Die Reise ins Freiamt – der Förderverein Windenergie Aargau verteilt rosarote Brillen

Die Reisen in die Gemeinde Freiamt sind ein Hit. Alle halbe Jahre fährt eine Delegation in das Energiewunderstädtchen und lässt sich da vor Ort Informationen von handverlesenen Bürgern und Energiebauern geben. Selbst gestandene und gutgebildete Mitreisende kommen in unkritischem Zustand in die Schweiz zurück und sind dann mindestens ein bisschen begeistert von dieser Form der Energieeigenständigkeit dieser Gemeinde.

Wenn man sich als bekannter Windkraftkritiker zu einer solchen Reise anmeldet, wird man höflich aber bestimmt abgewiesen. Zu kritische Fragen würden die Stimmung des Tages trüben. Es ist im Vornherein klar, dass man am Ende der Werbefahrt etwas abkaufen muss.

Der Ausflug, der jedes Mal in ein lustiges kleines Fest mündet, ist das Hauptargument für den Windpark Heitersberg der IG WIND plus und des gleichgeschalteten Fördervereins Windenergie Aargau. Da alles so positiv ist, möchten wir hier noch ein paar kritische Stimmen zu Wort kommen lassen. Aus dem gleichen Ort, aber ohne rosarote Brillen:

Besitzer des Hotels Ludinmühle, Freiamt: “Wir sind umgeben von vier Windkraftanlagen im Umkreis von 4 – 5 km. Die nächste ist höchstens 500 m entfernt und ist je nach Windrichtung in unserem Betrieb gewaltig zu hören. Bei offenen Zimmerfenstern kann es schlaflose Nächte geben. Aus meiner Sicht sind die bestehenden vier Windrotoren auf der Gemarkung Freiamt verzichtbar. Ich bitte darum, dass von diesen Umgetümen in der Gemeinde nicht noch mehr gebaut werden.”

Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald: “Es wird darauf hingewiesen, dass die Baar Verbreitungsschwerpunkt des Rotmilans (Art des Anhangs I Vogelschutzrichtlinie) in Baden-Württemberg ist. Hieraus ergibt sich eine besonders hohe naturschutzfachliche und -rechtliche Verantwortung für diese überdurchschnittlich durch Windkraftanlagen gefährdete Art.”

Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg: “Das Vorranggebiet liegt 160 m von einem Bereich entfernt, der nach derzeitigem Stand zur Nachmeldung als EU-Vogelschutzgebiet zum Schutz von Rot- und Schwarzmilan vorgesehen ist. Der Rotmilan wird nach dem derzeitigen Kenntnisstand durch Windkraftanlagen überproportional stark beeinträchtigt. Ein mögliches Hineinwirken von Windkraftanlagen im geplanten Vorranggebiet auf die Rotmilanpopulation im zur Nachmeldung vorgesehenen Vogelschutzgebiet müsste im Rahmen einer Verträglichkeitsprüfung geklärt werden.

Quellen: 1 / 2 / 3

Fragen der IG WINDLAND an die Mitreisenden

  1. Gab es irgendeine Information über störenden Lärm der Windräder in der Gemeinde Freiamt?
  2. Wurde die Vogelproblematik mit den Greifvögeln wie Rotmilan erwähnt?
  3. Gab es irgend eine kritische Bemerkung oder Frage während dem Besuch, die abschliessend beantwortet worden ist?
  4. Gab es eine nachvollziehbare Energiebilanz dieser Windräder zu sehen (Produktionszahlen in Relation zu Verbrauchszahlen)?
  5. Warum hält die IG WIND plus und der FWA kritische Berichte der Vogelwarte Sempach in Bezug auf den Heitersberg zurück?

Könnte es sein, dass diese Reisen bis ins letzte Detail geplant werden, um bekannte Probleme mit rosaroten Brillen zu lösen?

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1 Trackback von "Die Reise ins Freiamt – der Förderverein Windenergie Aargau verteilt rosarote Brillen"

  1. am 2. Februar 2010 um 10:07