt":"2011-03-17T06:51:54","slug":"der-mythos-der-kleinen-schritte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windland.ch\/wordpress\/?p=1339","title":{"rendered":"Der Mythos der &#8222;kleinen Schritte&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\">Ein Buch, das jedem den notwendingen Wandel verst\u00e4ndlich macht<\/h3>\n<p>David JC MacKay ist der Autor des beliebten Buches &#8222;Sustainable Energy &#8211; without the hot air&#8220;. Die deutsche \u00dcbersetzung &#8222;<a href=\"http:\/\/windland.ch\/doku_wind\/nachhaltige_energiegewinnung.pdf\" target=\"_blank\">Nachhaltige Energiegewinnung &#8211; ohne die heisse Luft<\/a>&#8220; sollte jedem Politiker der Schweiz als Pflichtstoff neben das Nachttischchen gelegt werden. Es erkl\u00e4rt v\u00f6llig emotionslos, wie sich das mit der erneuerbaren Energie wirklich verh\u00e4lt. Die Lekt\u00fcre bringt jeden normal denkenden Menschen zum gr\u00fcbeln. Gr\u00fcbeln \u00fcber die verworrene Situation in der wir uns in Europa befinden, weil Politiker und der Durchschnittsb\u00fcrger keine Ahnung haben, wie Energie verbraucht, geschweige denn, wie sie produziert wird und noch weniger, wie sich das Ganze zusammen auf unser Leben auswirkt. Eine Erkenntnis daraus ist, das die kleinen Schritte (jedes L\u00fcftchen mit einem Windrad nutzen, jedes B\u00e4chlein stauen und daraus Strom pressen, jede Trinkwasserleitung noch mit einer Pelton-Turbine ausstatten) auch nur eine kleine Wirkung haben. Hier ein Muster der Essenz dieses Buches:<\/p>\n<blockquote><p><em>Wir sollten uns keine Illusionen machen. Um unser Ziel, den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, zu erreichen, m\u00fcssen unsere Reduktionen im Verbrauch und unsere Zuw\u00e4chse im Angebot gro\u00df sein. Lassen Sie sich nicht fehlleiten vom Mythos \u201eJeder kleine Schritt z\u00e4hlt\u201c. Wenn jeder einen kleinen Schritt macht, werden wir auch nur einen kleinen Schritt vorw\u00e4rtskommen. Wir m\u00fcssen viel tun. Was erforderlich ist, sind gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen im Verbrauch und in der Versorgung.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Grosse Ver\u00e4nderungen sind n\u00f6tig &#8211; auch in der Schweiz<\/h3>\n<p>Zuerst muss man den Gr\u00fcnen hierzulande mal klar machen, was Effizienz heisst. Der Aufwand n\u00e4mlich, den man hier betreiben will, um diese ja offenbar nicht sehr sinnvollen kleinen Schritte durchzuf\u00fchren, sind alles andere als effizient. Konkret ist es einfach nicht sinnvoll, CHF 5.5 Mio in ein im Mittelland v\u00f6llig unpassendes Windrad zu stecken, das auf einem weit herum sichtbaren H\u00fcgel steht, wenn mit dem gleichen Geld ein Vielfaches an Wirkung realisiert werden k\u00f6nnte. Insbesondere, wenn solche Investitionen nur deshalb get\u00e4tigt werden, wenn der Staat diesen Unsinn auch noch massiv subventioniert.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">15&#8217;000 Liter Diesel nur f\u00fcr ein Windrad<\/h3>\n<p>Auf dem betroffenen Heitersberg \u2013 hier gibt es so ein Projekt, dass bei vielen Leuten als wichtiges &#8222;Signal f\u00fcr den bewussten Umgang mit Energie&#8220; verstanden wird \u2013 muss man f\u00fcr die Aushub- und Transportfahrzeuge (Bagger, Schwertransporte, Riesenkranen, Pneulader usw.) einen Dieselverbrauch von rund 15&#8217;000 Litern veranschlagen. Die Bauteile werden mit mehreren Schwertransportern unter starker Behinderung des Privatverkehrs von Norddeutschland bis hierher gekarrt. Das lokale Strassennetz erf\u00e4hrt massive Sch\u00e4den durch die schwergewichtigen Fahrzeuge, wo der Strassendruck eines einzigen Rades schon mal 20 Tonnen (auf einen Achtel m2!) betragen kann. W\u00e4hrend Wochen fahren diese Schwergewichte der Strasse rauschend und brummend durch ein D\u00f6rfchen mit gerade mal 100 Einwohnern, verschwinden dann im Naherholungsgebiet auf den Wiesen des Heitersbergs, wo die Feldwege so schwach sind, dass man extra ein tempor\u00e4res Fundament aufsch\u00fctten muss, damit die Fahrzeuge nicht steckenbleiben. Alles nur deshalb, weil es tats\u00e4chlich Leute gibt, die damit ein &#8222;Signal f\u00fcr den bewussten Umgang mit Energie&#8220; setzen wollen. Das Signal d\u00fcrfte nicht von allen gleich verstanden werden.<\/p>\n<h3>Mit 5m\/s Wind f\u00fcr eine bessere Welt<\/h3>\n<p>Wenn man mit Mitarbeitern der grossen Windradhersteller spricht, lassen diese schon mal schmunzelnd durchblicken, dass man die Schweizer nicht ganz verstehen kann. Mit 5 oder 6m\/s Wind ein topmodernes Windrad aufzustellen, das eigentlich f\u00fcr eine mittlere Windgeschwindigkeit von 8.5m\/s Wind gebaut wurde, ist aus der Sicht eines nach dem Effizienzprinzip arbeitenden Ingenieurs schlecht denkbar. W\u00fcrden Wasser- oder Kernkraftwerke nach solchen Kriterien gebaut, w\u00fcrden ALLE die K\u00f6pfe sch\u00fctteln und die Planer solcher Projekte m\u00fcssten sich scharfer Kritik erwehren.<\/p>\n<h3>Natursch\u00e4den sind ok, wenn man damit die Natur sch\u00fctzt, oder?<\/h3>\n<p>Bei gr\u00fcner Energieproduktion scheint alles anders. Die paar Flederm\u00e4use, deren Lungen lustig platzend davonfliegen oder die schwungvoll auf den Boden spritzenden V\u00f6gel lassen selbst Mitglieder der Pro Natura kalt. Es geht um die Rettung der Welt! Da muss man doch nicht so pingelig sein und ein paar geschundene Tiere \u00fcber eine grosse Sache stellen!<\/p>\n<p>Das w\u00e4re aus menschlich-unmenschlicher Sicht ja noch nachvollziehbar, wenn es sich mit der Rettung der Welt wirklich so verhalten w\u00fcrde. Aber Windr\u00e4der in der windarmen Schweiz und Rinnsale als Wasserkraftwerklein sind eben nicht wirklich das, was notwendig w\u00e4re, um die Energiewende herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<h3>Die wirklich grossen Dinge<\/h3>\n<p>Der gr\u00f6sste Teil unseres Gesamtenergieverbrauchs geht auf Kosten der Geb\u00e4udebeheizung. Hier muss man ansetzen, um die grossen Schritte zu tun. Der Kanton Aargau hat ein modernes Energiegesetz aufgegleist, dass unter anderem genau hier ansetzt. F\u00fcr Geb\u00e4udeisolation werden denn auch einmalige staatliche Zusch\u00fcsse verteilt. Das Konzept &#8222;Energie einsparen&#8220; bedeutet auf der ausf\u00fchrenden Seite auch &#8222;Energieverlust verhindern&#8220;. Nicht ben\u00f6tigte Energie bedeutet aber auch weniger CO2 und verhindert den Energieverlust durch Transport oder Speicherung.<\/p>\n<p>Ein grosser Anteil des Energieverbrauchs kommt auch auf unsere Mobilit\u00e4t. Auch wenn man mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln total gr\u00fcn unterwegs ist, man ben\u00f6tigt daf\u00fcr trotzdem Energie. Mit dem privaten Fahrzeug erst recht. Jede verhinderte oder optimierte Mobilit\u00e4t heisst: Energie eingespart! Der \u00f6ffentliche Verkehr k\u00f6nnte aber nur Energie einsparen, wenn die Fahrpl\u00e4ne nicht verdichtet &#8211; sondern im Gegenteil stark ausged\u00fcnnt w\u00fcrden. Ist es denn wirklich notwendig, dass jede Viertelstunde ein halbleerer Bus f\u00e4hrt, wenn der gleiche Bus nach einer halben Stunde zu 2\/3 besetzt w\u00e4re? Das f\u00fcnfpl\u00e4tzige Auto f\u00e4hrt auch effizienter, wenn nicht nur eine Person damit zur Arbeit f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Mit dem Preis EINES Windrades auf dem Heitersberg k\u00f6nnte man 180 D\u00e4cher mit je 16 m2 Solarpanels best\u00fccken (W\u00e4rmegewinnung aus Sonnenlicht). Diese Warmwassergewinnung f\u00fcr Heizung und Warmwasserverbrauch w\u00fcrde damit den gesamten Stromverbrauch des Boilers eliminieren (in <a href=\"http:\/\/windland.ch\/beispiele\/kollektoren_1.html\" target=\"_blank\">unserem Haus<\/a> ist das immerhin 2 MWh pro Jahr). Praktisch wartungsfrei und mit einer Lebenserwartung von 40 Jahren notabene! Ein Windrad dreht und steht gerade mal 25 Jahre und ben\u00f6tigt daf\u00fcr alle 3 Monate einen Service! Die Effizienz eines Windrades erreicht in der Schweiz gerade mal 15%. Diejenige einer Solaranlage (Warmwasser) mindestens 70%.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrden sie w\u00e4hlen? Bezahlen tun sie n\u00e4mlich Beides. Die Windkraftanlage mit dem Strompreis. Die Solaranlage geh\u00f6rt ihnen aber von Beginn weg selber. Und diese macht weder L\u00e4rm noch Schattenwurf, noch t\u00f6tet sie auch nur einen einzigen Vogel!<\/p>\n<p>Grosse Dinge sind auch der Ausbau unserer Speicherseen \u2013 das Juwel unserer Stromversorgung. Denn daf\u00fcr beneidet uns ganz Europa! Sind ein paar seltene Arvenb\u00e4umchen wirklich wichtiger, als die Landschaft des Jura oder des gesamten Mittellandes?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Dezentrale Stromversorgung &#8211; Die Anleitung zum Bau eines ineffizienten Systems<\/h3>\n<p>Wie schon gesagt, kleine Schritte lassen uns auch nur ein klein wenig weiterkommen. Und sie sind per Definition ineffizient. Dezentral produzierte Energie wird durch das Stromnetz wieder &#8222;zentralisiert&#8220;. Alle Vorteile der Produktion vor Ort werden durch das Netz wieder aufgehoben. Immense technische und logistische Vorkehrungen m\u00fcssen getroffen werden, damit so ein Netzwerk stabil betrieben werden kann. Das ist eine Freude f\u00fcr alle, die an diesem Netz bauen d\u00fcrfen. Diejenigen, die das bezahlen, d\u00fcrften sich weniger freuen. So ein Netz ist nicht bezahlbar. Wenn es mit viel Aufwand gebaut wurde, kommen schon die ersten Wartungsarbeiten, die sich logischerweise ohne Unterbruch aneinanderreihen und die Kosten trotz Amortisation hoch halten. Mit dieser instrumentalisierten Verteuerung des Stroms wollen raffinierte aber kurzsichtige Politiker ein Umdenken herbeizwingen. Den Stromverbrauch \u00fcber den Preis zu reduzieren ist typisch zentralistisches planwirtschaftliches Denken der linken und gr\u00fcnen Theoretiker. Einzelne b\u00fcrgerliche Politiker machen blind mit, weil sie sich damit ein sch\u00f6nes gr\u00fcnes M\u00e4ntelchen anziehen k\u00f6nnen &#8211; die typische Stimmenf\u00e4ngerei der politischen Pragmatiker!<\/p>\n<p>In der Praxis ist es dann aber so, dass sich der Stromkunde nach besseren L\u00f6sungen umsieht und sie sp\u00e4testens dann finden wird, wenn ein tauglicher Stromspeicher f\u00fcr Einzelgeb\u00e4ude erh\u00e4ltlich ist. Denn es ist jetzt schon theoretisch m\u00f6glich, mit Photovoltaik und Solarw\u00e4rme ein Einzelhaus Energieautark zu betreiben. Zur Praxis fehlt nur noch der intensiv erforschte chemische Speicher f\u00fcr den \u00fcbersch\u00fcssigen Strom. Die grossen, teuren &#8222;Smart Grids&#8220; werden dann wegen extremer \u00dcberkapazit\u00e4ten sinnlos in der Landschaft herumstehen. Den Volkswirtschaften kosten sie beim Abbruch noch einmal ein h\u00fcbsches S\u00fcmmchen.<\/p>\n<h3>Ein Wunsch an die Politiker<\/h3>\n<p>Also, wenn sie eine Politikerin oder ein Politiker sind, die\/der wirklich etwas mehr als warme Luft bewegen will: Machen sie sich doch bitte erst einmal schlau und seien sie skeptisch, wenn sie wieder mal h\u00f6ren, dass jemand ein &#8222;Signal&#8220; oder ein &#8222;Zeichen&#8220; setzen will. Achten sie auch auf das Wort &#8222;Vision&#8220;. Es k\u00f6nnte wieder einmal die Falsche gewesen sein.<\/p>\n<h3>Ein Wunsch an die Mitbev\u00f6lkerung<\/h3>\n<p>Achten sie auf die gleichen Schalmeienkl\u00e4nge wie die Politiker \u2013 und lesen sie doch mal ein <a title=\"Nachhaltige Energiegewinnung - ohne warme Luft\" href=\"http:\/\/windland.ch\/doku_wind\/nachhaltige_energiegewinnung.pdf\" target=\"_blank\">Buch<\/a>, dass sie hundert mal weiter bringt als nur eine einzige Sendung &#8222;Wetten &#8211; dass?&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Buch, das jedem den notwendingen Wandel verst\u00e4ndlich macht David JC MacKay ist der Autor des beliebten Buches &#8222;Sustainable Energy &#8211; without the hot air&#8220;. Die deutsche \u00dcbersetzung &#8222;Nachhaltige Energiegewinnung &#8211; ohne die heisse Luft&#8220; sollte jedem Politiker der Schweiz als Pflichtstoff neben das Nachttischchen gelegt werden. 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